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Der Denver-Clan, Staffel 8

Rezension von Christel Scheja

 

In den 1980ger Jahren hielt eine neue Form der Fernsehunterhaltung Einzug in die deutschen Wohnzimmer. Waren bisher Serien um Familien von einem gewissen Harmoniebedürfnis geprägt und renkten sich die kleinen zwischenmenschlichen Problemchen bald wieder ein, sah es in amerikanischen Serien wie „Dallas“ und „Der Denver-Clan“ ganz anders aus. Da spielten sich Familienmitglieder munter gegeneinander aus, versuchten Kinder ihre Eltern und Geschwister zu betrügen – schreckten selbst vor Gewalt nicht zurück. Die Schönen und Reichen wurden als Clans dargestellt, in denen mit harten Bandagen um Macht und Geld gekämpft wurde. Wer Schwäche zeigte, wurde gnadenlos untergebuttert.

 

Während „Dallas“ noch etwas von dem hemdsärmlichen Charme des Western besaß, bewegte sich „Der Denver-Clan“ von Anfang an in der glamorösen Oberschicht. Das war vor allem Joan Collins zu verdanken, die als das „Biest Alexis“ ihrem Ex-Mann und dessen Frau Krystle das Leben schwer machte. Schließlich übernahm sie sogar das Imperium von Blake Carringtons Erzfeind Colby und konnte nun auf gleicher Ebene mit ihm konkurrieren.

Auch die jüngere Generation machte immer wieder Ärger. Stephen machte aus seinen homosexuellen Neigungen keinen Hehl und zerstritt sich mit seinem Vater, als dieser seinen Liebhaber im Affekt tötete. Es brauchte lang, bis sich die beiden wieder vertrugen. Auch Fallon machte es weder ihrem Vater noch ihrer Stiefmutter immer leicht. Und zuletzt war da noch Adam, der wiedergefundene älteste Sohn der Familie, der sich seinen Platz erst erkämpfen muss.

Die siebte Staffel endete mit einem Paukenschlag. Matthew Blaisdel, ein ehemaliger Mitarbeiter von Blake und Freund von Krystle nimmt die Familie als Geiseln, um seine große Liebe für sich zu gewinnen. Er schreckt auch nicht vor Mord zurück, um sein Ziel zu erreichen. Doch am Ende findet er seinen Tod durch die Hand des Mannes von dem er es am Wenigsten erwartet hätte.

Als nächstes wendet sich Blake seiner Kandidatur für die Wahl zum Gouverneur von Colorado zu. Um sich ganz auf den politischen Wahlkampf zu konzentrieren, gibt er die Leitung seines Unternehmens an seine Kinder, auch wenn die mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Adam kommt zufrieden aus den Flitterwochen zurück. Aber der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind mit Dana wird durch eine schreckliche Wahrheit zerstört. In seiner Verzweiflung greift er nach einem Strohhalm, nicht ahnend, was er damit noch an Schwierigkeiten für alle mitbringen wird.

Stephen hadert mit dem, was er getan hat, während Fallon darunter leidet, dass niemand, nicht einmal Jeff glauben will, dass sie von einem Ufo entführt wurde. Es kommt zu Trennung und Scheidung. Dennoch sehen sie sich weiter, weil Jeff Blakes Wahlhelfer wird.

Alexis sieht natürlich nicht ein, dass Blake allein eine politische Laufbahn einschlägt und tut es ihm gleich. Sie nutzt dafür immer wieder die Macht ihrer Zeitung aus. In ihr Privatleben ist indes ein neuer Mann getreten. Sean Rowan, ihr Lebensretter, der sie vor dem Ertrinken rettete, als sie mit ihrem Auto in einen Fluss stürzte, scheint ihre Einsamkeit lindern zu können. Sie fühlt sich von seiner rauen, herrischen Art seltsam angezogen.

So ahnt sie nicht, dass ihr neuer Ehemann, sobald der Vertrag unterschrieben ist, sich daran macht, bittere Rache an allen zu üben, die seiner Familie Schaden zufügten, vor allem Blake und Alexis. Seine Machenschaften drohen am Ende nicht nur den Ruf der Familie Carrington zu schädigen, sondern fügen auch einigen körperlichen Schaden zu. Um freiere Hand zu haben, täuscht er schließlich seinen Tod vor und bringt damit Alexis und andere in Lebensgefahr.

