Schon eine ganze Weile veröffentlichen die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel unter ihrem gemeinsamen Pseudonym T. S. Orgel Romane, die sich irgendwo zwischen High- und Urban-Fantasy bewegen. Nun nehmen sie sich einer anderen phantastischen Richtung an und vereinen die unterschiedlichsten Märchenfiguren in ihrem neusten Buch.
Als »Weiße Kaiserin« herrscht Katharina, die auch »Schneewitwe« genannt wird, mit unerbittlicher Hand über das Land und macht vor allem Jagd auf eine Gruppe von Wesen, nämlich diejenigen, die über Magie gebieten.
Das bekommt auch Tristan, der Neffe von Fürst Streich zu spüren, der in einer Nacht des Grauens alles verliert und fortan nun noch Rache nehmen will. Er sammelt eine Schar von ebenso entschlossenen Helden um sich, um die grausame Tyrannin zu entmachten.
Es ist ja eigentlich eine sehr klassische Geschichte, die uns die Brüder hier präsentieren. Der junge und unerfahrene, weil bisher behütet aufgewachsene junge Held verliert alles und fast auch sein Leben. Natürlich hat er danach nur noch ein Ziel, was zudem von einer Hexe befeuert wird, die ihm ein Ziel vorgibt.
Auf diesem Weg sammelt der Held viele illustre Gestalten um sich, die ebenfalls viel zu verlieren haben, etwa weil sie einem anderen unterdrückten Volk angehören oder selbst gehörig Magie in sich tragen.
Das sorgt für recht viel Unterhaltung, denn die Figuren sind natürlich in der Gruppe am Stärksten. Und es gibt den Autoren die Gelegenheit immer man wieder nette Anspielungen auf die Märchen zu machen.
Immerhin ist die Handlung nicht in Gänze vorhersehbar, denn es gibt im letzten Drittel noch einen netten Twist. Ansonsten lebt der Roman aber vor allem durch die vielen netten Anspielungen und die Neuinterpretation mancher Charaktere.
Wie immer erzählen die Brüder ihre Geschichte sehr flüssig und ohne Längen. Sie mögen zwar kein besonderes Worldbuilding betreiben, aber der Hintergrund an sich ist stimmig und die Figuren erfüllen ihren Zweck im geschehen, obwohl sie nur wenig Ecken und Kanten haben.
So ersparen sich die beiden eine Liebesgeschichte, die hätte auch in dieser Handlung keinen Platz. Dafür dominieren bitterböse Momente, die dem Geschehen noch mehr Reiz verleihen und sogar eine gruslige Atmosphäre schaffen.