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Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Leutnant August Liebeskind beschließt kurz vor dem Wende zum 20. Jahrhundert, die Armee Österreich-Ungarns zu verlassen und sich einfach die Zeit zu nehmen, sein Leben auszukosten. Liebeskind, dem aufgrund seiner eigenwilligen Vorlieben von seinen Kameraden immer wieder feminine Züge nachgesagt wurden, möchte vor allem seine Besuche in einem erlesenen Wiener Kaffeehaus intensivieren und lernt hierzu von seinem Onkel das kunstvolle Handwerk eines Chocolatiers. Zur gleichen Zeit lernt August die bezaubernde Elena Palffy kennen, deren geheimnisvolle Aura den einstigen Leutnant sofort in ihren Bann zieht. Doch je weiter die Liebelei der beiden voranschreitet, desto schwieriger werden die Umstände der eigenartigen Beziehung. Erst nach und nach erkennt Liebeskind, dass seine Geliebte über ein bewegtes Familienschicksal verfügt und immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Elena ist verheiratet, ihr Mann jedoch unter bislang ungeklärten Umständen verschwunden. Und während August tagtäglich neue Pralines für seine Geliebte zaubert, realisiert er insgeheim bereits, dass seine Liebschaft keine Zukunft hat…

 

 

Rezension:

Es ist ein unkonventioneller, manchmal auch eigenartiger Roman, den Ewald Arenz hier konzipiert hat. Der Autor beschreibt die Süße einer frischen Liebschaft mit unheimlich vielen Metaphern und führt immer wieder die reizende Wirkung des Schokoladendufts an, um die Intensität der Gefühle, die August Liebeskind empfindet, noch greifbarer zu transferieren. Immer wieder steht die Symbolwirkung von Düften und Sinneswahrnehmungen bei der Aufbereitung der Liebesgeschichte im Vordergrund und initiiert hier über einen angenehmen Umweg die vielen Emotionen und Gefühle, die in „Der Duft von Schokolade“ zusammentreffen.

Die Geschichte selber nimmt diesen ungewöhnlichen Faden sofort auf; Liebeskind, der stille Romanheld, wird von Anfang an als Sonderling beschrieben, ein Mann, der seine oberflächliche Männlichkeit als Soldat aufgibt, um sich intensiver in der Gesellschaft von Frauen auszuleben. Dabei fungiert er jedoch nicht als aufreizend handelnder Charmeur, sondern einfach nur als ruhesuchender Zeitgenosse, der in der holden weiblichen Umgebung am besten abschalten kann. Seine neue Bestimmung weckt in Liebeskind nicht nur seine Kreativität, sondern auch sein Auge fürs andere Geschlecht wieder. Mehrere Liebeleien hat er hinter sich gelassen, bis er Elena kennen lernt, deren außergewöhnliche Ausstrahlung ihn sofort fesselt. E kommt, wie es literarisch betrachtet kommen muss: Die beiden starten eine Beziehung, kommen sich näher und landen schließlich im heimlichen Desaster. Die Palffy trägt nämlich düstere Schatten mit sich, aus deren Umklammerung sie sich auch in der liebevollen Anwesenheit Augusts nicht lösen kann. Und damit ist das Storyboard für ein tragisches Drama vorgezeichnet!

 

Was „Der Duft von Schokolade“ aber in diesem Sinne auszeichnet, ist der komplette Verzicht auf reißerische Wendungen und bombastische Staffierungen. Die Story ist vom Kitsch befreit und verlässt sich lieber auf die Kraft der einzelnen Worte bzw. der berauschenden Wirkung der Instrumentalisierung der Düfte. Es sind die würzigen Schokoladen auf der einen und die reizenden Parfüms auf der anderen Seite, die hier mehr herausholen, als man von einem vergleichsweise schlichten Roman-Projekt je hätte erwarten können. Denn da die Visualisierung hier lediglich über die Gedankenbilder führt, weckt Arenz hier die kreative Phantasie eines jeden, und was diesbezüglich im Rahmen der vermeintlichen Kurzlektüre geschieht, ist regelrecht gigantisch und überwältigend – und dabei ist es eigentlich nur eine sehr dramatisch geschilderte Liebesgeschichte aus dem 19-. Jahrhundert…

 

 

Fazit:

Ohne zu viel zu verraten und die Faszination der Schokoladendüfte näher zu beschreiben, muss man konstatieren, dass Ewald Arenz hier ein kleines, stilles Meisterwerk geschaffen hat. „Der Duft von Schokolade“ ist eines dieser Bücher, dessen Symbolkraft alleine die Investition wert ist. Ganz zu schweigen von der brillanten Story-Inszenierung…

 

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MEDIUM:

Der Duft von Schokolade

Autor: Ewald Arenz

Taschenbuch: 272 Seiten

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3423138084

ISBN-13: 978-3423138086

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.01.2010, zuletzt aktualisiert: 16.08.2019 12:16