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Der Chor der Anarchie von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Südfrankreich, in den 50er Jahren. Spanische Anarchisten haben sich vor dem Franco-Regime ins Exil geflüchtet. Die Kinder der Kommune wachsen mit den alten Geschichten auf – vom Bürgerkrieg, der Hoffnung auf eine bessere Welt und den Menschen aus aller Herren Länder, die zum Kampf gegen den Faschismus kamen. Während die Erwachsenen versuchen, in der kleinen Gemeinschaft das Leben ohne Herrschaft am Leben zu erhalten, erwacht in den Heranwachsenden Lust auf Zukunft und den eigenen Weg. Ein Radiosender funkt den Chor der Anarchie über die Grenze – und beim Basteln an einem alten Flugzeug reift der Plan, mit einem Schlag alles zu verändern: eine Bombe auf Franco …

 

Rezension:

In seinem Nachwort erklärt Gecko Neumcke die Entstehungsgeschichte von Der Chor der Anarchie. Über einen Beitrag von Kurt Kreiler im Deutschlandradio 2002 wurde er auf die Geschichte der anarchistische Commune d’Aymare aufmerksam. Bald entstand aus der Beschäftigung mit den spanischen Anarchisten ein Text, 2003 kam Stephan Strzoda als Korrektor und später als Co-Autor ins Boot. 2004 ist die Geschichte fertig und wird für den Privatgebrauch gebunden. 2015 findet sich dann endlich ein Verlag: Das Beben.

 

Es wundert nun gar nicht mehr, dass in Gecko Neumckes großartigem Social-Fiction-Krimi ein totes im see’bolo Kommunen eine so wichtige Rolle spielen. Das Thema scheint ihn auch nach 2004 nicht losgelassen zu haben.

In seinem Frühwerk lässt er das Leben in der Anarchisten-Gemeinschaft Colonia de Aymare vor den Augen der LeserInnen auferstehen.

Im Mittelpunkt vier Heranwachsende. Einen Großteil der Geschichte erzählt Lucia, beginnend im Herbst 1950 mit der Ernte von Maronen. Fünf Jahre später stößt Pascal hinzu, als er mit seinem Vater in die Colonia kommt und Angst davor hat, dass ihm die Anarchisten seinen Roller wegnehmen, wo doch hier allen alles gehört. Doch Lucia nimmt sich des Jungen an und bald gehört er zu ihrem Kleeblatt. In einer gespielten Verhörszene der Guarda Civil wird eine Freundschaft fürs Leben geschmiedet.

Pasc ist ein Junge aus dem Dorf im Tal, mit dem die Anarchisten-Gruppe stets gut auskam, selbst den Nazis gegenüber verriet dort niemand die nach der Niederlage im Bürgerkrieg über die Pyrenäen geflohenen Menschen.

Das Leben ist einfach, aber kollegial und in den Augen Lucias und ihrer Freunde auch sehr fröhlich. Während Pasc jedoch zur Schule muss, lernen die kleinen Anarchisten alles, was es zu wissen gab in der Commune.

In wenigen, aber intensiven Szenen wird das Zusammenleben deutlich. Kochen, Schneeballschlacht und politische Diskussion – starke Charaktere forderte es, in einer Gemeinschaft ohne Hierarchie zu leben.

Der tragische Schwenk der Geschichte entspricht keinen historischen Fakten. Die leidenschaftliche emotionale Bindung an den Kampf der Eltern, die aufgegeben zu haben scheinen, wird zu einem bitteren Lernprozess für das Kleeblatt. Entscheidungen haben oftmals Folgen auch für andere und ein Nichtfragen bedeutet eben manchmal, über andere zu bestimmen. So wird der Kampf für den Anarchismus zu einem despotischen Akt, zu einem Coming-of-Age der ganz besonderen Art.

 

Eine zunächst fröhliche, dann traurige Geschichtslektion voll Sommer, Jugend und dem Wunder einer Lebensalternative.

 

Fazit

In der kleinen Novelle »Der Chor der Anarchie« von Gecko Neumcke und Stephan Strzoda wird eine Zeit und ein ganz besonderes Gesellschaftsmodell lebendig. Während an deutschen Häuserwänden das A der Anarchie für den zerstörerischen Aspekt der Staatsabschaffung steht, versuchten in der französischen Commune d’Aymare spanische Anarchisten ihren Traum einer freien Gesellschaft zu leben. Den beiden Autoren gelingt es mit melancholischer Leichtigkeit, zum Mitträumen einzuladen.

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Eure Meinung:

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eBook:

Der Chor der Anarchie

Autoren: Gecko Neumcke und Stephan Strzoda

Formate: epub, PDF, MOBI

Das Beben, 11 Juli 2016

Cover: Lisa Naujack

 

ISBN: 978-3-944855-15-8

 

Kindle-ASIN: B01I5UK27W

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

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Erstellt: 08.09.2016, zuletzt aktualisiert: 16.08.2019 12:16