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Der Herr der Ringe - Die Entscheidung

Eine Rezension von Ramona Schroller

 

Deckeltext:

Die Entscheidung zwischen Licht und Finsternis in Mittelerde wird nun fallen. Doch zu wessen Gunsten? Wird der Hobbit Frodo es mit Hilfe seiner Gefährten schaffen, den Ring nach Mordor zum Schicksalsberg zu bringen? Oder gerät er unterwegs in die Fänge der finsteren Gefolgsleute des dunklen Herrschers Sauron und bringt damit Dunkelheit über ganz Mittelerde?

 

Reiner Knizia schuf mit diesem Spiel erneut ein Meisterwerk in Tolkiens Fantasywelt - ein dramatischer Zweikampf, der vor Spannung nur so knistert.

 

Rezension:

Ein hübscher kleiner Karton erwartet den Interessierten, sobald er dieses Spiel erwirbt oder im Handel sieht. Auf dem Deckel eine interessante Grafik, die wohl Frodos Kampf gegen die schwarzen Reiter auf der Wetterspitze darstellt. Stimmungsvoll, wenn auch Frodo etwas panisch aussieht.

 

Wenn der Deckel geöffnet wird, wundert man sich erst einmal über das kleine Spielbrett. Mehr als zwei Spieler passen wirklich nicht davor. Dargestellt auf dem Brett sind die Länder Mittelerdes als gleichgroße Spielfelder inklusive einiger bekannter Orte aus dem Herrn der Ringe wie etwa Isengart, Bruchtal, Lothlórien oder Edoras. Die Minen von Moria durchqueren, ähnlich wie in den Büchern, das Gebirge, wenn es hier auch nicht benannt ist sondern nur allgemein als Moria gekennzeichnet wurde.

 

Die Spielfiguren sind unterteilt in neun Figuren des Lichtes und ebensovielen der Finsternis. Auch hier wird die ein oder andere Figur erwähnt, die durch die Bücher bzw. die Filme kaum bekannt ist. Auf der hellen Seite dagegen die bekannten Figuren der Ringgefährten. Ein wenig lästig fand ich dabei, daß ich die Figuren in die dafür vorgesehenen Schienen selbst einlegen mußte. Ich bin mir ziemlich sicher, daß niemand die Pappblättchen mit den Figuren noch einmal aus den dafür vorgesehenen „Mauern„ nehmen wird.

 

Der Aufbau des Spieles ist sehr einfach. Man lege das Spielbrett so aus, daß es als Raute zwischen den beiden Spielern steht. Die Spielfiguren in den Mauern werden verteilt, wobei die dunklen „Gefährten„ in Mordor starten, die hellen im Auenland. Ziel des Spiels ist es, entweder Frodo zu besiegen, ihn daran zu hindern, nach Mordor zum Schicksalsberg zu kommen oder drei schwarze Figuren ins Auenland zu bringen. Und damit sind wir dann schon mitten im Spiel.

 

Gezogen wird, entgegen den Klassikern wie Dame oder Schach, von Schwarz nach Weiß, was heißt, daß zuerst die Seite der Finsternis beginnt. Jeder Spieler hat einen Zug, wobei nie mehr als zwei gleiche Figuren auf einem Spielfeld stehen können - nebenbei, mehr passen auch nicht drauf. Die helle Seite hat den kleinen Vorteil, direkt durch Moria durchziehen zu können, bzw. den Anduin zu nutzen, um von einem Ende des Spielfeldes (in der Mitte) zum anderen zu kommen. Damit hat es sich dann aber auch mit den Vorteilen für die Seite des Lichtes.

 

Gekämpft wird mittels Handkarten sowie den Stärkewerten bzw. den Texten auf den Figuren selbst. Wobei meines Erachtens die größte Schwäche des Spieles zu Tage tritt. Die Gefährten des Lichtes besitzen zwar eine Textkarte (es gibt Text- und Zahlenkarten) mehr, aber wirklich weiterhelfen kann diese laut den Spielregeln nicht, da die Textkarten als erste ausgespielt werden müssen. Und gerade die „Zauberkarte„, mit deren Hilfe man sich einer bereits abgelegten ein zweites Mal bedienen kann, ist damit schon viel zu früh aus dem Spiel genommen.

 

Auch der Kampf mittels der Zahlenkarten hilft dem Licht nicht wirklich weiter, denn während die Seite der Finsternis mit dem minimalen Wert von 2 aufwartet, geht es auf der Seite des Lichtes bis Null hinunter, und selbst Frodos Kampfwert von 1 ist nicht das Maß aller Dinge. Zum Vergleich, der stärkste Kämpfer des Lichtes ist Gandalf mit einem Stärkewert von 5, die höchste Zahlenkarte ist gleichfalls eine 5. Auf der Seite der Finsternis wartet der Troll mit einer 9 auf und die stärkste Zahlenkarte ist die 6. Also nicht wirklich ausgeglichen.

