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Das Zauberhaus von Peter S. Beagle

Rezension von Christian Endres

 

1960 legte ein junger amerikanischer Autor mit »He! Rebeck!« seinen ersten Roman vor, nur um sechs Jahre später mit »Das letzte Einhorn« bereits einen zeitlos schönen Genre-Klassiker zu schaffen, der nicht zuletzt aufgrund seiner gelungenen Adaption als Zeichentrickfilm in den 1980ern große Berühmtheit erlangte.

 

Wie schon in »Die Sonate des Einhorns« (1996), versetzt Peter S. Beagle sich auch in »Das Zauberhaus« einmal mehr feinfühlig in ein 13-jähriges Mädchen. Anders als bei Joeys Abenteuer in der magischen Anderswelt Shei’rah ist besagtes Mädchen diesmal jedoch kein staunendes Kind, sondern ein gestandener, rebellischer New Yorker Teenie, aus dessen (z. T. recht bissiger) Sicht wir die ganze Geschichte erleben. Und als waschechter Großstadt-Teenager widersetzt Jenny sich entschieden, als ihre Mutter erklärt, dass sie zu deren neuem Mann und seinen beiden Söhnen nach Dorset ziehen, einer kleinen, ländlichen Gemeinde in England. Doch aller Widerstand, alle Rebellion hilft nichts – am Ende findet sich Jenny auf einem heruntergekommenen englischen Bauernhof wieder.

 

Dieser entpuppt sich spätestens mit der Rückkehr von Herrn Kater – Jennys geliebtem, schrulligen Kater – aus der Quarantäne allerdings als interessanter, magischer Ort, an dem es, freiwillig oder nicht, einiges zu entdecken gibt: Geister, Kobolde und andere Sagengestalten bevölkern das alte Farmland samt des baufälligen Herrenhauses, in dem auch der 300 Jahre alte Geist der jungen Tasmin umhergeht. Nach und nach erfährt Jenny mehr über das tragische Schicksal der Geisterfrau – und beschließt, ihr in ihrem Kampf um Erlösung und Frieden beizustehen...

 

Gespenstergeschichte? Mystery-Krimi? Moderne Fantasy? Entwicklungsroman? Dazu historische und soziale Komponenten en masse – Beagles Roman aus dem Jahre 1999, der Dank eines ökonomischen Satzspiegels für ein Taschenbuch langen Lesespaß garantiert, lässt sich nicht so leicht in eine Schublade pressen und sträubt sich erfolgreich gegen jedwede Klassifikation. Ebenso munter wie gekonnt werden hier die verschiedensten Themen und Elemente gemischt, die literarischen und phantastischen Subgenres geschickt überlagert. Heraus kommt dabei ein äußerst stimmungsvoller und abwechslungsreicher Fantasy-Roman mit tollen Charakteren und herrlicher Atmosphäre. Geisterkatzen, Pookas, der Billy-Blind und diverse andere Abstecher in die englische Volks- und Geisterkunde sowie Ausflüge in die nicht ganz unblutige Vergangenheit des britischen Empires ergeben eine interessante, reichlich unkonventionelle Mischung, die man in der Form nicht allzu häufig sieht – und die bedingungslos überzeugt.

 

Peter S. Beagle ist einer der großen, aber eben auch durch und durch modernen Poeten der zeitgenössischen Fantasy, der sich für seine Werke einer wunderbaren Sprache bedient. Selbst wenn er die Perspektive einer 13jährigen wählt, um seine Geschichte zwischen Geistern und Kobolden zu inszenieren, spürt man hinter der Authentizität immer wieder Beagles schreiberische Brillanz und schriftstellerische Klasse pulsieren. Wenngleich ab und an ziemlich frech und jugendlich, ja um nicht zu sagen ungewöhnlich, ist auch »Das Zauberhaus« ein Paradebeispiel für das Können dieses wunderbaren Fantasy-Autors sowie das auch heute noch vorhandene Potential des Genres.

 

Ein echter Pageturner - und auch ohne Einhörner ein kleines Meisterwerk von Altmeister Peter S. Beagle.

 

 

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Das Zauberhaus

Autor: Peter S. Beagle

Taschenbuch, 360 Seiten

Piper, August 2004

ISBN: 3492265367

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.07.2007, zuletzt aktualisiert: 06.12.2019 15:13