Der Geschmack von seltsamen Wörtern (Autor: Theodor Ertel)
 
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Der Geschmack von seltsamen Wörtern von Theodor Ertel

Rezension von Christel Scheja

 

Theodor Ertel weiß, von was er schreibt, denn auch wenn der Protagonist seines Romans Adrian heißt, so sind die Erlebnisse in Der Geschmack von seltsamen Wörtern doch autobiographisch, kam er selbst mit seiner Familie als Kind nach Deutschland und lernte erst nach und nach in dieser neuen Welt zurecht zu finden.

 

Mit seiner Familie muss Adrian 1961 nach Deutschland ausreisen, weil man seinen Vater, der unter falschen Tatsachen seit Kriegsende in England lebt, ausgewiesen hat. In einer Welt, die er erst einmal nicht wirklich versteht, versucht sich der junge auf seine Weise zurecht zu finden.

Während seine Eltern ums Überleben kämpfen, nach und nach zu etwas Wohlstand gelangen, geht er seinen ganz eigenen Weg zwischen zwei Welten und Sprachen, garniert mit den Problemen zwischen den Generationen und dem, was ihm schließlich den Weg in die Freiheit bietet.

 

Immerhin spricht die Geschichte ein Thema an, das den meisten Lesern nicht ganz so bekannt ist, denn unter den Migranten, die nach Deutschland kamen, waren ganz offensichtlich auch Deutsche, die sich in anderen Ländern ein neues Leben und eine Familie aufgebaut haben, aber dann ausgewiesen wurden.

Aus der Sicht eines Kindes erfährt man so mehr über das Leben zwischen den beiden doch unterschiedlichen Kulturen, dem Versuch, sich einzugliedern und doch nicht ganz zu verlieren. Dabei kommen Verhaltensweisen zur Sprache, die heute eher seltsam erscheinen, damals aber ganz normal waren, sprich man hat sich auch keine Gedanken darüber gemacht.

 

Allerdings macht es der Autor dem Leser auch nicht ganz einfach, sich in die Geschichte einzufinden. Da ist erst einmal der abgehakt wirkende Stil, der vor allem durch sehr kurze Sätze glänzt. Es wird überwiegend beschrieben, Gefühle und Gedanken werden kaum vermittelt, do dass die Figuren auf Distanz bleiben. Auch wirkt es so, als hätte die Handlung keinen roten Faden, denn sie plätschert mehr oder weniger dahin, es gibt keine wirklich großen Entwicklungen.

 

Was dadurch bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck. Man erhält auf der einen Seite schon einen interessanten Einblick in die Kämpfe der Kriegsgeneration und ihrer Kinder, deren Verhalten und deren Ansichten. Auf der anderen Seite wirkt das ganze eher wie ein Bericht, da durch die nüchterne und abgehackte Sprache keine Beziehung zu den Figuren aufkommt. Und auch die Spannung bleibt eher gering, da die Handlung keine wirklichem Höhepunkte hat.

Fazit

»Der Geschmack von Seltsamen Wörtern« hat durchaus seinen Reiz, fordert dem Leser aber auch einiges ab, da die Geschichte selbst nicht fesseln kann und die Figuren eher blass bleiben, auch wenn man Einblicke in ihr Leben erhält. Dadurch wirkt das ganze Geschehen – so interessant es auch ist – blutleer.

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Buch:

Der Geschmack von seltsamen Wörtern

Autor: Theodor Ertel

Taschenbuch, 324 Seiten

Anthea Verlag, 14. Oktober 2025

 

ISBN-10: 3899984528

ISBN-13: 978-3899984521

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 20.12.2025, zuletzt aktualisiert: 23.02.2026 14:09, 25613