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Der Algorithmus des Meeres von Frank Hebben

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Und, was steht drin?, fragt Maro schließlich.

Eine der zwei Geschichten, erklärt die alte Lina: Ein Mann geht auf Reisen oder ein Fremder kommt in die Stadt.

Ihr Stövchen, ein Teelicht; die Kanne dampft. Draußen rauscht die Flut über den Sand.

Jetzt sag schon …

Junge trifft Mädchen? Licht gegen Schatten? Sie zwinkert, während sie eine Tasse aus dem Regal nimmt.

Ach, du bist doof.

Nein. Du hörst mir nicht zu!

 

Rezension:

Frank Hebben hat sich mit seinen Kurzgeschichten und Gedichten einen ganz eigenen Ruf erarbeitet und glücklicherweise fanden sich für seine Texte immer auch engagierte Verleger, sie in einer entsprechende Buchform zu würdigen. Im Begedia Verlag erschienen die letzten Werke bereits in liebevollen Ausgaben, als kleine Kunstwerke.

Für die Gestaltung von Der Algorithmus des Meeres konnte der Grafiker und Schauspieler Thomas Franke gewonnen werden, dessen Stich-Collagen inzwischen einigen SF-Titeln ein klassisch anmutendes Gesicht geben.

 

»Der Algorithmus des Meeres« beginnt mit dem Tagesablauf von Maro, einem Jungen, der an einen Strand in einem Hotel lebt, irgendwann jenseits einer zivilisatorischen Katastrophe. Er ist zuständig für die Wartung alter Gezeitenkraftwerke und verliebt in Kassandra, die ebenfalls im Hotel lebt, wie noch eine Reihe weiterer Frauen und Männer.

Die Arbeiten sind aufgeteilt, das Leben ist hart im feuchten Klima. Rost und Sand sind ständige Begleiter.

Doch als ob sich Maros Albträume erfüllen wollen, bringen Veränderungen Tod und Zerstörung mit sich. Ein seltsamer Mann taucht auf. Sal wird zwar von Lina, der alten weisen Frau der Gruppe, als Gast willkommen geheißen, doch Maro gefällt seine Nähe zu Kassandra nicht.

Das Meer spült giftige Fässer und dann sogar einen havarierten Öltanker an, der die Stromversorgung zerstört und den Horizont verstellt.

Maro wird auf die Suche nach dem alten Concierge geschickt …

 

Die kleine Erzählung beginnt postapokalyptisch und dreht bald in eine sehr philosophische Suche nach dem wirklichen Leben. Frank Hebben verrückt die Realität nicht nur in seinen lyrischen Prosafetzen, die sich wie Sanddünen durch die Seiten bewegen. Am Ende überlässt er es den LeserInnen, sich für eine der möglichen Erklärungen zu entscheiden, oder etwas neues in dem vielschichtigen Text zu finden.

Karla Schmidt bietet in ihrem vorzüglichen Nachwort sehr viele Text- und Handlungserklärungen. Sie steigt tief in die Metaphorik ein und seziert den Text fast zu gründlich. Auf jeden Fall aber hilfreich für ein erneutes Lesen, das der Text tatsächlich verträgt, weil sich viele sprachliche Elemente vielleicht erst dann offenbaren.

Frank Hebben schreibt keine gängige Prosa, er baut Sprachbilder mit einer effektiven und verkürzt erscheinenden Satzstruktur, die jedoch stets exakt begleitet, akzentuiert ohne je die große Melancholie zu verlieren, welche das Buch wie den titelgebenden Algorithmus des Meeres durchtränkt.

 

Fazit:

»Der Algorithmus des Meeres« von Frank Hebben ist sowohl optisch als auch inhaltlich ein Kleinod. Frank Hebben erzählt die Geschichte eine postapokalyptischen Gesellschaft, die sich zerstörischen Veränderungen und dabei ihrer eigenen Realität stellen muss. Bittersüß und lyrisch kraftvoll in der Sprache, bewegend und wiegend wie das Meer.

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Buch:

Der Algorithmus des Meeres

Autor: Frank Hebben

Gebundene Ausgabe, 128 Seiten

Begedia Verlag, 14. September 2015

Umschlagbild und Illustration: Thomas Franke

Nachwort: Karla Schmidt

 

ISBN-10: 3957770491

ISBN-13: 978-3957770493

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Taschenbuch:

ISBN-10: 3957770696

ISBN-13: 978-3957770691

 

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Erstellt: 08.01.2016, zuletzt aktualisiert: 23.06.2018 12:20