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Der Aufstand von Neal Shusterman

Reihe: Vollendet, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1962 in Brooklyn geborene Neal Shustermann schreibt bereits seit seiner Schulzeit und studierte später in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften – gute Grundlagen um später Romane und Drehbücher zu verfassen, in denen es in erster Linie um Menschen geht. Er hat bereits etliche Geschichten veröffentlicht, auch den mit Preisen ausgezeichneten Romanzyklus „Vollendet“, von dem hier nun der zweite Band vorliegt.

 

In einer nicht all zu fernen Zukunft sind Abtreibungen in Noradamerika verboten worden. Jedes Kind hat das Recht bis zur Vollendung des dreizehnten Lebensjahres zu leben – danach allerdings sieht es anders aus. Jugendliche, die unangenehm auffallen – sei es nun den Erziehungsberechtigten in den staatlichen Stellen und der Obrigkeit oder den eigenen Eltern oder wer gar von Geburt an dazu bestimmt ist, landet schon bald in den sogenannten Erntecamps. Dort werden die als „Wandler“ bezeichneten Jugendlichen bis zum achtzehnten Lebensjahr umgewandelt, das heißt nichts anderes als in seine Bestandteile zerlegt zu werden. 99,4 % davon müssen weiter verwendet, das heißt anderen Menschen eingepflanzt werden. So kaschiert man den Massenmord als „Weiterleben in vielen Teilen“.

Connor, der ebenfalls dazu ausersehen war, gewandelt zu werden, gelang eine aufsehenerregende Flucht aus einem der Lager, in dem die jungen Menschen auf ihr Ende warteten. Durch diese Angelegenheit ist er zum Anführer der Flüchtlinge geworden, die sich mit ihm auf dem sogenannten „Friedhof“ verstecken, einem alten Flugplatz, auf dem sie zwischen ausrangierten Maschinen mehr oder weniger ihr Leben fristen und gerade einmal von der AUF- der Anti-Umwandlungs-Front notdürftig versorgt werden.

In der behinderten Risa hat er eine gute Freundin und Stütze für alle Aufgaben gefunden, auch wird er von einem Kreis an vertrauenswürdigen Leuten unterstützt – allerdings ahnt er nicht, dass einer, der ihm besonders nahe steht, ihn schon bald verraten wird. Und auch Lev, der sogenannte Klatscher hadert mit seinem Schicksal und versucht vor allem die sogenannten Zehntopfer zu retten. Neu hinzu kommen die junge Miracolina, die von ihrer Geburt an für die Wandlung bestimmt ist und Starkey, ein Junge in dem kalte Wut brodelt, hat er doch als Storch – als ausgesetztes Kind – nur Abscheu und Grausamkeit miterlebt.

 

Die Geschichte setzt dort an, wo sie im ersten Band aufhörte. Connor ist in eine Rolle hineingedrängt worden, die er gar nicht ausfüllen wollte – was nun auch dazu führt, dass er immer mehr die Fäden aus der Hand und seine besten Freunde aus den Augen verliert. Am Ende bleibt ihm erst einmal nicht mehr als Lev an seiner Seite und die Flucht.

Wie immer stehen Einzelschicksale im Mittelpunkt der Handlung. Auf gleich mehreren Ebenen erfährt man, wie andere Kinder mit der Situation umgehen, in die sie geboren sind – Miracolina, die bereit ist, sich ihrem Schicksal zu fügen, auch wenn sie es bedauert, und Starkey, der bewusst von seinen Pflegeeltern an die JuPo ausgeliefert wird, um zu sterben.

Nüchtern, sachlich und manchmal auch grausam schildert der Autor die Situation und wie die Kinder darauf reagierten, vertieft den Blick auf das gnadenlose System, das man nur durch die Sicht einiger Jäger und vor allem Werbeanzeigen kennen lernt. Man braucht nicht viel, um die Perversion und Menschenverachtung mitzuerleben und Rückschlüsse zur Gegenwart zu ziehen – so regt der Autor durchaus auch zum Nachdenken über die bigotte Gesellschaft an, die vielleicht noch nicht ganz so weit ist wie in dem Roman, aber sich durchaus auf diesem Weg befindet, wie der ein oder andere Auszug aus dem Internet beweist.

Action ist zwar vorhanden, aber den Erfahrungen und Gefühlen der Helden untergeordnet. Dabei zeigt sich recht schnell, dass man trotz aller Anteilnahme doch kaum eine Figur wirklich sympathisch finden kann – da alle ihre hellen und dunklen Seiten haben. Zudem verzichtet der Autor darauf, sie richtig auszuarbeiten, das was man miterlebt sind nur schlaglichtartige Aufnahmen ihres Lebens und ihrer Denkweise.

Die Spannung bleibt moderat, da gerade erfahren Leser Teile der Handlung in größeren Teilen vorausahnen können. Letztendlich dürften aber auch sie von den intensiven Bildern überrascht werden, die Neal Shusterman auf einfache aber klare Weise vermittelt.

Das Buch richtet sich auch an beide Geschlechter, da Mädchen und Jungen gleichermaßen zu Wort kommen und die Liebe eine eher untergeordnete Rolle spielt.

 

Alles in allen ist „Der Auftstand“ der zweite Teil der „Vollendet“-Reihe ein spannender Einblick in eine Zukunft, die durchaus einmal Wirklichkeit werden könnte, wenn die Entwicklung in der Gesellschaft so weiter geht. Der Roman ist daher nicht nur reine Unterhaltung, sondern regt auch zum Nachdenken an.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Aufstand

Reihe: Vollendet, Band 2

Autor: Neal Shusterman

Übersetzung: Anne Emmert und Ute Mühr

Fischer Sauerländer, August 2013

gebunden, 544 Seiten

 

ISBN-10: 3737367183

ISBN-13: 978-3737367189

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 28.10.2014, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 10:59