Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Delirium von Lauren Oliver

Hörbuch

Reihe: Amor-Trilogie Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Lauren Oliver stammt aus einer Familie mit vielen Autoren und wuchs so unter Schriftstellern auf. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie nach dem Studium an der Universität von Chicago als Redaktionsassistentin in einem New Yorker Verlag arbeitete und selbst mit dem Schreiben anfing. „Delirium“ ist ihr zweiter Roman und der Auftakt zur Amor-Trilogie. Das Buch wurde leicht gekürzt auch in eine Hörbuchfassung umgesetzt, gelesen von Annina Braunmüller.

 

In nicht all zu ferner Zukunft ist die USA zu einem Überwachungsstaat geworden. Unter dem Deckmäntelchen, die Menschen schützen zu wollen, wurden die Grenzen abgeschottet und dafür gesorgt, dass all zu überbordende Gefühle verschwinden. Ausgerechnet die Liebe wird zu einer schwerwiegenden Krankheit erklärt, die behandelt werden muss. Wissenschaftler haben ein Serum entwickelt, das Gefühle dieser Art unterdrückt und abtötet. Den Jugendlichen wird sie zum ersten Mal nach dem Abklingen der Pubertät verabreicht. Dann macht es auch nichts aus, dass sie mit einem Partner verheiratet werden, für den sie eigentlich nichts empfinden.

Razzien der Polizei und eine Bürgermiliz sorgen dafür, dass Andersdenkende erst gar keine Chance haben, ihre Gedanken zu verbreiten. Wer durch all zu heftige Gefühlsregungen oder gar Widerstand auffällt, wird verhaftet, behandelt und gegebenenfalls getötet, offensichtliche Rebellen gleich hingerichtet.

In dieser Welt wächst Lena auf und hinterfragt das System nicht. Sie ist glücklich darüber, dass ihre Tante sich ihrer nach dem Tod der Eltern angenommen und ihr eine Heimat gegeben hat. Kurz vor dem Tag ihrer Behandlung kommen jedoch Zweifel auf, ausgelöst durch einen Jungen, der seltsame Empfindungen in ihr auslöst. Lena horcht auf und sucht die Nähe von Alex, lässt sich von ihm in eine Welt entführen, die neu und aufregend für sie ist.

Allerdings weiß das Mädchen auch, dass sie sich damit in große Gefahr begibt, denn gerade das Hören von verbotener Musik und das Genießen natürlicher Schönheit, deuten an, dass sie sich vermutlich mit der Krankheit infiziert hat ... und sie kennt die Folgen, wenn das auffällt. Nur gibt es nun – wo sie diese starken Gefühle gekostet hat – noch eine Rückkehr in ihr altes Leben?

 

Romantische Jugendbuchautoren haben die düstere Zukunft für sich entdeckt und greifen doch nur Themen auf, die jedes Kind unterschwellig auf dem Weg zum Erwachsenwerden begleiten.

Denn auch heute entscheiden die Erwachsenen und die Obrigkeit oft darüber, was gut für einen ist, wünschen, die Jugendlichen zu fleißigen und gehorsamen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen.

So ist das Szenario, das Lauren Oliver entwickelt, durchaus vorstellbar, wenn es auch erst einmal schwammig bleibt und mit Allgemeinplätzen arbeitet. Aber das ist gerade, was Vertrautheit schafft.

Natürlich ist die Liebe bei der Formung junger Seelen störend, veranlasst es doch gerade die jungen Männer und Frauen dazu, unvernünftig zu sein und zu rebellieren, ihren eigenen Willen zu entwickeln und durchsetzen zu wollen.

Die Geschichte zelebriert dies genüsslich, indem sie sich die Zeit nimmt, die Zweifel in Lena langsam wachsen zu lassen, ebenso wie ihre Rebellion gegen das System, in das sie sich vor kurzer Zeit noch hat einfügen lassen wollen. Doch je mehr sie über ihre Vergangenheit und ihre Eltern erfährt, desto mehr bricht sie aus und sucht ihren eigenen Weg in die Freiheit, die scheinbar in den wilden Zonen inmitten des Landes liegt.

Doch das wird wohl erst in den nächsten Büchern ein Thema werden, endet die Geschichte doch mit einem Cliffhanger.

So spannend die Geschichte doch auch aufgemacht ist, so vorhersehbar ist sie. Lauren Oliver kennt die für eine Dystopie wichtigen Versatzstücke für die Handlung und setzt diese inflationär ein. Allerdings macht sie es sich auf der andere Seite sehr leicht, wenn ihre Figuren aus der Schusslinie kommen sollen, denn oft genug darf der Zufall dafür Sorge tragen, dass sie noch einmal dem Zugriff der Obrigkeit entkommen.

Die erwachsenen Figuren sind daher alle mehr oder minder einfach und schwarzweiß gezeichnet, nur die Jugendlichen zeigen ein paar Facetten mehr, damit sich die Leserinnen in ihnen wiederfinden können. Und nicht zuletzt gibt es eine wildbewegte Romanze, die die Handlung ordentlich vorantreibt.

Die Lesung von Annina Braunmüller passt sehr gut zu dem Inhalt, denn vermittelt den Trotz und das Selbstbewusstsein der jungen Heldin sehr gut.

 

Alles in allem ist „Delirium“ eine der heute modernen Dystopien, die zwei wichtige Themen der Jugend in ein futuristisches Gewand kleiden, aber doch fest in der Gegenwart verankert sind: die Gefühlsverwirrungen der ersten Liebe und die Probleme auf dem Weg zum Erwachsenwerden, garniert mit all den Steinen, die die ältere Generation den Jugendlichen gerne in den Weg legt, um nicht die Kontrolle über sie zu verlieren.

Die Umsetzung ist durchschnittlich, da die Autorin auf eingetretenen Pfaden bleibt, die Lesung passt im Stil zum Inhalt des Buchs.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:

botMessage_toctoc_comments_9210
Platzhalter

Hörbuch:

Delirum

Reihe: Amor Band 1

gekürzte Lesung

Autorin: Lauren Oliver

Übersetzerin: Katharina Diestelmeier

Sprecherin: Annina Braunmüller

Umfang: 5 CDs

Laufzeit: ca. 445 Minuten

Silberfisch/Hörbuch Hamburg, Oktober 2011

Titelbild: Ryan McVay

 

ISBN-10: 3867421005

ISBN-13: 978-3867421003

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:

Empfehlen:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 12.06.2012, zuletzt aktualisiert: 02.06.2019 11:30