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Der kalte Blick der Rache von Roberto Mistretta

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Nachdem es Maresciallo Bonanno gelungen ist, einen berüchtigten Kleinganoven aufzuspüren, möchte er sich in den nächsten Tagen erst einmal um seine frische Liebelei kümmern. Doch das Treffen mit seinem neuen Schwarm Rosalia endet wieder im Arbeitsleben, als in unmittelbarer Nähe von Rosalias Wohnung Schüsse fallen und ein Mann verletzt wird. Offenbar von seiner Gattin angeschossen, wehrt sich der Professor jedoch gegen die Vorwürfe, die Tat sei planmäßig durchgeführt werden. Doch Bonnano will das Versehen nicht akzeptieren und lässt Agatina Piditella festnehmen – ein Fehler, denn kurze Zeit später hetzen die Medien und auch Bonannos Vorgesetzte gegen den überambitionierten Maresciallo.

Doch Bonanno ist nach wie vor überzeugt, dass die Piditella ihren Mann umbringen wollte, lenkt sich jedoch zunächst einmal ab, indem er einer Bands von Hundemördern auf die Schliche kommt. Das Komplott, von dessen Ermittlungen er zuvor abgezogen wurde, öffnet sich jedoch erneut, als Piditellas Ehemann mit seiner Geliebten in einem entlegenen Haus beim Liebesspiel mit Kugeln durchsiebt werden. Für den Maresciallo scheint nun die Gelegenheit gekommen, seine jüngst etablierten Erzfeindin an den Pranger zu stellen. Doch die Spuren des Mordes führen in eine ganz andere Richtung…

 

 

Rezension:

In seinem aktuellen Fall wird der Maresciallo zum ersten Mal auf provokante Art und Weise herausgefordert – und stößt mit seinem Sturkopf nahezu permanent auf Granit. Bonnano wird dabei öffentlich düpiert, als er in einer Überreaktion die vermeintliche Attentäterin Piditella hinter Schloss und Riegel bringt, obwohl ihr Opfer als auch sie sich vehement gegen den Tatvorwurf wehren. Doch die Indizien sprechen für Bonannos Vermutungen, und da er als Gerechtigkeitsfanatiker keine Unkorrektheiten duldet, geht er der Sache intensiver nach, als er sollte und blamiert sich schließlich vor dem gesamten Präsidium.

Die Schmach aufzuarbeiten ist ein Kernthema dieses Buches, welches ansonsten zumeist am eigentlichen Kern der Kriminalhandlung vorbeisteuert und sich mit unzähligen Nebenschauplätzen beschäftigt. Der Fall eines liebevollen aber cholerischen Hundebesitzers, dessen Tiere nach und nach vergiftet werden, ist beispielsweise nur ein Aspekt, der die Story streckt, ihr aber keine weiterführenden Impulse versetzt. Und auch die tragische Geschichte eines Jungen aus dem Ostblock, der in den Kriegswirren seine Familie verliert und in jungen Jahren unendlich viel Grausamkeit ertragen muss, ist zwar sehr gut und bewegend geschildert, bringt die Handlung selber aber auch vor dem Hintergrund nicht weiter, dass Teile dieses Nebenplots später im Finale aufgegriffen werden. Erst im letzten Drittel der Story wird der Mord, um den sich die Geschichte eigentlich drehen sollte, thematisiert, doch auch hier sind die Ermittlungsarbeiten sehr träge inszeniert und lassen überhaupt keine Spannung aufkommen. Man vermutet insgeheim bereits, wie sich die Dinge zugetragen haben, und da man kurzerhand immer mehr Bestätigung findet, grenzt der Schlussakkord von „Der kalte Blick der Rache“ schon fast an einen Akt der Langeweile.

Während die Story über weite Strecken vor sich hin plätschert, gelingen Roberto Mistretta diesmal auch die Zeichnungen seiner Charaktere nicht sonderlich gut. Der sture, manchmal sogar sehr naive Titelheld macht den Anfang, seine Nebenbuhler auf dem Revier sind ferner lediglich Abziehbilder, die sich durch eine latente Streitsüchtigkeit ins Abseits manövrieren und die Zusammenarbeit an den aktuellen Fällen kaum mehr glaubhaft machen. Die übrigen schematischen Abrisse, die Mistretta entworfen hat, sind schon gar nicht mehr der Rede wert, derart belang- und lieblos wurden viele Passagen der Geschichte durchweg aufgebaut. Den Weg nach Albanien bzw. Serbien zu nehmen und in kurzen Passagen über das Schicksal eines kriegsversehrten Jungen zu schreiben, hätte sich der Autor daher auch besser gespart, weil die Sache lediglich wie hilflose, aber völlig unpässliche Schadensbegrenzung wirkt. Und das zu einem sehr hohen Preis, den die Handlung absolut nicht mehr auffangen kann!

 

 

Fazit:

„Der kalte Blick der Rache“ ist womöglich der bis dato schwächste Bonanno-Roman. Inhaltlich sehr träge, gleichzeitig auch unnötig verworren, in der Rahmenpräsentation lieblos und fast schon resigniert: Das kann Roberto Mistretta zweifelsohne besser!

 

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MEDIUM:

Der kalte Blick der Rache

Autor: Roberto Mistretta

Broschiert: 352 Seiten

Verlag: Luebbe Verlagsgruppe; Auflage: 1., Aufl. (17. Oktober 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404163532

ISBN-13: 978-3404163533

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.01.2010, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57