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Der Fall Charles Dexter Ward

Hörspiel nach H. P. Lovecraft

 

Rezension von Chris Schlicht

 

Rezension:

Providence / Rhode Island in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.

 

Der junge Charles Dexter Ward hört von einem seltsamen Vorfahren seiner Familie und beginnt Nachforschungen über ihn anzustellen. Zunächst fördern seine Eltern dieses Bestreben, doch dann beginnt der junge Mann sich zu verändern. Immer tiefer vergräbt er sich in die wenigen Spuren die aus dem 17. Jahrhundert über seinen Ahn Josef Curven verblieben sind. Nur wenige Aufzeichnungen befördern ein klareres Bild über diesen geheimnisvollen Mann, denn es scheint, dass man systematisch versucht hat, alle Erinnerungen an ihn und das, was er gemacht hat, zu tilgen.

 

Doch Ward findet Spuren, die anderen nicht mehr zugänglich sind und wird selbst immer unzugänglicher für das Leben der Gegenwart um sich herum. Seine Eltern machen sich zunehmend Sorgen um diese Entwicklung und ziehen Dr. Willet, einen Freund der Familie hinzu. Doch obwohl der Arzt das Vertrauen des jungen Mannes hat, kann er diesem nicht entlocken, was ihn antreibt. Willet wird klar, dass Charles offensichtlich die alchemistischen Forschungen des Ahn wieder aufgenommen hat, immer scheinbar beobachtet von dem Portrait Curwens, dem Charles Dexter Ward immer ähnlicher sieht.

 

Willet setzt sich aus den Gesprächen mit Ward und Teilen der Schriften, die er liest ein eigenes Bild zusammen. Als sich das Verhalten des jungen Mannes immer weiter verändert und er sich mit einem Mal immer mehr von den modernen Dingen entfernt, dafür sich aber immer mehr wie ein Relikt aus alten Zeiten verhält, weist er ihn zur Beobachtung in eine Anstalt ein. Mit dem Vater des Jungen macht er sich auf, den alten Bungalow zu untersuchen, in dem Ward zuletzt seine „Experimente“ fortgesetzt hatte und der ziemlich genau dort steht, wo sich einst Curwens Hof befand. Doch was ihn dort erwartet, ist das schiere Grauen. In den Katakomben unter dem Haus erwartet den Arzt Unbeschreibliches und er findet heraus, welcher Art die Experimente Wards waren.

 

Nachdem er entkommen ist, verschwinden die Katakomben und hinter dem Kamin, auf dessen Sims das Portait Curwens war und das nun zu Staub zerfallen ist, macht Willet eine grauenvolle Entdeckung. Er begreift nun, was mit Charles Dexter Ward tatsächlich geschehen ist...

 

Das Hörspiel beginnt mit der Befragung des Dr. Willet durch einen Polizeiinspektor, nachdem Ward aus seiner Zelle in der Anstalt scheinbar spurlos verschwunden ist. In Rückblenden werden die Inhalte von Briefen und Tagebucheinträgen nachgespielt, die Aufschluss über das Geschehen einst und in Wards Realität wiedergeben. Dadurch geht aber leider auch ein bisschen Klarheit verloren, da die Geschichte Lovecrafts deutlich vielschichtiger ist. Bei Berge des Wahnsinns wurde der Bericht einer einzelnen Person zu einem Hörspiel auseinander genommen, hier sind es die Berichte vieler verschiedener Personen über zwei verschiedene Zeitalter, die alle für sich genommen in der richtigen Reihenfolge ein komplexes Bild ergeben. So aber gehen viele Details verloren und am Ende wird nicht ganz klar, was genau aus Charles Dexter geworden ist, bzw. wie es geschah.

 

Die mangelnden Details werden aber durch die großartigen Leistungen der Sprecher zu einem großen Teil wieder ausgeglichen, weil sie es schaffen, die verstörenden Elemente durch die Emotionen, die sie ans Ohr des Hörers bringen, klar darzustellen.

 

Simon Jäger, der irre „Luther Niles“ aus Gabriel Burns spricht Charles D. Ward, das passt perfekt. Diese abgründige, hinterhältige und manchmal so erschreckend giftige Stimme lässt es dem Hörer eiskalt den Rücken herunter laufen, eine hervorgöttliche Besetzung. Ansonsten kennt man die Sprecher- Besetzung schon von „Berge des Wahnsinns“ von Lauschrausch, allerdings ohne David Nathan und Herbert Fux, der ja leider nicht mehr unter uns weilt – wobei sein österreichischer Akzent hier auch nicht wirklich gepasst hätte.

 

Was dieses Mal nicht so gelungen ist, ist die musikalische Untermalung. Bei Berge des Wahnsinns waren es die Töne des Didgeridoo, welche den Hörer in fremde Welten geführt hat, die Klänge des Saiteninstrumentes (Bass) sind dagegen eher nervig für die Ohren, nicht Gänsehautfördernd.

 

Fazit:

Lovecrafts Romane nicht als Lesung, sondern als Hörspiel zu präsentieren ist eine schwierige Angelegenheit. Lauschrausch ist dieser Spagat aber auch dieses Mal gut gelungen, auch für Puristen des Mythos eine runde Sache.

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Hörspiel:

Der Fall Charles Dexter Ward

Autor: H. P. Lovecraft

Bearbeitung und Regie: Gerd Naumann

Musik: Akki Schulz

Umfang: 2 CDs

Laufzeit: 141 Minuten

Titelbild: Toni Schiefer, Monitorprop

Lauschrausch, 2008

 

ISBN-10: 3980582094

ISBN-13: 978-3980582094

 

Erhältlich bei Amazon

 

Sprecher:

Friedrich Georg Beckhaus

Simon Jäger

Christian Rode

Thomas Dannenberg

Lutz Harder

Klaus Herm

Bernd Vollbrecht

Michael Jackenkroll u.a.

weitere Infos:


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Erstellt: 25.04.2008, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03