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Der Funke des Chronos von Thomas Finn

Rezension von Christian Lange

 

*Inhalt:

Tobias, Medizinstudent im Hamburg des Jahres 2006, gerät durch seltsame Umstände per Zeitmaschine in das Hamburg des Jahres 1842, fünf Tage vor jenem Großen Brand, der weite Teile der Hamburger Altstadt zerstörte. Doch das alte Hamburg ist gefährlich, ein Serienmörder treibt sein Unwesen und Tobias wird unfreiwillig in den Kriminalfall verwickelt, während er versucht, die verlorene Zeitmaschine wieder zu finden…

 

 

* Das Buch:

Neuestes Werk des Hamburger Autors Thomas Finn ist der Phantastische Thriller "Der Funke des Chronos". Mit über 400 Seiten ist das Buch als sehr schöne Hardcoverausgabe im Piper-verlag erschienen.

Da Cover zeigt teilweise das Porträt eines jungen Mannes, im Hintergrund ist schemenhaft die Silhouette einer brennenden Stadt zu erkennen. Ebenso wie der Titel ist das Cover sehr gut gelungen. Beide weisen auf den Inhalt hin, ohne dabei zuviel zu verraten.

Sowohl Klappentext, als auch Buchrücken geben eine kurze Inhaltsangabe, wobei der Rückentext weniger gut passt. Eine Kurzbiographie des Autors mit Photo ergänzt den Klappentext.

Im vorderen und hinteren Einband findet sich je eine Karte Hamburgs aus dem Jahre 1842. Im Anhang gibt es ein Personenverzeichnis und ein Nachwort des Autors. Das Verzeichnis listet hierbei nur die historisch verbürgten Personen auf und gibt einige interessante Informationen wieder. Im Nachwort geht der Autor auf seine Motivation, den Roman zu schreiben, ein und erklärt kleine historische Ungenauigkeiten seines Werkes. Ein Lesebändchen rundet die Ausstattung ab.

Der Hinweis auf Heinrich Heine ist vielleicht ein wenig übertrieben. Die Rolle, die Heine im Roman spielt, ist wichtig, aber kleiner, als es der Buchrücken vermuten lässt.

 

 

* Der Autor:

Thomas Finn, Jahrgang 1967 ist ein wahres Multitalent. Neben Veröffentlichungen für bekannte Rollenspiele (wie z.B. Das Schwarze Auge oder Cthulhu), hat er sich auch als Drehbuchautor (z.B. Ein Pfundskerl mit Ottfried Fischer für Sat.1) einen Namen gemacht. Mit "Der Funke des Chronos" hat er seinen ersten Historischen Roman veröffentlicht.

(Tipp: unbedingt die sehr schön gestaltete Homepage des Autors besuchen: www.thomas-finn.de, auch wenn dort noch nichts über diesen Roman zu finden ist.)

 

 

* Kommentar:

Thomas Finn hat bereits einige Erfahrung im Schreiben von Romanen, doch mit diesem Projekt hat er für sich Neuland betreten. Spielten seine Romane bis dato in Phantasiewelten, so hat er sich mit "Der Funke des Chronos" in die reale Geschichte Hamburgs begeben.

 

Und sich somit dem Druck ausgesetzt, dem sich wohl jeder Autor Historischer Romane stellen muss. Nicht nur die eigentliche Romanhandlung muss gelungen sein, sondern auch die historisch verbürgten Fakten jener Epoche müssen stimmen. Jene Fakten bilden oft ein strenges Korsett, das die Phantasie des Autors oder zumindest die Qualität seiner Geschichte erdrücken kann.

 

Thomas Finn hat es geschafft, nicht nur den engen Rahmen historischer Fakten mit Handlung zu füllen, sondern überdies einen äußerst spannenden und unterhaltsamen Roman zu schreiben, dessen Einordnung sich schwierig gestaltet. Neben der phantastischen Komponente der Zeitreise, ist der Roman hauptsächlich ein Thriller. Die vom Piper-Verlag vergebene Bezeichnung "Phantastischer Thriller" trifft es trotzdem nicht ganz, denn abgesehen davon ist es auch ein wunderbarer Historischer Roman, der den Leser mitnimmt in das Hamburg des Jahres 1842 und ihn spüren lässt, wie stark der Autor mit seiner Wahlheimat verbunden ist.

 

Der Autor lässt den Leser durch die Augen zweier Protagonisten an der Handlung teilhaben. Die verschiedenen Blickwinkel (der Zeitreisende und der in die Zeit Gehörende bzw. der Mordverdächtige und der Ermittler) ermöglichen dem Leser einen breiten Blick in die Handlung, aber auch in die Geschichte Hamburgs.

Die Figuren, nicht nur die Hauptakteure, werden durch den Autor schnell zum Leben erweckt. Jenseits der üblichen Klischees beschreibt der Autor sie glaubhaft durch ihre Handlungen, so dass der Leser sich ein Bild von Ihnen machen kann. Dabei gestaltet er auch jene "Randfiguren" liebevoll, die als Hamburger Originale oder Persönlichkeiten bekannt.

