Zunächst hat es Batman anscheinend »nur« mit einem Entführungsfall zu tun. Doch schnell merkt er, dass sich gleich mehrere seiner Gegner – wie Killer Croc – merkwürdig benehmen. Schließlich muss der Mitternachtsdetektiv sogar gegen eines der mächtigsten Wesen auf Erden kämpfen. Im Hintergrund zieht ein neuer Antagonist die Fäden, der offensichtlich einen persönlichen Hass gegen ihn hegt und bestens informiert ist. Zudem ist der Dunkle Ritter durch die Liaison mit Catwoman abgelenkt. Das alles und noch viel mehr bietet Hush.
Jeph Loeb ist im Batman-Universum alles andere als ein Unbekannter. Schließlich hat der Autor bereits mit Das lange Halloween einen Meilenstein kreiert. Hier präsentiert er der Leserschaft einen spannenden und verzwickten Kriminalfall, der durch immer neue Wendungen begeistert. Dabei lässt er nicht nur fast jeden Charakter auftreten, der in der Welt des Dark Knight Rang und Namen hat. Selbst auf die Zukunft einer Amanda Waller gibt es hier bereits einen Ausblick. Loeb fügt diese Figuren – von denen einige allerdings leider etwas zu kurz kommen – auch stimmig in seine Story ein. Außerdem knüpft er auch gekonnt an bisherige Ereignisse in der Welt des Dark Knight an. Für erzählerische Dynamik setzt der Autor immer wieder auf Rückblicke, die Einblicke in die Psyche gewähren. So entsteht eine facettenreiche Geschichte, die schließlich in gleich mehrere packende Showdowns mündet und immer noch eine weitere Überraschung parat zu haben scheint. Dabei gefällt auch die komplexe Darstellung von Batman, der hier auch mal verletzlich und fehlerhaft daherkommen darf. Vielleicht ist Loebs Vision stellenweise etwas textlastig. Andererseits verleiht das dem Ganzen oft auch zusätzliche Tiefe.
Die Zeichenfeder schwingt durchgängig Jim Lee. Dabei setzt der Künstler nicht nur seine Hauptfigur immer wieder stark in Szene und präsentiert besondere Szenen doppelseitig. Die Panelformgebung variiert Lee stimmig und unterstreicht so etwa einen verhängnisvollen Sturz des Mitternachtsdetektivs noch zusätzlich. Stetige Perspektivwechsel sorgen auch auf der visuellen Ebene für Dynamik – etwa eine aus der zentralen Vogelperspektive gezeigte Beerdigungsszene. Um die Rückblicke zu kennzeichnen, variiert Lee bewusst den Zeichenstil und lässt diese wie halbverblasste Fotos wirken. Gibt es denn überhaupt nichts zu kritisieren? Manchmal – zum Glück wirklich nur sehr selten – schöpft der Zeichner die ihm zur Verfügung stehende Leinwand nicht ganz aus, sodass unschöne weiße Stellen bleiben. Uneingeschränktes Lob verdient hingegen die atmosphärische Farbgebung von Alex Sinclair. Denn die hebt bei einigen Sequenzen noch zusätzlich die Intensität.
»Hush« enthält mehr als nur die Heft-Ausgaben Batman 608 bis 619. So hat Panini noch Die Legende von Batman: Wer er ist und wie er dazu wurde vorangestellt. In der ebenfalls von Jeph Loeb verfassten Geschichte, erfahren Neulinge kompakt auf zwei Seiten das Wichtigste über den Dunklen Ritter. Damit das alte Hasen nicht langweilt, wählt der Autor die Perspektive von Alfred Pennyworth.
Zudem gibt es am Ende Prolog: Nachspiel aus der Batman: Hush 20th Anniversary Edition. Es beantwortet nicht nur eine wichtige Frage der Haupthandlung, sondern liefert auch eine schöne Schlusspointe. Da bei allen Teilen das Duo Loeb und Lee zusammenarbeitet, wirkt alles wie aus einem Guss. Dazu kommt noch das umfangreiche und informative Bonusmaterial, das Paninis DC Must-Have-Veröffentlichungen generell auszeichnet.