 

So gestaltet sich das Spiel denn auch auf der Seite des Lichtes als taktisches Winkelspiel, um möglichst wenig zu verlieren, während man sich auf der Seite der Finsternis schnell zu einem „Hau-drauf-Helden„ entwickelt und den Gegner so schnell wie möglich dezimieren will.

 

Mit Sonderrechten sind zwei Gefährten des Lichtes ausgestattet. Zum einen ist da die Figur des Boromir mit dem Stärkewert 0, der aber, wenn er angegriffen wird, jede Figur der Finsternis mit sich ins Grab nimmt. Damit ist er nur einmal einsetzbar und relativ schnell aus dem Spiel verschwunden - und mit ein bißchen Glück hat er den Troll vom Spielfeld gefegt.

 

Zum anderen gibt es da noch die Sam-Figur. Sam hat eigentlich einen Stärkewert von 2, ist er aber mit Frodo zusammen und dieser wird angegriffen, wächst Sams Stärkewert auf 5. Dumm daran ist nur, daß es dem Spieler der Finsternis sofort auffällt, wenn zwei Spielfiguren immer eng zusammen sind und er die Frodo-Figur viel zu schnell angreifen kann, sobald diese einmal allein auf einem Feld ist. Frodo kann sich zwar zurückziehen, doch er ist durch den Kampf enttarnt und die Jagd auf ihn beginnt. Weit wird er nicht mehr kommen und der Sieg ist so gut wie sicher.

 

Um die Chancen für die Seite des Lichtes ein wenig zu heben, gibt es auf jeder Seite je zwei Variantkarten, die zu Beginn des Spieles offen vor die Spieler gelegt werden. Auf der Seite der Finsternis sind dies die Karten „Palandir„ und „Ringgeist„. Erstere befähigt den Spieler der Finsternis, sich einmalig ein Gebiet seines Gegners, bzw. die darauf stehenden Figuren, anzusehen. Die letztere ruft eine der beiden Nazgul-Figuren (einmal Schwarzer Reiter, einmal fliegender Nazgul) nach Mordor zurück.

 

Auf der Seite des Lichtes gibt es die Karten „Schattenfell„ und „Gandalf der Weiße„. „Schattenfell„ befähigt den Spieler, eine Figur seiner Wahl zwei Felder weiter zu bringen, was dann schon eine große Hilfe ist, um Frodo überhaupt auf die dunkle Seite zu bekommen. Die zweite Karte belebt Gandalf (zur Erinnerung, die stärkste Karte des Lichtes) neu und er erscheint auf der Seite der Finsternis in Lothlórien. Wenn der Spieler der Finsternis nur noch seine untergeordneten Figuren dort stehen hat, kann das zu einem Gemetzel führen, aus dem die helle Seite doch noch als Sieger hervorgeht.

 

Die Spielzeit, die mit 30 Minuten angegeben wird, wird selten erreicht. Meist ist das Spiel sehr viel eher vorbei, denn, sobald Frodo enttarnt ist, geht die Jagd auf ihn los und meist wird er auch relativ schnell eingeholt und besiegt. Das Ungleichgewicht zwischen den Figuren-Stärken ist also der größte Nachteil des Spieles. Ohne die Variantkarten ist es so gut wie unmöglich für die Seite des Lichtes zu gewinnen - und das ist sehr schade.

 

In der Anleitung ist mir zudem aufgefallen, daß die Kampfbeschreibung in sich etwas widersprüchlich ist, was leicht zur Verwirrung führen kann, vor allem bei den ersten Versuchen zu Spielen. Doch man hat den Bogen relativ schnell heraus und spätestens nach dem zweiten Spiel dürften sämtliche Unklarheiten beseitigt sein.

 

Für mehr als zwei Spieler ist das Spiel denn doch nicht geeignet. Dies ergibt sich schon allein aus dem kleinen Spielbrett. Zudem erfordert es ein gewisses taktisches Denken, das im Team nicht immer klar sein dürfte. Ein Turnier mit mehreren Spielern dagegen ist möglich und auch interessant, wenn dann auch wieder die Kürze nicht so recht überzeugen will. Zudem gibt es nicht allzu viele mögliche Varianten für die Seite des Lichtes, ohne die Variant-Karten überhaupt keine, was wirklich schade ist.

