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Der Fluch von Andreas Knecht

Rezension von Christian Günter

 

„Das Schwert des römischen Feldherrn Gaius Marius wird von einem Druiden mit einem Fluch belegt, der den Lauf der Weltgeschichte beeinflusst. Marius wird aufgrund des Banns zu einem Phantom und muss tatenlos mit ansehen, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Als er durch ein Zeitportal in unsere Gegenwart gerät, bittet er um die Hilfe der beiden Kinder, Tobias und Lea, die ihn in seinem Abenteuer, den Fluch zu beseitigen, tatkräftig unterstützten...“

(Aus dem Klappentext)

 

Andreas Knecht scheint sich mit seiner Erzählung gezielt an ein jugendliches Publikum zu richten und auch im Laufe der Lektüre wird der Anspruch des Autors deutlich, „Geschichte“ über die trockenen Grenzen der Schulliteratur hinaus zu heben. Dem jugendlichen Leser soll Historisches im Gewand einer spannenden Geschichte in kleinen Stückchen verständlich unter geschummelt werden, sodass nach der Lektüre womöglich das Eine oder Andere an Faktenwissen kleben bleibt. Eine Art historischer Roman für Kinder, der sich aber auch literarischen, wie historischen Ansprüchen stellen muss und hier wird es bei dem Buch leider schwierig.

 

Leider gelingt Andreas Knecht die Verknüpfung von „Historie“ und seiner Geschichte nur bedingt. Entweder wird der Leser in schulbuchartigen Passagen mit Hintergrundinformationen gefüttert, oder Szenen die in der Vergangenheit spielen sind so erzählt, dass der Hintergrund vollkommen austauschbar wirkt. „Geschichte“ wird leider zum erzählerischen Rahmen degradiert, die Andersartigkeit der Vergangenheit in Gedanken und Lebensweise wird nicht ansatzweise ausgeschöpft. Dazu kommen noch einige historische „Schnitzer“, die teilweise ein sehr verzerrtes Geschichtsbild entstehen lassen und die auch nicht allein auf erzählerische Notwendigkeit zurückzuführen sind.

 

Die Umsetzung von historischen Fakten ist jedoch nur zweitrangig zu bewerten, da Andreas Knecht weder einen historischen, noch einen pädagogischen Anspruch formuliert. Also kann „Der Fluch“ durchaus als phantastische Erzählung betrachtet werden. Doch leider finden sich auch hier große erzählerische Schwächen. Der Schreibstil wirkt zu Beginn des Buches, schleppend, fast stolpernd, bessert sich erst im Verlauf und ist meiner Meinung nach nicht mit einem Verweis auf ein jugendliches Publikum zu rechtfertigen. Die Figuren wirken wenig plausibel und bieten nur wenig Möglichkeit zur Identifikation, was unter Anderem äußerst deplatzierte Formulierungen und Ausdrucksweisen verschulden. Die Erzählstruktur ist wenig abwechslungsreich und selbst wenn überraschende Wendungen auftauchen, kommen diese dem Auftauchen eines „Deus ex machina“ nahe.

 

Meiner Meinung nach ist es äußerst wichtig und lobenswert, Kindern und Jugendlichen spielerisch den Zugang zu Geschichte ermöglichen zu wollen, nur muss auch der Rahmen, in dem dies geschieht den Leser in seinen Bann ziehen. Jugendbücher bieten wie der historische Roman die Möglichkeit, Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen und die Frage danach zu stellen, wie das Leben für die Menschen war, die in völlig anderen Zeiten und kulturellen Rahmen gelebt haben. Eine spannende Fragestellung die allein schon ganze Bibliotheken füllt. Eine gute Kindergeschichte sollte dabei auch immer für erwachsene Leser interessant und der Schreibstil zwar angepasst, aber nicht zu simpel sein. Um Historie stärker einbetten zu können, was ein enormes Maß an Wissen über die Alltagsgeschichte voraussetzt, würde sich auch eine Eingrenzung auf einen bestimmten Zeitabschnitt empfehlen. Zu Wissen, dass Caesar Gallien erobert hat, mag zwar in so mancher Quiz-Show nützlich sein, über die Lebensweise und hier auch den Punkt wo man eine Geschichte einweben könnte, verrät es aber nichts.

 

Fazit:

Leider fällt das Fazit entsprechend vernichtend aus: Die Geschichte ist über weite Teile langweilig erzählt und der schleppende Schreibstil verführt dazu seinen Kindern lieber eine Ausgabe von Golo Manns „Wallenstein“-Biographie als Lektüre anzuempfehlen. Historisch gesehen wird fragwürdiges Halbwissen vermittelt und führt dazu, dass sich dem rezensierenden Geschichtsstudenten schon einmal die Fußnägel hoch rollten. Weniger Geschichte wäre in diesem Fall mehr gewesen.

 

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Der Fluch

Autor: Andreas Knecht

Klebebindung: 308 Seiten

Verlag: novum Verlag GmbH (Oktober 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3850224066

ISBN-13: 978-3850224062

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.03.2009, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06