Der Fluch von Baskerville von Michael Hardwick

Reihe: Sherlock Holmes Criminal Bibliothek Bd.1

Rezension von Bernd Wachsmann

 

London im Jahre 1902. Queen Victoria ist tot und Edward VII ist auf dem Thron. Das Empire hat in Süd-Afrika den Krieg gewonnen, aber um welchen Preis. Groß-Britannien befindet sich im Umbruch in eine neue Zeit.

Auch für Dr. Watson steht eine neue Zeit an. Erneut will er sich verheiraten. Das ist keine gute Nachricht für Sherlock Holmes. Auch deshalb will dieser in den Ruhestand treten.

Doch das Schicksal hat anderes mit Sherlock Holmes und Dr. Watson vor. Inspektor Lestrade vom Yard berichtet beiden von einem riesigen Geisterhund, der angeblich auf Hampstead Heath sein Unwesen treibt. Sofort werden Erinnerungen an den Hund von Baskerville wach. Doch Hund wie sein Erschaffer sind tot, von Holmes und Watson zur Strecke gebracht. Oder etwa nicht?

Doch es bleibt nicht dabei. Auf einer Kanalüberquerung wird ein Steward ermordet und der Täter kommt ungeschoren davon. Bei Ausgrabungen in London werden die Gebeine von Oliver Cromwell entdeckt – und kurz danach gestohlen. Und „last but not least“ beauftragt der König von England Holmes mit einem Auftrag, der dezent erledigt werden muss, da er, nun ja, für den König pikant ist.

Bei all diesen Fällen auf einmal, da muss selbst ein geniales Duo wie Holmes und Watson alle grauen Zellen anstrengen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Aber können wirklich alle Rätsel gelöst werden?

 

Mit „Der Fluch von Baskerville“ hat der Blitz-Verlag einen grandiosen ersten Band der neuen Sherlock Holmes Criminal Bibliothek vorgelegt. Der Klappentext ist zwar etwas verwegen wenn er behauptet: „Sir Arthur Conan Doyle hätte es wohl kaum besser machen können“.

Aber Michael Hardwick hat wirklich einen würdigen Nachfolgeroman um das Duo Holmes/Watson geschrieben. Dieser Mann ist nicht nur ein Fachmann auf dem Gebiet Holmes/Watson, sondern versteht es auch den Geist der Romane und seiner Protagonisten zu retten. Im Gegensatz zu Hardwick habe ich nicht alle Holmes-Geschichten gelesen, aber ich kann Watson wie den ambivalenten Holmes sehr gut wieder erkennen. Überhaupt werden beide wie ich finde passend dargestellt. Watson hat z.B. andere Qualitäten wie Holmes, aber auch einen scharfen Verstand. Er ist nicht nur Anhängsel von Holmes, sondern ein wichtiges Teil des Duos. Holmes hingegen ist emotional gesehen weniger „genial“ als intellektuell gesehen.

Ebenfalls gut gelungen ist die Darstellung des im Umbruch befindlichen Englands um die Jahrhundertwende. Alte Sitten und Traditionen stoßen auf neue Umgangsformen (auch durch amerikanische Touristen …), aber auch neue Techniken der Spurenermittlung und Kommunikation (Telefon) eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Dazu kommt profundes Wissen des Autors um die Geschichte Englands und eine sehr gelungene Einbettung der Vergangenheit in die Romangegenwart.

Der Roman ist trotz der für uns Menschen heute etwas antiquierten Denkweißen der Protagonisten leicht zu lesen, wozu auch das leicht verständliche Deutsch beiträgt. Die Übersetzung stammt übrigens von Ralph Sanders. Da ich das englische Original nicht kenne, kann ich die Übersetzungsleistung nicht bewerten, aber das Ergebnis liest sich wie gesagt flüssig. Das Cover von Mark Freier ist sehr schön und passend. Die Illustrationen stammen von Andreas Gerdes. Obwohl ich eigentlich nur eine Zeichnung entdecken konnte und diese gefiel mir persönlich nicht. Aber das liegt wohl weniger an der Qualität der Zeichnung, denn die ist eigentlich recht gut. Auch der Stil und der Inhalt sind passend. Aber jeder Leser hat wahrscheinlich seine eigene Vorstellung vom Aussehen Holmes und mir gefällt Holmes hier überhaupt nicht.

Inhaltlich dauert es etwas, bis man ungefähr weiß, warum es geht, aber da ist man mit Holmes und Watson in einem Boot. Spätestens noch einem Drittel des Buches ist man dann voll im Geschehen und gebannt von der Handlung.

Mit diesem grandiosen ersten Roman der neuen Holmes-Reihe hat sich der Blitz-Verlag die Messlatte selber sehr hoch gelegt. Ich bin gespannt, wie die Reihe weitergeht. „Der Fluch von Baskerville“ kann jedenfalls von mir empfohlen werden.

Einziger Kritikpunkt, der aber überprüft werden müsste, sind die häufigen Bezüge auf alte Fälle des Duos. Wer die entsprechenden Holmes-Geschichten noch nicht gelesen hat, erfährt hier eventuell in ein/zwei Fällen etwas zu viel. Aber andererseits macht es eventuell auch Lust, sich die Original-Geschichten (noch) mal zu Gemüte zu ziehen. Ich jedenfalls habe ich mich direkt an mein Bücherregal erinnert und an „Sherlock Holmes – Das Gesamtwerk in 9 Bänden“. Das werde ich bestimmt endlich mal in die Hand nehmen. Hardwick macht wirklich Lust auf Holmes.

 

 

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Titel: Der Fluch von Baskerville

Autor: Michael Hardwick

Reihe: Sherlock Holmes Criminal Bibliothek Bd.1

Verlag: Blitz-Verlag

Format: Broschiert

Sprache: Deutsch

Seitenzahl: 268

ISBN: 3898402118

Titelbild: Freier, Mark

Illustrationen: Gerdes, Andreas

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57 | Users Online
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