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Der Folterknecht

Reihe: Dorian Hunter 10.1 & 10.2

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Nach den Eskapaden in Hong Kong wendet sich Dorian Hunter wieder seinen Nachforschungen bezüglich des mittelalterlichen Baron de Conde zu. Der war ein gelehriger Mann voller Wissensdurst. Bald spürte er, dass die Wissenschaft ihn nicht weiter bringen würde; Alchemie und andere abergläubische Albernheiten auch nicht. Dann aber fiel ihm ein Buch in die Hände, mit dem er den Herrn der Finsternis beschwor. Als Beweis für dessen Macht forderte der Baron für sich die Unsterblichkeit. Sein dunkler Gast war gerne bereit, sie zu gewähren – dazu müsse der Baron nur am Hexensabbat auf dem Eulenberg teilnehmen und sich von seiner Familie lossagen. Rein symbolisch, versteht sich. Der Baron erklärte sich bereit, schickte seine Familie jedoch schon am nächsten Tag zu einem Freund – in vermeintliche Sicherheit. Es begann ein tückisches Spiel zwischen dem Baron de Conde und dem Herrn der Finsternis: Wer wird am Ende wen für seine Zwecke einspannen können? Diese wichtigen Forschungen unterbricht ein Anruf von dem Dämon Olivaro. Er lädt den Dämonenkiller zu einem Plausch ein.

 

Der Folterknecht, die zehnte Folge der Dorian Hunter-Reihe, besteht aus zwei Teilen: Die Nacht von Nancy und Hexenhammer. In erster Linie ist es die in Rückblenden erzählte Entwicklungsgeschichte des Baron de Conde. Der aufmerksame Hörer wird einige Momente dieser Geschichte wiedererkennen, die er schon als Einsprengsel in den früheren Folgen gehört hatte. Daher erwächst Spannung nicht unbedingt aus der Frage, was geschehen wird, sondern welche Bedeutung es bekommt. Damit besteht neben dem regressiven Handlungsaufbau eine große strukturelle Nähe zum Krimi: Das Ergebnis und einige Zeugenaussagen sind bekannt, doch es bleibt die Frage, wie alles zusammenpasst. Mit dieser Doppelfolge wird die Frage beantwortet und der erste Handlungsbogen um den Baron de Conde und das Henkersschwert abgeschlossen.

Neben den Rätseln gibt es noch geringere Spannungsquellen. Es gibt einige Horror-Szenen, wie etwa den Hexensabbat oder de Condes Erlebnisse mit der Inquisition, die vor allem auf direkter Bedrohung und geschickt angedeuteter exzessiver Gewalt beruhen. Eine weitere Spannungsquelle ist die Verknüpfung von historischer Realität und phantastischer Verschwörungstheorie – denn de Conde hat Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, den Verfassern des Hexenhammers, einige interessante Details zu berichten.

Neben dem Strang Baron de Condes wird auch Dorians Verhältnis zu Olivaro ein wenig weiter entwickelt. Dabei deuten sich zwei Veränderungen an: eine unerwartete Feindschaft und ein überraschendes Bündnis. Ob sie halten, werden die zukünftigen Folgen zeigen. Wichtigste Spannungsquellen sind dabei einerseits die ganz klassische Frage, wie es weitergeht, und andererseits die unterschwellige Bedrohung, die stets von Olivaro ausgeht. Ein bisschen von klassischen Dorian Hunter-Humor fehlt ebenfalls nicht.

Insgesamt geht der Plot gut auf und ich freue mich sehr auf weitere Folgen, die in der Vergangenheit spielen. Doch ein Problem will ich nennen: Der Plotfluss ist mir bisweilen etwas zu langsam. Das mag daran liegen, dass eine CD zu wenig Platz für eine so wichtige Folge bietet, wenn man Dorian nicht ganz herauslassen will, zwei CDs aber zu viel; gleichwie, 125 Minuten sind mir für die Geschichte etwas zu lang.

 

Die Anzahl der relevanten Sprechrollen ist recht hoch – insgesamt werden dreiundzwanzig Sprecher angegeben. Davon sind über fünfzehn relevant für den Plot. Dabei ist eine große Zahl alter Bekannter: Thomas Schmuckert (Dorian Hunter), David Nathan (Baron de Conde), Stefan Krause (Olivaro), Klaus Dieter Klebsch (Asmodi), Regina Lemnitz (Martha Pickford), Frank Felicetti (Donald Chapman), Frank Gustavus (Marvin Cohen), Martin Semmelrogge (Equinus) und Tim Kreuer (Phillip Hayward) – man sieht, viel Raum für Neues bleibt nicht.

