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Der Handkuss des Augenfalters von Peter F. Keller

Rezension von Heike Rau

 

Ein kleines Dorf in den Schweizer Alpen hat sich Hans Heinrich Hosang zum Urlaubmachen ausgesucht. Hier in der Abgeschiedenheit hofft er die ersehnte Ruhe zu finden. Bei einer Wanderung fällt ihm eine Nonne auf. Sie hat einen Laptop bei sich, was ihn verwundert. Etwa an der Stelle, wo sie saß, findet Hosang später auf einer Felsplatte etwas, was aussieht wie ein Dohlenei. Das wäre ein schönes Urlaubsandenken, doch der matt polierte kleine Stein ist so schwer, dass er ihn nicht hochzuheben vermag. Es ist wie verhext.

Am nächsten Tag zieht Hosang wieder los. Diesmal mit einem Bergführer. Der 72-jährigen Albrecht Berchtolt hält den Stein zunächst auch für ein Vogelei. Bis er merkt, dass er hier vor einem Rätsel der Natur steht. Der alte Mann fällt in Ohnmacht. Das grenzt an Hexerei. Zum Glück wird Berchtolt dank Hosang gerettet.

 

Die Familie Berchtolt und Hosang sind sich schnell einig. Das Ei soll nicht in die Schlagzeilen geraten. Wer weiß, was dann aus dem kleinen beschaulichen Ort werden würde. Doch es gibt einen Verräter. Und bald wird versucht dem Aletsch-Ei mit Bohrhammer und Steinfräse beizukommen. Es bleibt beim Versuch.

Hosang ist da längst wieder zu Hause. Er verfolgt das Geschehen über die Tagespresse. Als Eingeweihter hat er einen anderen Blick auf die Vorgänge. Und auch er fragt sich, wie die Informationen an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Womöglich hat jemand das Ei vor ihm entdeckt. Immer wieder ist Hosang die Nonne mit dem Laptop aufgefallen.

Die Ereignisse spitzen sich zu, als in unmittelbarer Nähe des mysteriösen Fundes eine Tote entdeckt wird. Es ist Vreni, die Wirtin der Gletscherstube. Ob die Wirkung des Steineis sie umgebracht hat?

 

Hosang ist ein introvertierter, altbacken wirkender Eigenbrödler und am liebsten mit sich allein. Es gelingt dem Autor trotzdem Hosang zu einer interessanten Persönlichkeit zu machen. Denn er hat ihm eine bestimmte Charaktereigenschaft gegeben und das ist Neugier. So geht Hosang trotz seiner Angst vor allem Fremden mit offenen Augen durch die Welt. Im Urlaub gerät er dann auch in eine Sache hinein, die sein Leben verändern soll. Der nüchtern wirkende Hosang wird mit etwas Unerklärbaren konfrontiert. Das soll zwar totgeschwiegen werden. Aber der Plan geht nicht auf.

 

Der Autor beschreibt, wie sich das Dorfleben ändert, wie die Furcht vor Veränderung um sich greift. Das Ei wird zum Jahrmillionen-Fund hochstilisiert, mit Vorteilen für den einen und Nachteilen für den anderen. Es ist Ansichtssache.

Und Hosang will mitmischen. Es hält ihm nichts hinter dem Ofen. So gibt er seine Sicherheit auf und reist ein zweites Mal im Bergdorf an. Es ist erstaunlich zu sehen, wie er versucht, aus dem Hintergrund die Fäden zu ziehen und das Rätsel um den Stein zu lösen. Die Figur des Hans Heinrich Hosang ist dem Autor wirklich gut gelungen. Es ist ein Vergnügen, das Buch zu lesen und zu sehen, wie die Dinge sich entwickeln.

 

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MEDIUM:

Der Handkuss des Augenfalters

Autor: Peter F. Keller

Gebundene Ausgabe: 315 Seiten

Verlag: Pendo (August 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3866122411

ISBN-13: 978-3866122413

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 23.09.2009, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18