Der Gräber (Autor: Hendrik Otremba)
 
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Der Gräber von Hendrik Otremba

Rezension von Ellen Norten

 

Diese Rezension erschien zuerst auf Kultura Extra.

 

Science-Fiction für Intellektuelle

Oswalth Kerzenrauch, genannt der Gräber ist unsterblich und wir folgen seinem Leben zu unterschiedlichen Zeiten. Mehrere Liebesbeziehungen und seine Tochter überlebt er als Unsterblicher. Er wird gefoltert und zum Tode verurteilt. Nach dem dritten Weltkrieg, der den Planeten unbewohnbar macht, vagabundiert er in einer Gemeinschaft Gesetzesloser.

Die Szenen stehen nicht in Reihenfolge, sind stattdessen übergangslos aneinandergehängt, was das Lesen erschwert. Interessant sind die Gedankenexperimente, die durch einen unsterblichen Menschen möglich gemacht werden, so die Beziehung von Vater und Kind. Da wirkt der Vater mit den Jahren wie ein jüngerer Bruder, später versorgt er seine greise Tochter und muss sie dann beerdigen.

 

Albtraumhaft sind die Schilderungen auf der Erde nach dem Krieg. Die meisten Überlebenden werden mit Fähren zum Planeten Nektar II evakuiert und nur eine Handvoll Gestrauchelter bleibt in den Ruinen Berlins zurück. Dort entwickelt sich ein exzessives Zusammenleben, da es keine Gesetzeshüter mehr gibt. Zu was ist eine solche Gesellschaft in der Lage, die in völliger Anarchie lebt? Hendrik Otremba wagt Antworten.

Der Gräber findet Trost in der Liebe zu seiner verstorbenen Tochter, die selbst nach ihrem Tod eine zentrale Rolle in seinem Leben spielt. Und es gibt die Liebesbeziehungen, die ihn die Tristesse nach dem Krieg aushalten lassen. Erst als er seine letzte Geliebte überlebt hat, überwältigt ihn die Einsamkeit.

 

»Er findet sich in dieser verlassenen Welt seiner Gegenwart ein, umarmt die tiefe Einsamkeit, die in ihr steckt. Er sieht den Rost, die Löcher, die Ruinen. Er sieht die Wirkungen der Menschheit als Orte, die eine Form der Natur bezeugen, die erst dort aufkommt, wo die Menschen verschwunden sind. Stundenlang wandert er durch diese Landstriche, als wolle er ewig in ihnen bleiben und sie doch überwinden. Das geht seit Wochen so, und kaum spricht er in dieser Zeit. Weil er auf diesen Wegen oft für Tage keinem Menschen begegnet, wird er wie irre. Die Augen weiten sich, die Haut sitzt näher an den Knochen, zum Zerreißen gespannt. Er murmelt vor sich hin, spricht über das, was er weiß, verhöhnt die Wahrheit einer traurigen Welt und spricht lachend mit sich selber darüber, erzählt sie in den Fetzen einer vergehenden Sprache, die sich nur an ihn richtet. Wenn er jemandem begegnet, streicht er sich wieder überrascht die Haare glatt, schweigt, lächelt unumstößlich.«

(S.144)

 

Obwohl die Gedanken und Gedankenexperimente des Autors mich ansprechen, kann ich mit seiner manierierten Sprache nichts anfangen. Vielleicht hat er eine Botschaft zu vermitteln, versucht die unerträglichen Schrecken eines umfassenden Krieges und das damit verbundene Scheitern der Zivilisation in all seinem Grauen abschreckend darzustellen. Diese Aussage verwässert jedoch in dem intellektuellen Rahmen, der für mich nicht funktioniert. Schon der Vorname des Protagonisten, Oswalth, der aus Berlin stammt, wird am Ende untypisch mit »th« geschrieben. Macht ihn das besonders? Der Nachname Kerzenrauch erklärt sich mir nicht.

Hier ist ein Autor am Werk, der zeigt, dass er nicht alltäglich schreibt. Ich weiß deshalb nicht, ob ich alle Feinheiten des Buches mitbekommen habe, denn ich habe mich weder mit den Inhalten darin über den Text hinaus beschäftigt, noch habe ich Germanistik studiert. Stattdessen hat mich das Buch über weite Strecken gelangweilt. Schade, denn die Handlung des Romans halte ich für spannend und wichtig und das Buch ist in seinen Überlegungen etwas Besonderes.

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Buch:

Der Gräber

Autor: Hendrik Otremba

gebundene Ausgabe, 274 Seiten

März Verlag, 2026

 

ISBN-10: 3755000636

ISBN-13: 9783755000631

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0GGW7LVXQ

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 10.09.2026, zuletzt aktualisiert: 10.09.2026 15:21, 26842