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Der glorreiche Fünfjahresplan

Reihe: The Boys Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Garth Ennis liebt die Kontroverse – manchmal so sehr, dass er vor lauter Provozieren vergisst, eine gute Geschichte als Grundlage für seine derben Zoten zu schreiben.

 

Außerdem hasst Ennis Superhelden. Das hat er in den letzten Jahren immer wieder deutlich gemacht, wenn er mit gängigen Marvel-Helden nicht gerade zimperlich umgegangen ist oder Antihelden wie den Punisher – ohne Superkräfte und Spandex-Strampler–, Kriegscomics oder natürlich seinen Vertigo-Hit Preacher schrieb und teilweise große Erfolge feierte.

 

Kein Wunder also, dass auch im zweiten Band seiner holprig, nichtsdestotrotz aber erfolgreich gestarteten The Boys-Serie die vermeintlichen Superhelden wieder nicht gut weg kommen. Entweder sind die bunt kostümierten Recken korrupt bis ins Mark – oder aber verdorben wie die Hölle selbst, von diversen sexuellen Lasterhaftigkeiten im Dunstkreis der Sodomie ganz zu schweigen. Ennis lässt wirklich kein gutes Haar an den Superhelden und der Comic-Industrie. Das merkte man irgendwann auch bei DC, wo die Serie im Januar 2007 nach dem sechsten Heft eingestellt wurde, da man mit Ennis’ permanenten Anti-Superhelden-Tenor extrem unzufrieden war. Im Herbst desselben Jahres fanden Ennis und Robertson mit ihrer creator owned-Serie jedoch bereits ein neues Zuhause bei Dynamite Entertainment, die sich den Abenteuer der fünf Superheldenjäger annahmen und seit dem mit großem Erfolg veröffentlichen. Ennis wird es diebisch freuen.

 

Für den deutschen Leser ändert sich nichts, sieht man einmal davon ab, dass nun das Dynamite-Emblem neben dem gewohnten Panini-Balken prangt. Auch inhaltlich fährt Ennis das bewährte Konzept aus politischer Incorrectness, derben Sprüchen und mal lustig, mal aber auch hölzern drapierter Sodomie. Zunächst ermittelt das schrullig-brutale Team um Billy Butcher und Hugh Campbell in der Schwulenszene und gegen ein paar ganz schön kaputte Helden, nur um sich danach mit dem neuesten Geniestreich der russischen Mafia im kalten Moskau anzulegen, wo Superhelden ebenfalls im Brennpunkt des Konflikts stehen. Robertsons Artwork wirkt dabei anatomisch weitaus sattelfester als in den ersten Heften, die Gesichter und Mimiken nicht nur lieblos hingeschmiert – auch hier ist der zweite Band dem ersten voraus.

 

Ansonsten schlagen Ennis und Robertson wieder gewohnt über die Stränge, liefern Blut, Gewalt, Obszönitäten und Fäkalsprache in Schrift und Bild. Aber irgendwie passt die Mischung diesmal weit besser zusammen als im ersten Sammelband, sodass der satirisch-parodierende Effekt sich in einigen guten Szenen sogar halbwegs einstellt. Natürlich muss man solche derben Sachen immer noch mögen, und man sollte auch Ennis ein bisschen kennen und überhaupt das Superheldengenre, das er auf die Schippe nimmt – dann wird der zweite Band trotz aller Abartigkeiten (armes Chinchilla – das Gürteltier aus dem dritten Preacher-Hardcover lässt grüßen...) sogar zu einer kurzweilig-untehaltsamen Fortsetzung, die den schwachen Auftakt fast vergessen lässt. Allerdings sollte man auch diesmal keine Wunder erwarten, zumal der ach so glorreiche Fünfjahresplan zum Ende beider Storyarcs jeweils ganz schön an Substanz verliert.

 

Nach wie vor längst nicht so glorreich wie Ennis’ Preacher, sein Hellblazer oder seine ersten 20 Hefte des MAX-Punishers – trotzdem eine Steigerung zum vergeigten Auftakt im ersten Trade.

 

Eine weitere Bobachtung von Butcher & Co. könnte sich vielleicht doch noch lohnen.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Der glorreiche Fünfjahresplan

Reihe: The Boys Bd. 2

Autor: Garth Ennis

Zeichner: Darick Robertson

Tradepaperback, 196 Seiten

Panin, Juni 2008

Erhältlich bei Panini


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Erstellt: 02.07.2008, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40