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Der Frühling von William Horwood

Reihe: Hyddenworld 1

 

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Die Hydden sind ein Volk kleiner Wesen, das versteckt in der Nähe der Menschen lebt und sich meistens unter der Erde aufhält. Der junge Jack scheint dazu auserkoren, eine uralte Prophezeiung zu erfüllen. Da es sich aber bei ihm um einen der sogenannten Riesengeborenen handelt - die gemeinhin gefürchtet und deshalb oft getötet werden - wächst er unerkannt bei den Menschen auf. Doch schon bald ist auch hier sein Leben in Gefahr, weil ihm die finsteren Fyrd nachstellen. Schließlich wagt er sich in die Welt der Hydden, um seine entführte Freundin Katherine zu befreien. Dabei stehen ihm tapfere Gefährten wie die Hydden Brif, Pike und Stort zur Seite. Zudem taucht die geheimnisvolle Friedensweberin Imbolc immer wieder auf, in deren Queste Jack und Katherine eine wichtige Rolle spielen.

 

Der britische Fantasy-Autor William Horwood ist vor allem durch seine „Duncton Chronicles“ bekannt geworden, in denen Maulwürfe als Hauptfiguren agieren. „Hyddenworld - Der Frühling“ ist der erste Teil einer Romanreihe, in deren Fokus die Hydden stehen und die am Ende vier Teile umfassen soll.

 

Der Roman besticht besonders durch seine vielen interessanten Charaktere. William Horwood konzentriert sich nämlich – im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen – eben nicht nur auf Hauptfiguren wie Jack oder Katherine, sondern gestaltet auch seine anderen Protagonisten facettenreich. Beispielhaft sei hier auf Stort verwiesen, der als schrulliger Erfinder einerseits geniale Züge trägt, andererseits aber auch als lebensfremd dargestellt wird, was amüsant zu lesen ist. Der kleine Hydden nimmt auch schon einmal den drohenden Tod für den Gewinn empirischer Erkenntnisse in Kauf und tut sich verständlicherweise schwer, das komplexe Phänomen „Liebe“ wissenschaftlich adäquat zu durchdringen.

 

William Horwood kreiert mit den Hydden und den Sagen um den legendären Schmied Beornamund zudem seine eigenes mythologisches Gerüst. Das ist stimmig gestaltet und unterstützt gleichzeitig die dichte Atmosphäre seines Werkes. Der Autor kommt dabei auch ohne die in diesem Genre oft anzutreffenden Anleihen bei Tolkien und dessen Welt mit edlen Elfen und finsteren Orks aus, wobei die Hydden nur entfernt an Hobbits erinnern.

 

Eher an Tolkien orientiert scheint der stellenweise recht gemächliche Erzählstil. Der Ton von Horwood ähnelt dann auch stilistisch dem von Märchen oder Legenden. Das passt einerseits gut zum Inhalt. Andererseits wird das Tempo aber an manchen Stellen dadurch etwas zu sehr verschleppt.

 

Teilweise hätte Horwood die einzelnen Erzählstränge etwas stärker ausarbeiten und strukturell ansprechender gestalten können. So überspringt der Autor etwa mit leichter Hand plötzlich ein ganzes Jahrzehnt, ohne dass in dieser Zeit anscheinend überhaupt etwas Signifikantes passiert. Hier wäre es stimmiger gewesen, zumindest rudimentär auf Entwicklungen bei Jack, Katherine und ihren Gegenspielern einzugehen. Später verschenkt der Autor auch Spannungsmomente, indem er selbst einige potenziell packende Ereignisse nur kurz rückblickend zusammenfasst, statt diese für seine Leser erlebbar zu machen.

 

Fazit:

William Horwood gelingt mit „Hyddenword – Der Frühling“ ein stimmungsvoller Auftakt zu einer neuen Serie, die interessante Figuren fernab von üblichen Genreklischees und eine dichte Atmosphäre bietet, der aber gerade wegen struktureller Schwächen nicht der ganz große Wurf geworden ist.

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Frühling

Reihe: Hyddenworld Teil 1

Autor: William Horwood

Klett-Cotta, Februar 2012

gebunden, 527 Seiten

 

ISBN-10: 3608946381

ISBN-13: 978-3608946383

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 12.05.2012, zuletzt aktualisiert: 29.04.2019 10:09