 

Liebe und Hass aber auch Leidenschaft und Jähzorn liegen dicht beieinander in dieser Saga, die in ihrer achten Runde schon Ermüdungserscheinungen zeigt. Es ist nicht mehr neu, dass Alexis immer wieder versucht, Blake an den Karren zu fahren und ihm Marktanteile oder die Karriere zu verbauen – auf der anderen Seite vertragen sich die beiden aber auch, wenn es um die gemeinsamen Kinder geht und stehen diesen bei. Das merkt man am Anfang der Staffel, als Alexis ihren Teil dazu tut, um zu helfen und auch zum Ende hin, wenn es darum geht, ein Kind zu retten und die Betroffenen moralisch zu unterstützen. Sie ist in dieser Hinsicht eben nicht mehr nur das Biest und kann sogar Waffenstillstand mit Krystle halten.

Der große Gegenspieler ist in dieser Staffel ein anderer. Sean Rowan mag zwar am Anfang wie ein menschenscheuer Naturbursche wirken, ist aber mit allen Wassern gewaschen. Im Verlauf der Staffel bekommt man immer mehr von seinen Machenschaften mit und erfährt auch den Grund, warum er sich an den Carringtons und Colbys rächen will.

Interessant dabei sind die Intrigen, die er spinnt, um die Familien in den Unterganz zu reißen. Während Stevens homosexuelle Neigungen etwas versöhnlicher betrachtet werden, da sie ohnehin keine so große Rolle mehr spielen, durchlebt Adam dramatische Zeiten, denn die Wahrheit über seine Frau tut ebenso weh, wie die Entwicklungen, die sich durch die Leihmutter ergeben. Am Ende sind es aber gerade diese Schicksalsschläge, die ihn seiner Familie wieder näher bringen.

Alles in allem wird gestritten und gelitten wie das Zeug hält. „Der Denver-Clan“ klotzt wo andere kleckern und bietet noch heute Melodram auf hohem Niveau, auch wenn vieles sich natürlich inzwischen wiederholt und die Schicksalsschläge langsam unglaubwürdig werden. Aber die Folgen schaffen es auch nach über zwanzig Jahren immer noch mitzureißen und für ihre Dauer zu fesseln, weil sie nach einem zeitlosen Muster funktionieren. Das macht wohl neben dem mondänen Flair der Reichen und Schönen Denvers auch noch viel von der Atmosphäre der Serie aus.

Immerhin hat man auch aktuelle Themen mit eingeflochten – die Rechte und Pflichten von Leihmüttern oder unsachgemäße Abtreibungen sind damals in aller Munde gewesen.

Alles in allem zeigt „Der Denver-Clan“, warum die dramatische Soap neben Dallas zu den Klassikern des Genres gehört.

Die DVD-Box kommt in einem schönen Design daher und bietet die ungeschnittenen Folgen. Die fehlenden Teile wurden allerdings nicht nachsynchronisiert, ebenso wenig wie die Vorspänne, die im Deutschen ebenfalls weggelassen wurden. Bild und Ton sind der Zeit entsprechend.

 

Alles in allem weckt auch noch die achte Staffel von „Der Denver-Clan“ Erinnerungen an die Zeit, in der die Soaps erst Deutschland eroberten. Man mag über die Serie denken, was man will, aber jede Folge bietet spannende Unterhaltung, die zu fesseln weiß, auch wenn die Handlungsmuster nicht gerade neu sind. Hier waren Pruduzenten, Regisseure, Autoren und Schauspieler am Werk, die genau wussten, wie sie ihre Zuschauer einfangen mussten – und das rentiert sich auch noch nach über zwanzig Jahren.

 

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Eure Meinung:

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TV-Serie:

Der Denver-Clan, Staffel 8

USA 1988

Regisseurin/e: Don Medford, Irving J. Moore, Harry Falk, Nancy Malone und Raymond Danton

Komponisten: Dennis McCarthy, Peter Myers, Ken Harrison

Format: HiFi Sound, PAL

Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch

Untertitel: Deutsch, Französisch, Dänisch, Finnisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

Umgang: 6 DVDs

FSK: 12

Paramount Home Entertainment, 6. September 2012

Spieldauer: 996 Minuten

 

ASIN: B008KEQV5Q

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

John Forsythe

Linda Evans

Joan Collins

Heather Locklear

und viele andere

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Erstellt: 05.09.2012, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56