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Der Herr der Finsternis von Sergej Lukianenko

Rezension von Carina Schöning

 

„Der Herr der Finsternis“ ist nach „Das Schlangenschwert“ schon der zweite übersetzte Jugendroman des russischen Bestseller-Autors Sergej Lukianenko im Beltz & Gelberg Verlag. Bekannt geworden ist der Autor in Deutschland vor allem durch seine beim Heyne Verlag veröffentlichte „Wächter“ –Tetralogie. Auch hier erzählt er wieder vom ewigen Kampf „Gut gegen Böse“ und wie auch in „Das Schlangenschwert“ spielt wieder ein dreizehnjähriger Junge die Hauptrolle.

 

Den jungen Moskauer Danka hat es mit einer fiesen Erkältung erwischt. Statt draußen mit seinen Freunden zu spielen, sitzt er in seinem Zimmer fest und versucht sich mit seinen Lieblingsromanen bestmöglich die Zeit zu vertreiben. Denn seit der Scheidung seiner Eltern muss seine Muter arbeiten gehen und hat immer weniger Zeit für ihn. Trotz des seit Tagen andauernden Nieselregens fällt plötzlich ein seltsamer Sonnenstrahl durch das Fenster in Dankas Zimmer und der kleine orangefarbene Ball entpuppt sich als sprechender Sonnenkater. Eine Art kleiner, pelziger Zauberer. Mit der Kraft des Wahren Lichts heilt er Danka von seiner Erkältung und eröffnet ihm ein unglaubliches Geheimnis: er kann unsichtbare Portal-Türen finden und genau hier in Dankas Zimmer ist so eine versteckte Portal-Tür.

 

Die Neugier siegt und Danka folgt dem Sonnenkater in die fremde Welt. Hier liegt ein dicker Grauschleier über der Landschaft und verdunkelt alles. Plötzlich ist auch der Sonnenkater weg und Danka wird von zwei fliegenden Gestalten verfolgt. Mit knapper Not kann er ihnen entkommen und trifft auf den gleichaltrigen Flügelträger Len, der ihn mitnimmt in sein Dorf. Erst nach und nach erfährt Danka was in diesem unheimlichen Land wirklich vorgefallen ist. Vor einigen Generationen haben die Menschen ihre Anteile an der Sonne einfach verkauft. Gewissenlose Händler haben ihnen im Austausch dafür Luxusgüter oder auch neuere Technologien gegeben. Seitdem ist die Sonne weg und die dunklen Freiflieger machen Jagd auf die Flügelträger.

 

Danka ist von der Macht des Wahren Lichts überzeugt und will gegen die Dunkelheit kämpfen. Zusammen mit Len und dem Sonnenkater suchen sie das Wahre Schwert und die seltenen Sonnensteine im Turm der Finsternis. Nur so hat Danka wieder eine Chance nach Hause zu kommen.

 

„Der Herr der Finsternis“ wendet sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Der russische Autor Sergej Lukianenko erzählt hier eine fast schon klassische Fantasygeschichte mit einem unerfahrenen Jungen, der bei der Suche nach dem mächtigen Schwert nach und nach erwachsen wird und anschließend nicht weniger als die ganze Welt retten muss.

Die Rollen der Figuren sind dabei auf den ersten Blick klar verteilt, wobei auf dem zweiten Blick alles schon ein wenig komplizierter aussieht: so verhält sich der zwielichtige Sonnenkater nicht immer eindeutig und versucht stetig seine wahre Motivation zu verstecken. Auch Danka kommen im Laufe der Handlung immer mehr Zweifel an seiner Reise. Letztendlich muss auch er erkennen, dass zwischen Gut und Böses häufig kein Unterschied besteht und alles von dem eigenen Blickwinkel abhängt. Das klingt zwar alles anfangs sehr moralisch, aber der Autor hält sich mit verallgemeinernden Belehrungen glücklicherweise zurück. Zwischen schwarz und weiß gibt es hier jede Menge Graustufen und so bleibt der Roman trotz einiger erzählerischen Schwächen durchaus spannend und abwechslungsreich. Gerade die vielschichtige Charakterdarstellung macht den Jugendroman, oder neudeutsch auch „All-Age“ genannt auch für ältere Jugendliche und Erwachsene interessant.

Eine angenehme Überraschung sind dabei auch Sprache und Erzählweise des russischen Autors. Wer die älteren Romane wie „Wächter der Nacht“ oder auch „Spektrum“ kennt, weiß dass er sehr ausschweifend und ausführlich erzählen kann. Hier sind die Beschreibungen und Dialoge überraschend knapp und direkt ausgefallen und auf unwichtige Kleinigkeiten und philosophischen Ergüssen wurde im Hinblick auf das Alter der Hauptfigur auch verzichtet. Insgesamt ist die Sprache daher eher modern und jugendlich gehalten und der Roman liest sich so recht schnell und flüssig.

Negativ wird für einige Leser vielleicht der Gewaltfaktor in dem Roman sein. Abgerissene Flügel und ausgestochene Augen sind nicht für alle annehmbar. Gerade die zweifelhafte Verwandlung in einen Freiflieger kann auf einige empfindliche Kinder vielleicht verstörend wirken.

 

Insgesamt ist „Der Herr der Finsternis“ ein spannender Fantasy-Roman auch für ältere Leser. Trotz einiger Schwächen in Handlung und Ausarbeitung bietet der Roman gute Unterhaltung und punktet mit vielschichtigen Charakteren.

 

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Der Herr der Finsternis

Autor: Sergej Lukianenko

Deutsche Erstausgabe 2008

Russische Originalausgabe 1997

Übersetzung Christiane Pöhlmann

Beltz & Gelberg Verlag

Paperback, 405 Seiten

ISBN 978-3-407-81043-4

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.09.2008, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06