Batman in anderen Epochen als Held agieren zu lassen, ist heute keine besonders originelle Idee mehr. Als Brian Augustyn 1989 „Blutige Schatten der Vergangenheit“ kreierte und zwei Jahre später „Der Herr der Zukunft“ nachlegte, sah das aber noch anders aus. Hier ereignen sich die Abenteuer des Mitternachtsdetektivs nämlich im viktorianischen Gotham. Darauf verweisen auch Originaltitel bzw. der Titel dieses Bandes: „DC Must-have: Batman – Gotham by Gaslight“.
Brian Augustyn (JUSTICE LEAGUE) schickt den Dunklen Ritter für „Blutige Schatten der Vergangenheit“ aber nicht nur in das Gotham gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Er verbindet auch die reale Geschichte von Jack the Ripper damit. Dadurch erhält seine Story eine packende Authentizität. Das verstärkt er noch, indem der Autor Bruce Wayne gleich zu Beginn – nach einem kurzen Blick auf eine leicht modifizierte Origin-Story – ein Gespräch mit Sigmund Freud führen lässt. Mr. Psychoanalyse hat einige interessante Empfehlungen für den schwerreichen Gast aus Gotham. Der will aber wieder in seine Heimat zurück, um dort das Verbrechen zu bekämpfen. Aber auch Jack scheint Gotham City zu dieser Zeit für sich entdeckt zu haben. Kein Wunder also, dass Bruce Wayne unter Mordverdacht gerät. Augustyn gelingt eine stimmige und stimmungsvolle Geschichte, die auch einige Überraschungen bereithält. Die einzige große Schwäche ist die Identität von Jack – denn die ist leider zu offensichtlich. Mike Mignola (HELLBOY) liefert ansprechende Zeichnungen, die gut zur Atmosphäre des viktorianischen Gotham passen. Einigen Panels hätten allerdings mehr Details und ein größeres Format gutgetan.
In „Der Herr der Zukunft“ bekommt es Batman hingegen mit einem skrupellosen Gegner zu tun. Der verfolgt eine menschenverachtende Agenda. Augustyn gelingt hier eine überzeugende Geschichte, die nicht nur ein Aufguss, sondern eine Weiterentwicklung seiner „Gotham by Gaslight“-Idee ist. Packend ist vor allem der Showdown an Bord eines Luftschiffs inszeniert. Allerdings denkt Bruce Wayne hier überraschend wenig daran, seine Fähigkeiten geheimzuhalten. Dafür liefert Illustrator Eduardo Barreto (BATMAN/DAREDEVIL) eine noch bessere Arbeit als zuvor Mike Mignola. Denn seine Zeichnungen sind oft detailreicher komponiert und wechseln immer wieder für besondere Panels ins Großformat. Auch die Mimik seiner Figuren fällt im direkten Vergleich ausdrucksstärker und realistischer aus. Einen Makel gibt es aber doch, den aber keiner der Kreativen zu verantworten hat. Denn beim Rezensionsexemplar finden sich im Mittelteil einige Seiten, die offensichtlich aus der spanischsprachigen Ausgabe stammen, also: „no entender ni jota.“ Das dürfte aber nur bei einzelnen, möglicherweise vorab produzierten, Exemplaren passiert sein.
Die Boni sind „DC Must-have“-typisch überzeugend. Besonders interessant ist dieses Mal die vom Autor verfasste „geheime Entstehungsgeschichte von Gotham by Gaslight“. Hier gewährt Augustyn nicht nur auf die Hintergründe, sondern sorgt auch für einige Lacher.