 

Das empfohlene Alter von ab 12 Jahren bezieht sich meines Erachtens eher auf die Filme oder die Bücher als auf das Spiel, das an sich harmlos ist. Ansonsten kann man das Spiel auch unbesorgt mit einem 10-Jährigen spielen, viel jünger dennoch nicht.

 

Alles in allem ein gutes Anfangsspiel für einen Spieleabend, jedoch nichts wirklich füllendes. Es ist zu schnell vorbei, um nur dieses Spiel zu spielen. Als Anfang aber durchaus geeignet. Für den oder die Spieler des Lichtes allerdings mit hohem Frustanteil. Wenn ein schlechter Verlierer unter den Spielern ist, sollte man ihn mit ruhigem Gewissen die Seite der Finsternis zugestehen, es sei denn, man möchte ihn ärgern.

 

Eure Meinung:

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Matze
Donnerstag, 30. August 2012 14:53 Uhr
Die Rezension ist in der Tat nicht. wirklich gut und wird dem Spiel nicht gerecht.

Aber der Kommentar von Melanie ist auch nicht frei von Fehlern.
So werden die Zahlenwerte der Karten zu den Zahlenwerten der Spielfiguren addiert.

Denn der Troll mit seinen 9 Punkten ist im Kampf, obwohl die jeweils ausgespielte Karte nicht gewertet wird, immer noch ein echter Kracher und wird nur in drei Fällen besiegt:
1. Der Troll trifft auf Boromir (d.h. beide Figuren sind sofort aus dem Spiel)
2. Der Helle Spieler nutzt die Textkarte "Beide sind besiegt" (d.h. wieder sind beide Figuren aus dem Spiel)
3. der Troll trifft auf Gandalf und der Helle Spieler hat die Zahlenkarte mit 5 Punkten gelegt. Addiert mit den 5 Punkten, die die Figur Gandalf besitzt, macht das 10 Punkte und somit ist der Troll mit seinen 9 Punkten geschlagen.

Aber genug der Klugschei$$erei

"Der Herr der Ringe - Die Entscheidung" ist ein geniales Taktikspiel für zwei Personen, welches meiner bescheidenen Meinung nach das oft als Vergleich herangezogene "Stratego" deutlich in den Schatten stellt.
Man braucht zwar ein paar Runden, um sich die Stärken der Figuren und Karten sowie die zugehörigen Texte in der Spielpraxis zu verinnerlichen.
Aber nach kurzer Zeit eröffnen sich einem die unzähligen taktischen Möglichkeiten, die jede Partie zu einem spannenden Kampf in Mittelerde machen.

Für Taktiker im Allgemeinen und taktische Tolkien-Fans im Besonderen ein Pflichtspiel.

Melanie
Samstag, 02. Januar 2010 18:07 Uhr
Keine so gute Rezension, da inhaltliche Fehler, z. B. bei den Zahlenwerten der Karten, oder hier: Zitat: ... laut den Spielregeln nicht, da die Textkarten als erste ausgespielt werden müssen. Zitat Ende. DAS stimmt nicht. Als erstes kommen die Texte AUF den Figuren zum Tragen, wenn hier keine Entscheidung getroffen wird, werden Handkarten ausgespielt. Und hier dürfen direkt entweder Text- oder Zahlenkarten gespielt werden (es wird eindeutig die Situation beschrieben, dass Textkarten vor Zahlenkarten Vorrang haben, wenn der eine Spieler einen Text, der andere eine Zahl ablegt). Und somit ergibt sich für mich die Frage, welche Rolle überhaupt der Troll hat, der nämlich völlig überflüssig ist, da er trotz Figurstärke 9 immer besiegt wird. Denn diese Figurstärke kommt lt. Regelheft erst im dritten Kampfdurchgang zum Tragen. Diesen erreicht man aber in einer Paarung mit Troll nie, da dessen Karten immer direkt ungültig sind, das heißt, er verliert sofort, wenn das erste Mal Karten ausgespielt werden. Meiner Meinung nach ist dieses Spiel nicht richtig durchdacht und die Regel nicht ausführlich bzw. klar genug.

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Brettspiel:

Der Herr der Ringe - Die Entscheidung

Autor: Reiner Knizia

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Spielerzahl: 2

Altersempfehlung: ab 12

Kosmos , 1. Januar 2002

 

ASIN: 3440690415

 

Erhältlich bei: Amazon

Inhalt:

  • 1 Spielplan
  • 9 Gefährten für den Spieler des Lichts
  • 9 dunkle Gestalten für den Spieler der Finsternis
  • 11 Lichtkarten
  • 11 Finsterniskarten
  • 18 Mauern
  • 1 Spielanleitung

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Erstellt: 04.09.2005, zuletzt aktualisiert: 17.02.2019 16:49