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Der Kampf um Gullywith von Susan Hill

autorisierte und inszenierte Lesefassung gesprochen von Stefan Kaminski

 

Rezension von Tanja Thome

 

Rezension:

Nur wenige Monate nach der Veröffentlichung der Buchvorlage in deutscher Sprache veröffentlichte der Argon-Verlag die Hörbuchfassung von Susan Hills Der Kampf um Gullywith, gelesen von Stefan Kaminski.

 

Olly zieht mit seiner Familie von London nach Gullywith im Lake District. Für diesen Umzug war Olly ohnehin nicht zu haben, doch als seine Familie und er in das Haus ziehen, ist Olly noch viel weniger begeistert. Gullywith wirkt auf ihn kalt, abweisend und mit der Zeit sogar bedrohlich, woran nicht zuletzt auch das Gerede der Leute aus der Umgebung einen Anteil hat.

 

Recht schnell macht Olly die Bekanntschaft des Mädchens KK und freundet sich mit ihr an. KK klärt Olly darüber auf, dass die Leute in der Umgebung das Haus, in dem Ollys Familie nun wohnt, möglichst meiden, denn dort sei es unheimlich und Spukgeschichten gehen um.

 

Zunächst ist Olly nicht gewillt, diesem Gerede Glauben zu schenken, doch er muss zugeben, dass das Haus auch ihm seltsam vorkommt. Mit der Zeit lernt Olly weitere Menschen kennen, die ihn nach und nach dazu bringen, mehr über das Haus und seine Geschichte in Erfahrung zu bringen und solche, die eine fantastische Erklärung für die Ausstrahlung des Hauses immer wahrscheinlicher werden lassen.

 

Als Olly dann von Steinen, die offenbar über eigenen Willen und eigenes Denken verfügen, bedroht wird, steht für ihn fest, dass diese Geschichten rund um sein neues Zuhause keine Dinge sind, denen er sich einfach verschließen kann. Er muss mehr herausfinden und den Kampf aufnehmen …

 

Die Zielgruppe ist bei diesem Titel ein Aspekt, der sehr wichtig ist, wenn es darum geht, „Der Kampf um Gullywith“ zu beurteilen. Der Buchverlag Rowohlt führt den Titel als Spannungsroman für Kinder ab zehn Jahren, was diesbezüglich einen guten Anhaltspunkt gibt. „Der Kampf um Gullywith“ lässt sich nämlich, soviel wird schnell klar, nicht als Titel der „All-Age-Fantasy“ bezeichnen und schließt ältere oder erwachsene Leser/Hörer damit beinahe aus.

 

Susan Hill hat sich bei ihrer fantastischen Geschichte nicht auf bekannten Vorkommnissen und Figuren ausgeruht, was grundsätzlich schon neugierig auf die Geschichte macht. Es sind Steine und Steinwesen, die hier neben Schildkröten eine besondere Rolle spielen und durch den Plot rund um Gullywith leiten. Während die Rolle der Schildkröten – zumindest im Rahmen des Hörbuches – eher eine nebensächliche ist, ist die Rolle der Steinwesen sehr gut ausgearbeitet worden. Man erahnt ihre Stimmung und Motivation schon lange vor ersten Dialogen zwischen den Steinwesen und dem Protagonisten Olly, was eine gewisse Faszination beim Leser/Hörer auslöst und ihn darüber in die Geschichte einbindet.

 

Was der Autorin bei den Steinkreaturen sehr gut gelungen ist, hat sie an anderen Stellen allerdings nicht geschafft. So lernt man den Jungen Olly in einem völlig neuen Umfeld kennen, in dem der Alltag nur eine geringe Rolle spielt. Man entdeckt Gullywith ein Stück weit mit Olly zusammen, doch es gibt keine Entdeckungen abseits der Pfade. Selbst neu in der Gegend, wird Olly stets irgendwohin mitgenommen, sei es von seinen Eltern oder dem Mädchen KK. Da kommt keine Vertrautheit auf, was auch Ollys späteres „Heldendasein“ deutlich in seiner Wirkung schmälert. Der Junge existiert ein bisschen unter der Käseglocke Gullywith, die es auch dem Hörer schwer macht, in der Geschichte Fuß zu fassen. Zwar transportiert dies gelungen das Gefühl der Isolation und des Neuanfangs, das auch Olly selbst verspürt, doch ist es zugleich hinderlich, um die gewünschte Spannung auch als solche zu erleben.

 

Genau diese Vorgehensweise ist es auch, die „Der Kampf um Gullywith“ für ältere Hörer oder Erwachsene quasi ausschließt. Für jüngere Hörer ist es praktisch, sich auf wenige Schauplätze, Figuren und Ereignisse beschränken zu können. Der Verlauf der Geschichte ist so eindeutiger und die Kinder bleiben eher dabei, werden nicht durch andere Faktoren abgelenkt. Für ältere Hörer ergibt sich jedoch das stete Gefühl, dass etwas fehlt. Man wartet darauf, dass die Käseglocke abgenommen wird und auch Nebenfiguren deutlicher ausgearbeitet werden. Zwar erfährt man einiges über die Art und Interessen von Ollys Vater, doch die für die Geschichte so wichtige KK bleibt eher blass. Solche Details sind vor allem deshalb so enttäuschend, weil Ollys Vater im Gegensatz zu KK keinen direkten Einfluss auf die Geschichte rund um die Steinwesen hat und auch, weil KK recht früh als mysteriöse Person mit vielen Geheimnissen vorgestellt wird, sie das damit verbundene Versprechen, Geheimnisse zu präsentieren, aber nicht einhält.

 

Die Hörbuchausgabe an sich ist tadellos und durchweg empfehlenswert. Stefan Kaminski liest die autorisierte Lesefassung souverän und in angenehmem Lesetempo vor. Grundsätzlich verläuft die Lesung eher in sachlichem Ton, doch Kaminski weiß als erfahrener Sprecher genau, wann eine Temposteigerung und Modulation der Stimme sinnvoll ist und setzt sein Können in diesem Rahmen geschickt ein.

 

Besonders nett bei der Hörbuchfassung ist das bei Hörbüchern immer noch eher selten eingesetzte Einbringen von Sounds und Soundeffekten zur Untermalung der Geschichte. Diese beleben das Geschehen deutlich und verleihen der Geschichte ein gewisses Etwas.

Ebenfalls angenehm sind die Tracklängen zwischen drei und – eher selten – zehn Minuten, die ein Wiederauffinden einer bestimmten Stelle sehr komfortabel möglich machen.

 

Fazit:

Für Kinder von etwa acht bis zwölf Jahren ist das Hörbuch eine nette Sache, wobei die Kinder wahrscheinlich mehr Freude an diesem Titel haben werden, wenn sie sich in diesem Alterszeitraum eher im unteren Bereich bewegen. Für ältere Hörer hingegen ist zwar das Hörbuch an sich empfehlenswert, doch aus einer Geschichte lässt sich nun mal nicht mehr herausholen, als tatsächlich drin steckt, und dazu bietet „Der Kampf um Gullywith“ einfach nicht genug, um den Hörer wirklich gut und spannend zu unterhalten.

Eure Meinung:


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Hörbuch:

Der Kampf um Gullywith

Autorin: Susan Hill

autorisierte und inszenierte Lesefassung

Sprecher: Stefan Kaminski

Argon, Februar 2009

Umfang: 4 CDs

Laufzeit : 316 Minuten

Altersempfehlung: ab 8

 

ISBN-10: 3866106084

ISBN-13: 978-3866106086

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.04.2009, zuletzt aktualisiert: 14.03.2019 09:43