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Der Flug der Störche von Jean-Christophe Grangé

Rezension von Tanja Elskamp

 

Louis Antioche hat zehn Jahre seines Lebens damit verbracht, intensiv zu studieren. Mittlerweile ist sein Studium beendet und Louis ist zu einem recht eigenbrötlerischen Müßiggänger geworden. Seine Adoptiveltern erlauben ihm dieses Verhalten dank ihres Reichtums, doch schließlich ist es seine Adoptivmutter, die ihm Arbeit besorgt. Louis soll einen Auftrag des bekannten Schweizer Ornithologen Max Böhm annehmen und als Louis sich mit Max Böhm trifft, um Einzelheiten zu erfahren, ist er überrascht: Louis' Aufgabe soll einzig darin bestehen, im August der Route der Storche durch alle Stationen hinweg bis nach Afrika zu folgen. Im Vorjahr seien einige Dutzend Störche nicht wie gewohnt zurück in die Schweiz gekommen und Max Böhm drängt darauf zu erfahren, wo sie verblieben sind. Doch noch bevor Louis' Reise beginnt, stirbt Max Böhm an einem Herzinfarkt. Für Louis ist der Auftrag damit zunächst hinfällig, doch nachdem er im Haus Böhms ein paar seltsame und schreckliche Fotografien entdeckt und ein Polizist ihn zu Nachforschungen angeregt hat, macht Louis sich doch auf den Weg, den Störchen zu folgen. Es dauert nicht lang, bis Morde Louis' Weg begleiten und er selbst in Lebensgefahr schwebt. Immer deutlicher wird, dass die Störche ein Geheimnis bergen. Louis wird immer entschlossener, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, doch damit ist es nicht getan. Parallel entdeckt Louis die Taten eines unbekannten Chirurgen, der Menschen bei lebendigem Leib das Herz herausschneidet. In welchen Wahnsinn ist Louis geraten?

 

"Der Flug der Störche" ist ein langsam und raffiniert aufgebauter Thriller. Wie der Protagonist ahnt der Leser zunächst nichts Schreckliches und stößt bei dem Storchenauftrag auf ein schwer nachvollziehbares Rätsel, doch nach und nach verdichten sich Ahnungen, kommen neue Informationen hinzu, versucht man alles wie ein Puzzle zusammenzusetzen und steckt plötzlich mittendrin.

 

Hierbei lässt sich der Roman wirklich lange Zeit, legt sehr gekonnt falsche Fährten und die Wahrheit kommt erst ausgesprochen spät ans Tageslicht.

 

Bemerkenswert neben dem Aufbau der Geschichte sind vor allem die von Grangé aufgenommenen Schauplätze entlang der Storchenroute. Besonders über die Minderheiten, die Armen und die nicht anerkannten Bevölkerungsgruppen der jeweiligen Länder gibt es viel zu erfahren, was von den Roma in Bulgarien über den Konflikt in Israel bis hin nach Afrika und den Pygmäen reicht. Sowohl diese Informationen wie auch alle weiteren, medizinische Details eingeschlossen, wirken sehr gut recherchiert und damit rasch plastisch - Grangé wusste genau, was er schreibt.

 

Dieser Thriller gehört zu den brutaleren seiner Sorte und ist daher mit Sicherheit nichts für Zartbesaitete. Teils sehr detailliert werden Leichen, Autopsieberichte und anderes an Louis Antioche und somit an den Leser weitergegeben und diese Spur wird immer blutiger und grausamer.

 

Der einzige Kritikpunkt, den man an den Roman knüpfen kann, ist die Diskrepanz zwischen der anfänglichen Darstellung von Louis und seinen späteren Taten. Eine Entwicklung ist zwar sichtbar und auch logisch, dennoch sind einige seiner Handlungen zunächst zu naiv für einen intelligenten Mann, später reagiert er zu leicht gereizt von "Informanten" und ist zu gern bereit, auch intimere Kontakte zu knüpfen.

 

Fazit:

Vom einzigen Kritikpunkt abgesehen ist "Der Flug der Störche" ein ausgesprochen gut recherchierter und sehr fesselnder Thriller. Der langsame Spannungsaufbau wiegt den Leser lang in Sicherheit, bis eine Brutalität zu Tage tritt, die grausamer ist als einiges, was man sich zunächst hätte vorstellen können.

 

Eure Meinung:


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Der Flug der Störche

Autor: Jean-Christophe Grangé

Broschiert: 460 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 8., Aufl. (Oktober 1997)

ISBN: 3404139011

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.10.2006, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18