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Der Atem des Rippers von Martin Clauß

Rezension von Carina Schöning

 

Kaum ein Serienkiller hat soviel Aufsehen und Berühmtheit erlangt wie Jack the Ripper, der im Herbst 1888 fünf Prostituierte im bekannten East End von London aufgeschlitzt und ausgeweidet hat. Spekulationen über den Täter und die Hintergründe gibt es zuhauf, ob reißerische Hollywood Filme wie „From Hell“, die düsteren und fast schon surrealen Comics von Alan Moore und Eddie Campbell oder auch Patrica Cornwells „Wer war Jack the Ripper?“-Roman.

 

Martin Clauß geht in seinem neuen Roman „Der Atem des Rippers“ einen anderen Weg. 1903 reist der englische Maler Walter Sickert mit einem Schiff von Dieppe nach London. Mehr aus Zufall fällt ihm ein hagerer Kirchenmann auf, der nervös hin und her schleicht, begleitet von einem anderen Mann. In London angekommen beginnt sofort die Verfolgung in den dunklen Gassen und Sickert rennt den beiden neugierig hinterher. Plötzlich lässt der erste seine Tasche fallen und flieht. Mit dem festen Vorsatz die Tasche der Polizei oder dem Fundbüro zu übergeben nimmt Sickert sie erstmal mit zu seiner Herberge im nahen Wapping. Dort traut er seinen Augen nicht: die Tasche enthält anscheinend das Tagebuch von der Bestie von Whitechapel, Jack the Ripper.

 

Sickert findet an diesem Abend keinen Schlaf. Erschüttert und fasziniert zugleich liest er die Tagebucheinträge von Alan Spareborne. Einst ein guter Arzt und Chirurg in London hatte er bei einem Italien Urlaub 1881 eine unglaubliche Begegnung mit dem damaligen Papst Leo XIII. Fortan fühlte er sich von Gott auserwählt und berufen ein katholischer Priester zu werden. Sein Spezialgebiet sind Reliquien, doch nach und nach reicht das bloße Besitzen nicht mehr aus. Am Namenstag des heiligen Lazarus, Schutzpatron der Metzger und Totengräber macht er sich als „Leather Apron“ (Lederschürze) auf seine erste eigene Reliquie zu „erschaffen“.

 

Ganze 108 Seiten hat der schmale Band „Der Atem des Rippers“ und kann doch mit seiner ganz eigenen Sichtweise auf die bekannten Mordfälle überzeugen. Entgegen der damaligen Presse ist „Jack the Ripper“ hier kein radikaler Frauenhasser sondern ein psychisch Kranker, der sich immer mehr in seinen Reliquienwahn hinein steigert und eine eigene verquerte Logik entwickelt. Geschickt springt der Autor zwischen Vergangenheit und Gegenwart und erschafft so ein spannendes und intelligentes Portrait eines innerlich zerrissenen Serienkillers. Die kurzen Tagebucheinträge lösen sich mit ausführlichen Zeitungsartikeln ab und auch der Schluss kann mit einem interessanten Zusammentreffen der damaligen Hauptverdächtigen wie zum Beispiel Francis Tumblety überraschen. Ein interessantes Detail dabei ist auch, dass Walter Sickert wegen seinen ausdrucksstarken Bilder zeitweise selbst als Täter verdächtigt wurde.

 

Insgesamt ist Martin Clauß mit „Der Atem des Rippers“ eine spannende und originelle Variante des altbekannten Mythos gelungen.

 

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Der Atem des Rippers

Autor: Martin Clauß

broschiert, 108 Seiten

Atlantis-Verlag, erschienen Januar 2008

Titelbild von pixelio.de

ISBN-10: 3936742901

ISBN-13: 978-3-936742-90-9

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.02.2008, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18