Der verbleibende Raum wird aber zum Teil hervorragend genutzt. Da sind zunächst Utz Richter und Michael von Rospatt zu nennen. Zusammen haben die beiden Veteranen wohl an fast allen wichtigen Hörspiel-Reihen mitgewirkt – so finden sich neben Die drei ???, TKKG und Point Whitmark, Macabros, H. G. Francis Gruselserie und die uralten Perry Rhodan-Folgen von Europa in ihrem Oeuvre. Das Duo spricht die Inquisitoren Jakob Sprenger bzw. Heinrich Institoris. Sie bringen gelassen und voller Würde eine gleichgültige Grausamkeit zum Tragen – man kann nie richtig einschätzen, ob sie gleich die Freilassung oder die Hinrichtung verkünden. Celine Fontanges kann man ebenfalls aus diversen Jugendreihen wie Die drei ??? oder TKKG kennen – und natürlich aus Die Wolke, für die sie mit dem Hörspiel Award ausgezeichnet wurde. Ihre helle und klare Stimme ist eine ideale Besetzung für Isabelle de Conde, eine junge Adelsdame in Schwierigkeiten. Auch Kerstin Draeger gehört zu den Veteranen: Lys aus Die drei ???, Barbie oder Larry Brent, sie ist breit aufgestellt. Sie gibt die eingeschüchterte Schankmagd Brunhilde – leider muss sie gemäß der Rolle eher unauffällig bleiben. Wolf Frass kennt man sicherlich vor allem aus den verschiedenen Lausch-Produktionen: Drizzt, Caine, Hellboy, DSA, doch wie die zuvor Genannten, kann man auch ihn in Die drei ??? oder einigen anderen Hörspielen gehört haben. Seine Rolle als Wirt Stiecher spricht er ebenfalls eher unauffällig. Als Letztes will ich noch Obi-Wan Kenobi den Synchronsprecher Philipp Moog nennen, der ebenfalls eine gewisse Hörspielerfahrung mitbringt: Die Reihen Don Harris und Gespenster-Krimi gehören dazu. Er spricht Eustache, den Vertrauten de Condes. Die elanvolle, schlagfertig angelegte Rolle lässt mich hoffen – vermutlich vergeblich – dass er erneut in der Rolle zu hören sein wird.

Alles in allem eine sehr gute Performanz der Sprecherriege.

 

Zur Inszenierung lässt sich auch ein bisschen Neues sagen. Altbekannt ist die generelle moderne Inszenierung – es gibt im eigentlichen Sinn keinen Erzähler, auch wenn der Baron de Conde als Tagebuchschreiber dessen Funktionen teilweise übernimmt. Die Geräusche stehen ohne Sprechererläuterung für sich und die Musik ist wie immer düsterer Industrial, wobei sich zum Beispiel mit kraftvoller Pauke mittelalterliche Klänge daruntermischen. Bisweilen wurde die Komplexitätsschraube noch weiter angezogen. In einer Szene gibt es etwa vier Klangschichten: Zu unterst ist leise dräuende Musik zu hören, als Hintergrundgeräusch die Schreie einer verzweifelten Frau, als basale Sprechrolle der Urteilsspruch des Inquisitors und darüber sind die Kommentare de Condes gelegt – viel Platz zum nicht-kommerziellen Hörspiel gibt es nicht mehr. Gerade mit dem Übereinanderlegen und Ineinanderfließen von Sprechrollen werden einige eindrucksvolle Effekte erzielt.

 

Neben dem eigentlichen Hörspiel findet sich auf den CDs jeweils ein Teil eines langen Interviews, das die Hörspiel-Jury mit Marco Göllner, Dennis Ehrhardt und Thomas Schmuckert führt. Dabei werden gibt es durchaus einiges Interessantes und Erheiterndes zu hören.

 

Fazit:

Dorian Hunter geht seinen Nachforschungen bezüglich des Baron de Conde nach. Dieser war ein tückisches Intrigenspiel mit dem Herrn der Finsternis eingegangen. Mit dieser doppelten Mystery-Folge wird der Bogen um den Baron de Conde zu Ende gebracht. Sieht man davon ab, dass der Plotfluss etwas schneller sein könnte, ein ganz hervorragendes Hörspiel, wozu das verhältnismäßig hohe Komplexitätsniveau erheblich beiträgt. Ich für meinen Teil hoffe auf mehr historischen Horror in der Dorian Hunter-Reihe.

 

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Hörspiel:

Der Folterknecht

Bestehend aus: Die Nacht von Nancy (10.1)

Und: Hexenhammer (10.2)

Reihe: Dorian Hunter 10

Produzent: Dennis Ehrhardt

Regie: Marco Göllner

Label: Folgenreich

Erschienen: Mai 2010

Umfang: 2 CDs, ca. 125 min plus Bonus-Material

ASIN (10.1): B003F0VM4A

ASIN (10.2): B003F0VM4K

Erhältlich bei: Amazon

Und: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.06.2010, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 11:36