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Der Experte von Robin Cook

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Yuri Davydov ist zunehmend frustriert: Als der Russe seinerzeit aus seiner Heimat geflohen war, weil ihn der Kommunismus und die düstere Vergangenheit als Mitarbeiter eines Biowaffenkonzerns dahinzuraffen drohten, erhoffte er sich von seinem Neustart in den Vereinigten Staaten all das Glück, dass er daheim nie finden konnte. Doch der amerikanische Traum blieb ihm verwehrt. Statt den Erfolg zu pachten, umgibt sich Davydov in seinem Job als Taxifahrer mit allerhand spießigen Gestalten, deren oberflächliches Gerede ihn nur noch mehr auf die Palme bringen. Eines Tages fasst er einen folgenschweren Entschluss: Die Regierung und das gesamte Volk sollen für die Heuchlerei bezahlen. Mit den fanatischen Mitgliedern einer rassistischen Untergrund-Bewegung findet er schnell Mitstreiter, um einen gezielten Anthrax-Anschlag in der City New Yorks zu planen. Doch zu diesem Zeitpunkt weiß Davydov noch nicht gänzlich um die radikale Vorgehensweise der People’s Aryan Army, mit der er fortan zusammenarbeiten muss.

Unterdessen untersucht der ebenfalls frustrierte Gerichtsmediziner Jack Stapleton einen seltsamen Todesfall, der in Zusammenhang mit einem Fall von Lungenmilzbrand steht. Da die Ermittlungen keine konkreten Ergebnisse erzielen, widmet sich der Doktor schnell wieder seinen wesentlich wichtigeren Pflichtuntersuchungen und seinem privaten Werben um die hübsche Kollegin Laurie, die er endgültig an einen reichen Geschäftsmann verloren zu haben scheint. Eher zufällig wird er wieder auf den Vergiftungsfall aufmerksam, als er die Leiche der Schwester eines entfernten Freundes obduziert, die offenkundig unter Gewalteinfluss ums Leben gekommen ist. Ihr Name: Connie Davydov, ihres Zeichens unglücklich verheiratet mit einem russischen Immigranten, der Erfahrungen mit Bio-Kampfstoffen hat…

 

 

Rezension:

Die Rückseite des kürzlich neu aufgelegten Robin Cook-Thrillers „Der Experte“ bringt auf den Punkt, wofür die Romane des erfahrenen Mediziners in erster Linie stehen sollen: Für erschreckend plausible, dementsprechend spannende Unterhaltung. Inwiefern dies auch für diesen bereits 1999 erstveröffentlichten Thriller zutrifft, verlangt definitiv einer genaueren Analyse, denn zwischen ‚plausibel’ und ‚leicht künstlich zusammengefügt’ sind es dann doch noch ein paar deutliche Schritte.

Zunächst einmal jedoch muss man Cook für die wirklich tollen Charakterzeichnungen loben, die in diesem Roman an den Leser herangetragen werden. Mit dem leicht chaotisch organisierten Jack Stapleton ist sogar der ganz große Wurf gelungen, denn einen besseren Anti-Helden und sinnbildlichen Loser-Typen hätte man wohl kaum kreieren können. Durch den tragischen Unfalltod seiner Familie aus dem Leben geworfen schlägt sich der Gerichtsmediziner eher schlecht als recht mit seiner großen Klappe durch den Alltag. Seine neue Liebe scheint nun plötzlich vergeben, seine Kollegen und Vorgesetzten halten derweil nicht viel von seinen frechen Methoden, und auch die Anerkennung in den sozial schwächer gestallten Stadtvierteln lässt zu wünschen übrig, obschon sich Stapleton alle Mühe gibt, sich auf den Basketball-Courts der Umgebung den gebührenden Respekt zu verschaffen. Auf der anderen Seite steht mit Davydof ein vom Schicksal gebeutelter Mensch, dessen Vergangenheit ähnlich düster ist wie die seines bis zuletzt noch nicht bekannten Gegenspielers. Bei einem Zwischenfall mit einem Milzbrand-Erreger in seiner Heimat wurde ihm die Verantwortung zugeschrieben; seine Familie starb, nachdem sie gerade von ihrem tyrannischen Ernährer befreit wurde, infolge dieser Katastrophe, und als sich Yuri endlich dazu entschließen konnte, den Ostbock hinter sich zu lassen, stürzte er in eine neue, wenn auch zunächst nicht so dramatische Tragödie – sein Privatleben!

Diese beiden Figuren laufen nun beharrlich aufeinander zu, begegnen sich auch mehrfach im Rahmen der Erzählung, agieren aber vorerst völlig unabhängig voneinander, wodurch es Cook gelingt, die Spannung sehr schön aufzuheizen. Zwar spürt man insgeheim, dass irgendwann der große Knall erfolgen wird, sei es nun wegen des ungeschickten Verhaltens des Russen, aufgrund der radikalen Maßnahmen seiner rassistischen Verbündeten, oder aber wegen der raffinierten Spürnase unseres Gerichtsmediziners. Immer wieder greifen neue Puzzlestücke ineinander und bringen die Planungen für den Anschlag auf der einen und die Suche nach dem unbekannten Erreger von zwei Todesfällen – Davydovs Versuchskaninchen für seinen Kampfstoff – auf der anderen Seite näher zusammen. Aber genau hier kommt ein kleines Problemchen zum Vorschein, welches die eingangs angesprochene Plausibilität ein bisschen ins Wanken bringt. Immer wieder werden die plötzlichen Wendungen von weniger glaubwürdigen Zufällen bestimmt, die selbst vor dem Hintergrund dieses fiktiven Settings ein bisschen weit hergeholt scheinen. Die Personenverknüpfungen und die einzelnen Konstellationen wären in einer überschaubaren Kleinstadt vielleicht noch einigermaßen tragbar, nicht aber in einer Megametropole wie New York, in der die Story spielt. An der Tatsache, dass die Geschichte wirklich spannend und trotz des einigermaßen üppigen Umfangs sehr temporeich gestaltet ist, ändert dieser Umstand grundsätzlich nichts; doch lässt sich einfach nicht verleugnen, dass die Kontinuität der zufälligen Ereignisse einen gewissen Einfluss auf das Empfinden des Lesers hat. Gott sei Dank jedoch keinen derart großen, dass man weitere Bedenken ob des durchaus hohen Unterhaltungswertes dieser Lektüre haben müsste…

 

 

Fazit:

“Der Experte“ ist ein inhaltlich sehr brisanter Roman, gerade wenn man bedenkt, dass er unmittelbar vor 9/11 und den Anthrax-Nachwehen veröffentlicht wurde. Gerade deshalb kann man dem Autor aber auch kein Kalkül vorwerfen, was sich im Übrigen dank der spannenden Aufbereitung dieses beängstigend authentischen Thriller-Komplexes aber sowieso alsbald wieder erübrigt hätte. Sieht man nämlich von den nicht immer glaubwürdigen Wendungen ab, ist „Der Experte“ ein richtig starker, unbedingt lesenswerter Vertreter im Bereich des politisch wie medizinisch angehauchten Genres.

 

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Der Experte

Autor: Robin Cook

Broschiert: 507 Seiten

Verlag: Blanvalet (10. November 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3442371422

ISBN-13: 978-3442371426

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.02.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57