Das Zeitalter des Todes von Kim Young-Bin und Lee Sung-You

Reihe: Das Zeitalter des Todes Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Manwha sind die koreanische Entsprechung der japanischen Manga. Sie unterscheiden sich nicht nur zeichentechnisch von diesen, sondern manchmal auch in ihren Inhalten. Beiden ist aber gemein, dass sie tief in der Lebenswelt und den Mythen ihres Herkunftslandes verwurzelt sind.

 

Nicht nur für Japan, auch für Joseon, das spätere Korea, war die Wende zum 20 Jh. eine Zeit der Veränderungen. Der damalige König beschloss sich vom Einfluss Chinas zu lösen und mit den „14 Richtlinien“ die jahrhundertlange Ordnung umzustoßen. Dass er damit der imperialen Politik Japans Tür und Tor öffnete, und den Kampf zwischen Ost und West auch in sein Land holte konnte er damals noch nicht ahnen.

Von den Reformen wird auch der Vater von Mok betroffen. Denn kurz vor seiner letzten Beamtenprüfung, die ihn nach dreißig Jahren Lernzeit zu einem vollwertigen Yangban gemacht hätten, ändert der König alles. Für die Familie bricht eine Welt zusammen und es kommt noch schlimmer. Mok wird von einem Fieber ergriffen, das ihn bis vor die Schwelle des Todes führt. Doch ein geheimnisvoller Fremder namens Han, der in westlicher Kleidung herum läuft, rettet ihm das Leben und weicht auch später nicht von seiner Seite. Das hat einen bestimmten Grund. Mok kann von nun an Geister sehen, was ihm zunächst zu schaffen macht. Han aber lehrt ihn damit umzugehen und die Gefahren zu erkennen, denn nicht alle Geister, denen er begegnet sind friedlich und gehorchen ihm, so wie seine Schutzgeister Stier, Tiger und Drache.

Es gibt eine verlorene Seele, die Rache für ihre grausame Hinrichtung zu nehmen versucht und dabei auch nicht vor Unschuldigen halt macht. Als Han und Mok sich ihr stellen, müssen sie erkennen, dass sie mit dem Ruhelosen verbunden zu sein scheinen, als sie ahnen.

 

„Das Zeitalter des Todes“ ist einer der wenigen Manwhas, die in ihre Geschichte auch historische Ereignisse einbinden. Das macht ihn für den westlichen Leser interessant, da man normalerweise gar nicht mitbekommt, was in Ländern wie diesen geschehen ist. Wie in vielen japanischen Mangas kommt auch hier der Konflikt zwischen Tradition und Moderne zum Tragen und wird immer wieder aufgegriffen und in die Abenteuerhandlung eingeflochten.

Han, der geheimnisvolle Junge in moderner Kleidung, und Mok der Traditionalist stehen für diesen Widerstreit, und sie beide müssen lernen, auf den jeweils anderen und seine Glaubenswelt einzugehen. Das kommt noch zu den spannenden und actionreichen Geisterbegegnungen hinzu, die es schon bald ziemlich in sich haben.

Der Manwha ist sorgfältig, klar und ansprechend gezeichnet, mit Bildern, die eine Menge stimmungsvoller aber nicht immer unwichtiger Details enthüllen.

 

Das macht „Das Zeitalter des Todes“ zu einer interessanten neuen Reihe, in die es lohnt einen Blick zu riskieren.

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Das Zeitalter des Todes

Text: Kim Young-Bin

Zeichnungen: Lee Sung-Gyo

Taschenbuch, s/w

Panini/Planet Manwha, 2006

Übersetzung aus dem Koreanischen von Udo Lee

ca. 180 Seiten, Preis: 7,95 EUR

ISBN 3-86607-136-1

Erhältlich bei: Amazon


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zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39 | Users Online
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