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Der Fluch der weißen Rose

Reihe: Die Morde des Émile Poiret 3

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Inspektor Jennings hatte den Exilbelgier und Meisterdetektiv Émile Poiret eingeladen, ihn zur exorbitant teuren Luxusjacht des zurückgezogen lebenden Ronan Landor zu begleiten – der verschrobene Multimillionär hatte den Polizisten gerufen, da er Kenntnis über ein Verbrechen erhalten habe, das angeblich bald verübt werde. Auf dem Weg dorthin plaudert man über dieses und jenes – vor allem lauscht Jennings amüsiert, wie sich der dicke Belgier spöttisch über sportliche Betätigung echauffiert. Dann wird man jäh aus der heiteren Stimmung gerissen – ihr angehender Informant wurde ermordet. Anscheinend mit einem Stilett erstochen, das, wie Poiret erläutert, nur kleine, kaum sichtbare Wunden hinterlässt, damit der Mörder ausreichend Zeit hat, unerkannt flüchten zu können. Noch mehr Aufmerksamkeit erregt jedoch die weiße Rose – in der Hand des Toten, in allen Blumenvasen und auf dem Notenblatt von Johann Sebastian Bach auf dem Klavier. Es ist die Banalität der Blume, die Poiret ins Grübeln bringt.

 

Der Fluch der weißen Rose ist der dritte Teil der Reihe Die Morde des Émile Poiret und wiederum wohl am besten als Mischung aus Krimi und Charakterzeichnung zu verstehen. Zunächst zum Krimi. Es gilt offenkundig zu klären, wer den Multimillionär Landor ermordete und welches Verbrechen er melden wollte, denn diese beiden Dinge hängen vermutlich zusammen. Dabei geht es ganz klassisch zu: Poiret sammelt schon am Tatort erste Indizien, zieht Erkundigungen über das Opfer ein und befragt dessen Bekannte. Schließlich präsentiert er dem verblüfften Inspektor den Täter (oder die Täterin). Der durchschnittlich gewitzte Hörer wird allerdings wesentlich schneller – etwa nach der Hälfte – einen guten Tipp abgeben können. Es gibt noch weitere Gründe, warum das Hörspiel als Whodunit nicht funktioniert. So sind die Indizien kaum belastbar – wenn der Täter nicht den haarsträubenden Fehler gemacht hätte, die Tatwaffe am Tatort zu lassen, ohne die Fingerabdrücke zu entfernen, dann hätte man ihn ohne Geständnis nicht überführen können. Auch die Motivationen einiger Figuren sind reichlich bizarr. Weiterhin gibt es zahlreiche ausschweifende Monologe Poirets über Sport, Stilette und vor allem Gaumenfreuden. Darum ist die Geschichte eher als Cozy-Crime zu werten: ein 08/15-Mord, aber Charakterzeichnungen exzentrischer Figuren und ein stimmungsvolles, gediegenes Setting. Kann das Hörspiel das leisten? Nur bedingt. Zwar sind die Figuren – allen voran Poiret – exzentrisch, aber weder vielschichtig noch originell: Die meisten Züge kann der Hörer schon von den früheren Folgen her kennen. Poiret kommt nicht über den Typen des brillanten, aber eitlen und geckenhaften Hedonisten hinaus. Auch das Setting kann – typisch für das Medium Hörspiel – kaum zum Tragen kommen.

 

Es gibt insgesamt acht Sprecher. Bei Vieren ihnen handelt es sich um Stammbesetzung: Peter Buchholz (Erzähler), Donald Arthur (Émile Poiret), Andreas von der Meden (Otis) und Gisela Fritsch (Ms. Levén) machen ihre Sache gewohnt gut, da gibt es wenig auszusetzen.

Drei der verbliebenen Vier sind Synchronsprecher: Wolfgang Condrus (Inspektor Angus Jennings) verleiht z. B. Ed Harris oder Sam Neill seine Stimme. Er hat als Hörspielsprecher bei Produktionen aus Reihen wie Die Drei ???, John Sinclair oder auch Top Secret solide Erfahrungen sammeln können. Arianne Borbach (Tracy Walsh) hat zahlreiche international erfolgreiche Schauspielerinnen wie Catherine Zeta-Jones oder Michelle Yeoh synchronisiert. Sie ist ein echter Hörspielprofi: John Sinclair, Gruselkabinett und Offenbarung 23 sind nur einige der bekannteren Reihen, an denen sie mitwirkte. Manfred Erdmann (Mr. Luther Carrigan) ist mir als Synchronstimme nur als Dr. Zoidberg aus Futurama bekannt – der klingt seiner Interpretation von Mr. Carrigan aber überhaupt nicht ähnlich. Auch als Hörspielsprecher hat er zwar schon einige Rollen gesprochen – etwa in Top Secret und vor allem Sherlock Holmes – aber eine nachklingende Präsenz hat er heutzutage kaum. Es bleibt Claudia Burges (Mrs. Blanche Carrigan); sie ist eine erfolgreiche Moderatorin und Fernsehsprecherin der öffentlich rechtlichen Sender, besonders der ARD und des BR. Hörspiele hat sie bisher nur wenige gemacht, Dark Trace und einmal mehr Top Secret sind hier zu nennen. Auch diese Vier machen ihre Sache sehr gut. Die Borbach ist vielleicht nicht die ideale Besetzung – ihre Stimme klingt mit etwas zu dunkel, zu fest und vor allem zu ausgeprägt für eine flatterhafte junge Frau von gerade einmal zwanzig Jahren – aber das ist kaum erwähnenswert. Eines ist aber noch zu erwähnen: Bei der Auflösung betonen die Sprecher allesamt sehr seltsam, es klingt, als ob sie alle ironisch seien.

 

An der Inszenierung hat sich nichts Wesentliches geändert. Sie ist eher altmodisch – es gibt einen Erzähler, die Geräuschkulisse wird nur zurückhaltend und unterstützend eingesetzt – und die Musiken erinnern an verjazzte Stücke aus den klassischen Agatha-Christie-Verfilmungen. Sehr solide.

 

Fazit:

Inspektor Jennings und Meisterdetektiv Émile Poiret fahren zum exzentrischen Multimillionär Landor, der ihnen von einem bevorstehenden Verbrechen erzählen will – doch zu spät, als die beiden Ermittler ankommen, wurde schon eines verübt: Wer hat den schrulligen Alten ermordet? Émile Poiret geht in die dritte Runde, doch das Hörspiel ist als Cozy-Crime in mancherlei Hinsicht wenig befriedigend: Der Humor könnte origineller sein, die Figuren vielschichtiger entwickelt und das Setting jenseits der bloßen Beschreibung eine Rolle spielen. Dass das Hörspiel immer noch eben und eben akzeptabel ist, liegt an den guten Sprecherleistungen und der Inszenierung.

 

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Hörspiel:

Der Fluch der weißen Rose

Reihe: Die Morde des Émile Poiret 3

Buch: Ascan von Bargen

Maritim, Oktober 2009

Umfang: 1 CD

Laufzeit: ca. 69 min

 

Asin: 978-3867142083

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Peter Buchholz

Donald Arthur

Andreas von der Meden

Gisela Fritsch

Wolfgang Condrus

Arianne Borbach

Manfred Erdmann

Claudia Burges

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.11.2009, zuletzt aktualisiert: 14.05.2019 14:55