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Der eiserne Thron von Heidrun Jänchen, Christian Savoy und Andrea Tillmanns

Reihe: ein Roman aus dem Demonwright-Universum

Rezension von Martin Weber

 

Klappentext:

Im Krieg gegen die Goblins war Herzog Rogvald ein Held, im Frieden aber hat man ihn auf die langweiligste Burg der Südermark abgeschoben. Sein Überdruß schlägt in Tatendrang um, der nur ein Ziel kennt: den Eisernen Thron. Nach und nach geraten sie alle in die Lawine, die er los getreten hat: die stolze Prinzessin Walrike, der heimatlose Frett, die zwergische Heilerin Thania, Gorban, der mit Isenborg, den Goblins und dem Rest der Welt noch eine Rechnung offen hat, und all die Menschen, Zwerge und Goblins, die das winzige Land im Norden der Krolinger Berge bevölkern ...

 

Inhalt:

Zum Aufbau des Buches - auf einen kurzen Prolog folgen drei Großkapiteln, die verschiedene Autoren verfaßt haben. Jeder der drei Schreiber steuert ein eigenes, jeweils ca. 80 Seiten umfassendes Abenteuer bei, das das chronologisch geschilderte Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Den Einstieg liefert Heidrun Jänchen mit Der Liebling der Götter. Wie dem Klappentext zu entnehmen ist, dreht sich dabei alles um die Ambitionen von Herzog Rogvald, dem nunmehr gelangweilten Helden vergangener Schlachten. Mit aller Kraft strebt er nach dem titelgebenden >Eisernen Thron< und schreckt dabei auch vor Intrigen, Mord & Totschlag nicht zurück. Ihm zur Seite steht Frett, ein „Mensch“ mit besonderen Fähigkeiten und rätselhafter Herkunft. Jänchen schreibt ohne erhobenen moralischen Zeigefinger; die beiden Protagonisten werden sogar trotz ihrer ethisch fragwürdigen Handlungen sympathisch gezeichnet.

Darauf folgt die Story Im Zeichen der Melgrim von Andrea Tillmanns. Im Mittelpunkt steht hier die zwergische Heilerin Thania, die den beim Herrscher in Ungnade gefallenen, verletzten Frett behandelt und von ihm ein brandgefährliches Geheimnis erfährt. Das macht sie zu einer wichtigen Figur im Ränkespiel; sie wird inhaftiert, kann aber mit Unterstützung des Kobolds Klarn entkommen. Gemeinsam mit ihm ist sie auf der Flucht und ringt mit sich selbst, ob sie sich in die große Politik einmischen oder heraushalten soll.

Tillmanns legt ihr Hauptaugenmerk auf die Charaktere und die Verhältnisse im Demonwright-Universum; spannungsmäßig tut sich weniger. Der Kobold fungiert dabei als typischer Comic-Relief-Charakter, der das Geschehen durch humorig gemeinte Einlagen auflockern soll.

Christian Savoy fällt mit Belrador der Listenreiche die Aufgabe zu, das Ganze zu einem Ende zu bringen. Nachdem die Leser bereits die Verhältnisse in Isenborg und bei den Kobolden kennengelernt haben, erfahren sie nun Näheres über die Orks und die entenfüßigen Goblins. Zudem wird (ziemlich abrupt) offenbart, wer als treibende Kraft hinter den Vorgängen steht. Neben dem Bösewicht Belrador und seiner widerwillig als Machtinstrument eingespannten Tochter führt Savoy eine weitere wichtige Figur ein, den Waldläufer Belwart. Als von Thron gedungener Assassine soll er den Schurken beseitigen. Am finalen blutigen Kampf, der die Herrschaftsfrage vorerst löst, sind die Genannten alle beteiligt.

 

Kommentar:

Ein junger Kleinverlag, der Fantasy-Romane auf den Markt bringt, die nach den Vorgaben eines Rollenspiels verfaßt wurden - da muß man wahrlich kein eingefleischter Skeptiker sein, um bei dieser Ausgangskonstellation Zweifel über die Qualität der Veröffentlichung zu hegen. Vermutungen, daß es sich um einen weiteren Versuch handelt, mit schlecht geschriebener und mies gefertigter Ware dem Liebhaber der Fantasy weitere Euros aus der Tasche zu ziehen, drängen sich unweigerlich auf. Doch zum Glück erweisen sich solche Annahmen nach der Lektüre als hinfällig; vorwegnehmend kann gesagt werden, daß die Macher mit >Der eiserne Thron< einen ganz ordentlichen Roman vorlegen, der trotz einiger Schwächen durchaus zu unterhalten weiß und Lust auf die angekündigten weiteren Bände aus der >Demonwright-Welt< macht, in der die Abenteuer angesiedelt sind.

