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Der Fluch von Baskerville von Michael Hardwick

Hörbuch

Rezension von Chris Schlicht

 

Inhalt:

England, 1902. Dr. Watson wandelt mal wieder auf Freiersfüßen. Er hat eine recht unkonventionelle Amerikanerin und deren Nichte kennen gelernt und diese Nichte hat seinem Werben stattgegeben. Sherlock Holmes derweil zweifelt sehr an sich selbst. Ihm unterlaufen Fehler die er sich selbst am wenigsten verzeihen kann und wird für Watson fast unerträglich in seinen Selbstanklagen. Diese gehen sogar so weit, dass sich Holmes mit Gedanken an den Ruhestand anfreundet.

 

Doch dazu soll es nicht kommen, denn seine ganze Kraft und Einsatz werden gefordert. Einerseits forscht er nach der verschwundenen Lady Carfax, dann aber geschehen mehrere seltsame Dinge, die ihn mit in den Bann ziehen. In Hampstead Heath wird ein Landstreicher angeblich von einer wilden Bestie angegriffen und das Gerücht macht die Runde, der Hund von Baskerville sei wiederauferstanden. Holmes hält das für Effekthascherei, basierend auf der reißerischen Erzählung seines Freundes, und wendet sich für ihn interessanteren Dingen zu.

 

Bei Ausgrabungsarbeiten in einem Bereich, in dem früher ein Galgen gestanden hat, werden die kopflosen Skelette von Oliver Cromwell und seinen Generälen ausgegraben. Auch das Schwert des Cromwell findet sich in dem Haufen von Gebeinen. Eigentlich sollen sie nach dem Fund an dieser Stelle wieder vergraben werden, doch die Knochen und das geborstene Schwert werden gestohlen.

 

Watson fährt in Holmes Auftrag nach Lausanne, um weiter nach der verschwundenen Lady Carfax zu suchen, weil Holmes angeblich noch wichtigere Dinge zu erledigen hat. Sie treffen jedoch später wieder zusammen und kehren gemeinsam nach England zurück. Auf der Fähre wird ein chinesischer Stewart ermordet. Holmes weiß, wer dafür verantwortlich ist, doch er lässt den Mörder ziehen, um die Hintergründe heraus zu finden.

 

Alle diese Dinge scheinen völlig zusammenhanglos, doch bald stellt sich heraus, das diese scheinbar so willkürlichen Dinge – der Hund, der Knochenraub, der Mord auf der Fähre – ein großes Ganzes bilden, das ganz England in den Grundfesten erschüttern könnte. Und das kurz vor der Krönung des Prince of Wales zum König.

 

Der lässt Holmes über dessen Bruder Mycroft noch einen Auftrag zukommen: Er solle einen Brief wieder zurückfordern, den er einst als junger Mann einer jungen Dame schrieb und den man gehörig missverstehen könnte. Holmes, der es nun mal nicht so mit der Damenwelt hat, schickt Watson vor. Der gerät in eine sehr mysteriöse Situation – und findet einen Beleg für den Zusammenhang der einzelnen Fälle.

 

Holmes setzt die Einzelheiten richtig zusammen und es gelingt ihm, die Verschwörer zu stellen, bevor diese eine Revolution entfachen können.

 

Rezension:

Eines voran: Es lohnt sich immer, ein Buch für eine Hörbuchfassung zu überarbeiten. Eine ungekürzte Lesung wird selbst bei der spannendsten Handlung doch unendlich langatmig und man folgt ihr nur mit Mühe. Vieles geht verloren und auch der beste Sprecher – zu denen man Martin Heckmann ohne Zögern zählen kann – kann dann nicht mehr fesseln.

 

Dazu kommt, dass es zwar sehr viel Platz im Regal einspart, alles im MP3-Format auf eine CD zu packen, anstatt es als normale Audiodatei auf mehrere CDs zu pressen. In der Benutzung ist es aber ziemlich problematisch. Viele CD-Spieler können MP3 nach wie vor nicht abspielen. Der Computer ist also dringend nötig, aber wer hält sich schon gern zum Hörbuchhören im Arbeitszimmer auf? Abgesehen davon sind die Laufwerke von Computern beim Abspielen von MP3-CDs doch mehr oder minder laut, wenn sie ein neues Kapitel anspielen, da sie dann immer zu Hochtouren auflaufen. Nicht gerade ein Hochgenuss für den Hörer. Nicht jeder hat ein Autoradio mit MP3-Funktion, so dass man die Lesung im allmorgendlichen Stau zur Arbeit genießen kann.

 

Soviel zur allgemeinen Kritik an einem ungekürzten Hörbuch im MP3-Format, weiter mit dem Lob im Detail. Mit Heckmann wurde ein wirklich hervorragender Sprecher für die Geschichte gewonnen, die Aufnahmequalität braucht sich vor keiner anderen Publikation aus den bekannten Hörbuchstudios zu verstecken. Wünschenswert wäre einzig ein etwas übersichtlicheres Register, wenn man es schon mit dem Computer abspielen muss. Nummeriert lassen sich die Kapitel leichter wieder anwählen.

 

Michael Hardwicks Roman ist für jeden Fan des berühmten Detektivs ein Muss. Gehört oder gelesen, der veränderte Blickwinkel auf einen von Selbstzweifeln geplagten und zuweilen nervtötenden Sherlock Holmes mag den puristischen Conan-Doyle Fan erschrecken, den Liebhaber gut konstruierter Kriminalromane wird es hingegen fesseln. Der wahre Sherlock-Holmes-Fan wird sich aber nach einem ersten Schrecken dennoch wohlfühlen, denn er erkennt schon gleich zu Anfang, wo er diese Geschichte in die Chroniken des Sherlock Holmes zeitlich und räumlich einzuordnen hat. Die Anfänge aus „Das Verschwinden der Lady Frances Carfax“ wurden nahezu werkgetreu übernommen. Doch dann ändert sich alles, denn die glänzenden Schlussfolgerungen Holmes’ aus genanntem Werk („Warum türkisch?“) werden von Watson augenzwinkernd relativiert.

 

Aber auch Watson bekommt sein Fett weg als Chronist des großen Detektivs. Seine Erzählungen von den berühmten Fällen sind es, die bei den Menschen erst die Assoziationen zwischen dem angeblichen Angriff eines riesigen Hundes und dem Fluch der Baskervilles aufkommen lassen.

 

Fazit:

Ein spannender Hörgenuss für absolut ruhige Mußestunden. Während des Hörens etwas anderes zu machen verbietet sich – man verpasst zu viele Details.

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Eure Meinung:

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Hörbuch:

Der Fluch von Baskerville

Autor: Michael Hardwick

Bearbeitung: Thomas M. Körber, Sven M. Schreivogel

Erzähler Martin Heckmann

MP3 CD

Sdk Media, 21. August 2007

Ungekürzte Lesung im MP3-Format, Spieldauer über 10 Stunden auf 1 CD

Deutsche Übersetzung von Ralf Sander

CD-Cover von Mark Freier

ISBN-10: 3937995099

ISBN-13: 978-3937995090

 

Erhältlich bei Amazon

 

Weitere Infos:

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Erstellt: 27.02.2008, zuletzt aktualisiert: 24.11.2021 08:02