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Der Club der Gerechten von John Saul

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Jeff Converse wird das Opfer eines verheerenden Missverständnisses. Für einen brutalen Übergriff, den er nicht begangen hat, wir der vor Gericht zu einer vergleichsweise milden Strafe von einem Jahr Haft verurteilt. Obwohl er der Frau, die im Anschluss an das Verbrechen im Rollstuhl landete, nur zur Hilfe eilen wollte und sich nichts vorzuwerfen hat, nimmt er das Urteil an. Nach drei Monaten soll Jeff nach Rikers Island verlegt werden. Doch der Transport verunglückt und Jeff entkommt mit Hilfe eines merkwürdigen Obdachlosen in die U-Bahn-Schächte Manhattans. Die Polizei jedoch meldet infolge des Unfalls drei Tote – einer von ihnen soll Jeff sein.

Stunden später erlebt der Unschuldige jedoch erst das wahre Grauen. Gemeinsam mit einem psychopathischen Mitinhaftierten findet er sich in einer dunklen Zelle wieder und wird auf ein Spiel um Leben und Tod geschickt. Mit seinem Partner soll er versuchen, aus dem U-Bahn-Labyrinth zu entkommen. Doch an allen Ecken lauern scheinbar Verbündete des Initiators dieses grausamen Spiels, die ihm noch nicht das Leben nehmen. Aber Jeff ist sich im Klaren, dass die Jagd auf ihn bald eröffnet wird. Ein mächtiges Gremium fordert seinen Tod – und ohne jegliches Verschulden droht er ein weiters Opfer einer entsetzlichen Menschenjagd zu werden.

 

 

Rezension:

Schon wieder ein ganz normaler Justizthriller? Zumindest ließen die ersten Seiten von Jon Sauls aktuellem Roman darauf schießen, dass der Autor sehr deutlich auf den Spuren eines gewissen Herrn Grisham wandelt, zumal sein diesbezügliches Fachwissen scheinbar ähnlich ausgeprägt in die Handlung integriert wird wie beim erfolgreichen Bestseller-Autor. Doch der Schein trügt, denn Saul geht in „Der Club der Gerechten“ eine ganze Spur weiter, als sein mögliches Vorbild bislang gewagt hatte – und dies will durchaus einiges bedeuten.

Dennoch lassen sich im Laufe der Story diverse Parallelen nicht verleugnen. Sauls zwielichtiger Club gleicht beispielsweise dem mafiösen Treiben in „Die Firma“ und unschuldig Verurteilte… tja, alles schon einmal anderweitig gelesen. Von wegen!

In „Der Club der Gerechten“ baut der Autor die Spannung nämlich derart subtil und intelligent auf, dass selbst der preisgekrönte Grisham seinen Hut ziehen würde. Langsam aber beharrlich führt er die Charaktere an den Leser heran, steckt erste Motive und anrüchige Eigenschaften ab, vollführt einige riskante Handlungssprünge und öffnet schließlich ein grausames Mysterium, welches einen nicht zuletzt wegen der beängstigenden Atmosphäre voll und ganz in seinen Bann zieht.

Dabei ahnt der Leser anfangs absolut nicht, wohin die Geschichte führen soll. Ein Justizirrtum dient als Aufhänger für ein erschreckendes Katz- und Maus-Spiel, in welches wirklich jede einzelne der zahlreichen Figuren des Plots auf irgendeine Weise verstrickt zu sein scheint. Selbst die schier bedeutungslosesten Obdachlosen bekommen irgendwann ihren Auftritt und sorgen in den entlegenen Momenten der Story für die eine oder andere krasse Wendung, die dem Leser einmal mehr das blanke Entsetzen ins Auge treiben. Gerade mit den Stimmungen auf Ebene der Hauptdarsteller wird bisweilen derart brutal beängstigend gespielt, dass die Geschichte ein ums andere Mal in die Schocker-Ecke drängt, dort aber aufgrund ihres intelligent strukturierten Gerüsts nicht allzu lange verweilt. Und trotz allem: Atemberaubend sind die Szenen, besonders in der zweiten Hälfte, fast in jeder einzelnen tragenden Passage.

Nichtsdestotrotz sind auch einige kleine Differenzen auszumachen, die den Plot ein wenig sprengen. Gerade in den ersten Kapiteln mangelt es der Geschichte ein wenig an Glaubwürdigkeit, da der Sprung vom Gefängnistransport in die Katakomben der U-Bahn mit all ihren Gefahren recht weit hergeholt scheint. Allerdings erlaubt sich John Saul in der Entwicklung der Handlung keine logischen Fehler, sodass selbst solche vermeintlichen Ungereimtheiten im Hinblick auf den gewaltigen Thriller, den der Autor insgesamt konstruiert, kaum mehr ins Gewicht fallen. Stattdessen überwiegt mit wachsender Seitenzahl die Begeisterung über die tollen Verknüpfungen, die in ihrer Kombination einen fantastischen Roman ergeben, der nach anfänglicher Skepsis ganz schnell zu einem absolut mitreißenden Top-Werk avanciert.

 

 

Fazit:

Hart, bitter, ungerecht und gerade deshalb packend bis zum Schluss. „Der Club der Gerechten“ ist nicht nur Geheimtipp sondern mitunter einer der besten, schockierenden Thriller seiner Zeit, welcher nicht zuletzt durch die beispielhafte Darstellung des New Yorker Underground-Lebens einen ganz speziellen Reiz erfährt. Trotz einiger kleiner Ungereimtheiten liefert Autor John Saul mit diesem Werk absolute Top-Ware ab!

 

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Der Club der Gerechten

Autor: John Saul

Broschiert: 399 Seiten

Verlag: Heyne (April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453772369

ISBN-13: 978-3453772366

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.06.2008, zuletzt aktualisiert: 20.08.2019 17:14