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Death Proof - Todsicher

Rezension von Björn Backes

 

Quentin Tarantino. Legende. Idol. Feindbild. Provokanter Inszenator. Muster des cineastischen Fortschritts. Stilikone des bildgewaltigen Kinos der Neuzeit. Und noch so vieles mehr. Die Nachricht, dass der berüchtigte Regisseur drei Jahre nach dem populären „Kill Bill“-Zweiteiler wieder die Lichtspielhäuser angreifen würde, verbreitete sich im vergangenen Jahr wie ein Lauffeuer. Große Erwartungen gingen „Death Proof“, dem vermeintlichen neuen Kultwerk voraus, herbe Enttäuschung brachten die meisten Besucher jedoch nach Hause. Hat Tarantino seinen Zenit überschritten? Oder wurde das aktuelle Machwerk des preisgekrönten Urhebers einfach nicht richtig verstanden? Fragen, die wohl nur eine genauere Analyse aufdecken kann.

 

Story:

Texas: In den einsamen Straßen des großen Staates treibt der ehemalige Stuntman Mike sein Unwesen. Bewaffnet mit seinem speziell präparierten Muscle Car rast er über die Highways, stets auf der Suche nach neuen Opfern. In einer Bar lernt er die aufstrebende DJane Jungle Julia und ihre hübschen Freundinnen kennen und biedert sich regelrecht für einen Flirt an. Die Mädels sind wenig angetan, lassen sich aber schließlich auf das Spielchen ein – und bezahlen während eines Crashs auf der Heimfahrt mit ihrem Leben.

14 Monate später taucht Mike in Tennessee auf und beobachtet drei attraktive Frauen während einer Drehpause ihres neuen Filmprojekts. Alsbald folgt er ihnen und lauert ihnen bei einer ungewöhnlichen Spritztour erneut mit seinem getunten Wagen auf. Doch die Damen verstehen sich mit der Kunst des Crash-Car-Fahrens, lassen sich vom mordenden Stuntman nicht beeindrucken und drehen den Spieß schließlich herum.

 

Persönlicher Eindruck:

„Death Proof – Todsicher“ hat ein gewaltiges Problem: Der Film enthält keine wirklich mitreißende Story. Zwar lebte das Tarantino-Kino seit jeher von der Kraft der Bilder und den skurrilsten Gestalten, und davon finden sich auch in der neuesten Produktion so einige, jedoch wollen sich die Inhalte nicht zu einem in jedweder Form packenden Spektakel entwickeln, welches man vom mächtigen Regiemann hätte erwarten dürfen.

Jene Erwartungshaltung stellt aber bestimmt auch ein großes Problem dar, welches zwangsläufig zu enttäuschten Eindrücken führen muss. Als Meister des komplexeren Kinos hat sich Tarantino gerade in Filmen wie „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ ein Denkmal gesetzt, alles andere schien dem Mann einfach nicht möglich. Nun jedoch setzt er einen gewaltigen Kontrast und nutzt sein erneut aufblitzendes Dialogkino lediglich als üppige Ausschmückung einer durch und durch simplen Story.

Die provokanten Inhalte bleiben indes weiterhin Teil seines Schaffens; der Wortschatz ist in beinahe allen Szenen brutalster Slang, die Dialoge als solche von unflätigen Worten geradezu dominiert. Tarantino bedient sich dem Umgangston der Gosse, vollführt dadurch einen erneuten Bogen um den Mainstream, trifft dessen momentanen Charakter andererseits aber ganz genau, weil des Regisseurs Einfluss mittlerweile auch in weiteren zeitgemäßen Produktionen spürbar ist. Der verheerende Unterschied jedoch: Das Gros der Filme, welches direkt oder indirekt von ihm inspiriert wurde, hat ihn derweil überholt und zeigt ihm beim direkten Vergleich mit „Death Proof“ seine Grenzen auf.

 

Trotzdem muss man attestieren, dass die Bilder in der Tat wieder Eindruck erweckend sind, auch wenn die gesamte Inszenierung von (bewusst eingeflochtenen) Klischees nur so strotzt. Während der Film in bester Grindhouse-Manier startet und mit den handelsüblichen optischen Verschmutzungen dieser cineastischen Phase aufwartet, wählt man beim rasanten Einschnitt und Themenwechsel zur Mitte eine kurze, abgrenzende s/w-Phase, bevor dann die Überleitung in die (nicht nur inhaltliche) Moderne stattfindet. So werden gleich mehrere Jahrzehnte der Filmgeschichte visuell abgedeckt, zudem mal wieder mit einem außergewöhnlich starken, thematisch jedoch auch sehr gut sortierten Soundtrack ausgestattet und in die Magie der Bildaufnahmen integriert.

Ohne den standesgemäß überzeugenden Inhalt können die passenden Rahmenbedingungen das kleine Fiasko aber dennoch nicht aushebeln. Die Geschichte ist platt, dies sicherlich auch bewusst, allerdings bleibt schlussendlich der Effekt aus. Unter Effizienz versteht Tarantino heuer vermehrt die nichts sagenden, aggressiven Dialoge, seine Slang-lastige Sprache, ein enormes Maß an Sex-Appeal bei den Darstellern und kurze, prägnante Schock-Szenen (wie etwa der Horror-Crash in der ersten Hälfte), die allesamt für gute Unterhaltung bürgen, aber definitiv noch keinen Klassiker ausmachen. Zumindest hat der gute Herr die stete Unberechenbarkeit beibehalten. Auch in „Death Proof – Todsicher“ geschieht häufig ausgerechnet das, was man wohl am wenigsten erwartet hätte, und das gilt grundsätzlich für alle entscheidenden Szenen im Film. Aber dies alleine reicht einfach nicht, um den Status eines würdigen Tarantino-Reißers einzuheimsen.

 

Fazit:

Der große Regisseur wankt zum ersten Mal in seiner Karriere etwas deutlicher. Seine 07er-Produktion trägt zwar eine deutliche Handschrift, versagt jedoch schließlich bei der Kreation eines mitreißenden Story-Konstrukts. „Death Proof – Todsicher“ ist schließlich nur schonungslose Brutalität in einem bizarren Setting und mit Tarantinos typischem, aberwitzigem Humor. Das Ganze wird hingegen von erneut guten Schauspielern inszeniert, allen voran Kurt Russell, der hier einen seiner besten Jobs abgeliefert hat, aber den eher zwiespältigen Gesamteindruck auch kaum mehr beeinflussen kann. In der Diskografie des Regisseurs, und alleine das sollte in diesem Ausnahmefall maßgeblich sein, schleicht sich nun leider auch ein Film des Prädikats Mittelmaß ein. Und das nicht etwa, weil hier etwaige Missdeutungen zugrunde liegen, sondern schlichtweg aufgrund des mageren, langweiligen Plots.

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Eure Meinung:


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DVD:

Death Proof - Todsicher

Regisseur: Quentin Tarantino

Format: Anamorph, Dolby, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch, Englisch

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 2.35:1

FSK: 16

Ufa/DVD, 7. Januar 2008

Spieldauer: 110 Minuten

 

ASIN: B000Y0UZJM

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Kurt Russell

Sydney Tamiia Poitier

Rosario Dawson


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Erstellt: 17.01.2008, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01