 

Besonderes Augenmerk hat er hierbei dem Hamburger Dialekt gewidmet. Viele der "einfacheren" Leute sprechen nur Plattdeutsch, während die Sprache der Vornehmeren zumindest davon durchsetzt ist. Dieses Stilmittel ist in diesem Roman etwas zwiespältig zu sehen. Zwar verdeutlicht es sehr gut, welche Sprache damals gesprochen wurde, und charakterisiert auch einige Figuren sehr gut, doch es hemmt für all jene Leser, die des Plattdeutschen nicht mächtig sind zuweilen den Lesefluss. Aber letztlich ist dies Geschmackssache, und wer sich einen Historischen Roman über Hamburg zulegt, der muss auch damit rechnen, zumindest über einige plattdeutsche Worte zu stolpern.

 

Die Handlung ist wohlüberlegt. Beinahe nahtlos fügen sich die Szenen folgerichtig aneinander und lassen nie das Gefühl aufkommen, der Autor hätte unterwegs den Faden oder die Übersicht verloren. Sehr gut gelungen ist die Vermittlung historischen Wissens. Immer wieder unterlegt der Autor das Geschehen mit sorgfältig recherchiertem hamburg-spezifisches Wissen, ohne dass diese Wissensvermittlung offensichtlich wird. Im Gegenteil, der Autor baut sie geschickt in die Handlung ein. So lernt man, während man unterhalten wird.

 

Ebenfalls sehr gut geglückt, ist der Spannungsbogen des Romans. Der Autor beginnt spannend und steigert sich von da ab beständig. Obwohl man ahnt, was am Ende passieren könnte und auch weiß, dass der Grosse Brand wohl nicht zu verhindern ist, schafft der Autor es trotzdem, die Spannung nie abreißen zu lassen und regelmäßig überraschende Wendungen der Handlung aufkommen zu lassen. Immer wieder legt er seinen Figuren Hindernisse in den Weg. Diese wirken jedoch nie konstruiert, sondern stets glaubhaft.

 

Das Finale ist sehr gut gelungen, es löst die Handlung auf, lässt aber auch einiges offen. Natürlich bleibt das Problem, dass man schnell ahnt, worauf das Buch hinauslaufen wird. Aber das Wie kann man nicht erraten. Insofern ist es ein würdiges Ende für ein sehr gutes Buch geworden. Welches übrigens nach einer Fortsetzung schreit. Den Anschlusspunkt hat der Autor bereits hinterlassen, so dass die Leser hoffen können…

 

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt. Wohl jedes Buch, das sich mit Zeitreisen beschäftigt, erwähnt die Paradoxa, die mit dieser Idee verbunden sind:

Was passiert, wenn ich in der Vergangenheit etwas verändere? Ändere ich damit die Zukunft? Vielleicht so, dass es mich gar nicht geben wird? Und ich damit auch nicht in die Vergangenheit reisen kann…?

Thomas Finn erwähnt diese Problematiken an einigen Stellen, lässt aber seinen Protagonisten nicht weiter darauf eingehen. Das ist ein wenig schade, denn so verliert das Phantastische an seinem Roman Boden gegenüber dem Historischen Thriller. Das ist nicht schlimm und wohl auch Geschmackssache, aber das Fehlen dieses Elementes fällt auf.

 

Thomas Finn beschreibt in seinem Nachwort den Roman als eine Hommage an H.G.Wells und als Liebeserklärung an Hamburg. Beides ist ihm zweifellos gelungen.

Die liebevoll gestalteten Figuren, die spannende Kriminalhandlung, die unterschwellige Vermittlung historischer Fakten zu Hamburg und die phantastische Zeitreiseidee bilden zusammen einen großartigen Roman. Ein Muss für jeden historisch interessierten Hamburger, aber auch für all jene, die gern historische oder phantastische Romane lesen.

 

* Fazit:

"Der Funke der Chronos" ist eines jener Bücher, die man in einem Stück lesen muss. Man kann gar nicht anders, denn ein so spannendes unter unterhaltsames Buch aus der Hand zu legen, fällt einem nicht im Traum ein. Ein besseres Kompliment für einen Roman kann es wohl kaum geben, oder?

 

Also, unbedingt kaufen und lesen! Sehr empfehlenswert!!!

 

Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

Christian
Sonntag, 05. Februar 2006 01:02 Uhr
Nachtrag: Inzwischen findet man auf der Homepage des Autors einiges zum Roman, z.B. eine Leseprobe sowie eine Galerie mit Bildern des alten Hamburg. Also, unbedingt besuchen!!!

Faramir
Freitag, 03. Februar 2006 17:49 Uhr
Diese Rezi spricht mir 99prozentig aus der Seele. Der Roman lässt einen nicht mehr los! Unbedingte Kauf- und Leseempfehlung!!!!

Gruß Faramir

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Buch:

Der Funke des Chronos

Autor: Thomas Finn

Gebundene Ausgabe - 412 Seiten - Piper

Erscheinungsdatum: Januar 2006

ISBN: 3492701280

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.02.2006, zuletzt aktualisiert: 19.02.2019 10:19