Der erste Schritt (Hack/Slash Bd. 1)
 
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Der erste Schritt

Reihe: Hack/Slash Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Maskenmörder, Kettensägenmörder, Fischerhakenmörder, Fleischerhack- beilmörder ... - die Liste der in Horror- und Splatterfilmen bemühten Killer-Klischees ist ebenso lang wie scharf - und inzwischen oftmals recht abgenutzt. Deshalb ist es wohl recht sinnvoll, all die irren Metzler und Schlitzer aus den Genre-Schatten unter einem neuen Sammelbegriff ins Bestarium von Literatur und Film aufzunehmen: Slasher.

 

Auf diese Slasher, diese brutalen, tödlichen und blutgierigen Schrecken aller Highschoolmädchen, Cheerleader und Babysitter, haben Cassie und ihr stämmiger Partner Vlad es in Hack/Slash abgesehen. Aus dem sozialen Netz gerutscht und schon früh mit Slashern in Berührung gekommen, reist das ungleiche Duo schwer bewaffnet durchs Land, um die Welt von Slashern zu befreien: in der amerikanischen Provinz, beim feucht-fröhlichen Springbreak oder auf einer großen Comic-Convention.

 

Dabei geht es nicht nur ziemlich ruppig, blutig und selbstironisch zu, sondern Dank der hübschen Cassie oftmals auch recht sexy. Was nun nach Trash und feuchten Oberteilen klingt, dient letztlich nur als Beweis dafür, dass Autor Tim Seely und Stefano Caselli (Zeichner der ersten Story) sowie Federica Manfredi (Zeichnerin der letzten beiden Geschichten) ganz genau wissen, wen oder was sie ernst, und wen oder was sie hingegen augenzwinkernd aufs Korn nehmen dürfen. So »rechnet« man in der dritten Story dann auch gleich buchstäblich mit zeitgenössischen Horrorcomic-Größen wie Steve Niles und Robert Kirkman sowie dem Geektum auf Conventions ab, während die Motive Rache und Eifersucht in den ersten beiden Storys doch etwas klassischer sind.

 

Der Hardcover-Kleinband aus dem Hause Cross Cult ist einmal mehr sehr schön aufgemacht. Allerdings ist mit drei normalen Storys sowie einer weihnachtlichen Kurzgeschichte unterm Strich etwas wenig Substanz vorhanden. Kaum hat man Cassie und Vlad etwas besser kennengelernt und sich an ihre Gegenwart gewöhnt, heißt es auch schon wieder Abschied nehmen - und zwar bis Juli 2008! Da hilft dann auch das üppige Bonusmaterial nichts. Ein bisschen mehr Hack/Slash hätte es für den Anfang durchaus sein dürfen...

 

Dieses Verlangen nach mehr Slasher-Action zeigt allerdings, dass Seeley, Caselli und Manfredi mit ihrer unkonventionellen Abrechnung mit dem Slasher-Genre nicht allzu viel falsch machen. Die Zukunft wird nun ferner zeigen, ob es ihnen nicht sogar gelungen ist, mit der schönen Cassie und dem hartgesottenen Vlad ein Helden-Duo abseits des Mainstreams zu schaffen, das sich über die Jahre wirklich etablieren und entfalten kann.

 

Am Ende ist »Hack/Slash: Der erste Schritt« also ein Horror-Comic, der sich und sein Genre selbst nicht zu ernst nimmt und stellenweise herrlich selbstironisch ist. Potential ist alleine aufgrund der beiden Protagonisten sowie der Genre-Vorlagen für Anspielungen und Klischees ohne jede Frage vorhanden, genauso wie das Helden-Duo nach drei Storys nun eigentlich auch in Stellung gebracht sein sollte.

 

Nun gilt es abzuwarten, ob Seeley und seine Mitstreiter es auch vermögen, der Serie noch etwas mehr Substanz zu geben. Der erste Schritt ist einstweilen getan - und hat alles in allem durchaus Spaß gemacht.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024052602121596af4769
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Comic:

Der erste Schritt

Reihe: Hack/Slash Bd. 1

Autor: Tim Seeley

Zeichner: Stefano Caselli; Federica Manfredi

Cross Cult, Oktober 2007

Hardcover, A5, 154 Seiten

ISBN-Code: 3936480621

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 12.11.2007, zuletzt aktualisiert: 11.04.2024 08:09, 5265