Für ein Werk aus dem Fantasy-Genre fallen die 240 Seiten im Taschenbuchformat eher bescheiden aus, allerdings stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis dennoch, da mit gut 8 Euro ein angemessener Obolus verlangt wird. Im Gegensatz zu so manch anderem Kleinverlag schafft es die >Story-Olympiade<, den Fauxpas zu vermeiden, die Leser durch mieses Layout und noch mieseres Lektorat zu verärgern. Der Text ist vom Druckbild gut lesbar; Tipp- oder sonstige Fehler sind nicht zu beanstanden. Da wurde von Verleger gute Arbeit geleistet; es gibt einige Bücher von renommierten Verlagshäusern, die deutlich unter dem hier gesetzten Standard liegen. Abgesehen vom Fehlen kleiner wünschenswerter Extras wie einer Landkarte oder einem Personen- bzw. Sachregister ist die Präsentationsform also ansprechend ausgefallen.

 

Wie sieht es nun mit der literarischen Qualität aus?

Die dargebotene Story mit ihren Zwergen, Orks, Kobolden, Thronräubern und Waldläufern kann man auch beim besten Willen nicht als originell bezeichnen, sie wird aber in passabler textlicher Aufbereitung transportiert. Keiner der drei Autoren erweist sich als Sprachvirtuose, vielmehr gehören sie der Kategorie “gute Handwerker” an. Das bedeutet, daß die Leser einen meist flüssig geschriebenen Text präsentiert bekommen, der in kritischen Aspekten wie Wortwiederholungen oder Eintönigkeit des Satzaufbaus überwiegend im grünen Bereich bleibt. Heidrun Jänchen und Andrea Tillmanns pflegen einen eher nüchtern-beschreibenden Stil, der weitgehend auf den Einsatz von Metaphern verzichtet (mir ist jedenfalls eine derartige Schreibweise sympathischer als eine, bei der man mit verkrampften und unpassenden Bildern gequält wird). Christian Savoy schreibt prinzipiell ähnlich, bereichert sein Werk aber auch mit einigen wenigen etwas “poetischer” ausgefallenen Passagen. Problematisch an der sich aus der Kapitelverteilung ergebenden Darstellung ist, daß die jeweiligen Hauptfiguren wechseln, worunter die Kontinuität leidet. Zwar findet sich in jedem Abschnitt ein Sympathieträger, aber meiner Ansicht nach wäre die Konzentration auf eine bestimmte Person fesselnder. Doch wer weiß, möglicherweise wirkt gerade diese Mehrgleisigkeit auf einige Leser ansprechend.

Eines wird jedoch niemand erfreulich finden: den gravierenden dramaturgischen Fehlgriff im Übergang vom zweiten zum dritten Kapitel. Die Schilderung eines wirklich zentralen Ereignisses - des Machtkampfes in Isenborg - wird einfach ausgelassen; nur ein paar knappe Sätzen informieren über seinen Ausgang. Das Ausblenden eines potentiellen Handlungshöhepunktes hat mich wirklich verärgert! Dieses Versäumnis wiegt umso schwerer, weil ohnehin im ganzen zweiten Kapitel wenig passiert. Dem Verfasserteam ist zu raten, sich zukünftig auch auf das Wesentliche zu konzentrieren, denn nur wenn man auf das Bedeutende eingeht, kann gleichfalls dem Peripherem Platz eingeräumt werden. Abgeschwächt gilt dieser Einwand ebenso für eine für das Verständnis nicht unwichtige Episode im ersten Kapitel, die erzählerisch einfach übergangen wird (der Verkauf der magischen Schriftrollen, der Rogvald und Frett beinahe zum Verhängnis wird) und von der man ohne dramaturgische Notwendigkeit erst im nachhinein erfährt. Desweiteren haben die Schreiber gelegentlich übersehen, daß nicht jeder mit dem Demonwright-Universum so vertraut ist wie sie, denn daß z.B. Frett ein Geistbeuger ist bzw. was man darunter überhaupt zu verstehen hat, wäre durchaus einer näheren Erläuterung wert gewesen.

Einiges an Kritik hat sich also angesammelt, was jedoch keinesfalls so zu verstehen ist, daß vom Kauf abzuraten wäre. Im großen und ganzen wird man gut unterhalten; vor allem der spannungsgeladene Showdown stimmt wieder versöhnlicher. Die Charakterzeichnungen fallen knapp aus, sind jedoch meist so gehalten, daß die Motivationen der Handlungsträger verständlich werden. Zudem fällt positiv auf, daß die Autoren versuchen, in dieser Hinsicht allzu eindimensionale Darstellungen zu vermeiden, weil sie die Grenzen zwischen Gut und Böse offener ziehen. Gefallen findet des weiteren, daß auf den bei Reihen sonst meist üblichen Cliffhanger verzichtet wird, da das Buch trotz einiger offener Handlungsfäden in sich abgeschlossen ist. Es spricht daher kaum etwas dagegen, den Neulingen am Markt eine Chance zu geben und mal einen Blick auf die Demonwright Homepage (www.demonwright.de) zu werfen oder gar den Roman anzutesten.

 

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Titel: Der eiserne Thron

Reihe: ein Roman aus dem Demonwright-Universum

Autor: Heidrun Jänchen, Christian Savoy und Andrea Tillmanns

Verlag: Storyolympiade

Taschenbuch, 240 Seiten

Erhältlich bei: Storyolympiade

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.08.2005, zuletzt aktualisiert: 23.10.2018 17:57