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Der Kuss des Kjer von Lynn Raven

Rezension von Christel Scheja

 

Wenn sich ein Entführungsopfer in seinen Kidnapper verliebt, so nennt man das auch das sogenannte „Stockholm-Syndrom“. In der Literatur wird es zu einem beliebten Motiv, um die Schöne und das Biest zusammen zu führen, das hinter einer sehr harten und rauen Schale doch eine sehr zarte und feinfühlige Seele verbirgt. Genau das beinhaltet „Der Kuss des Kjer“ von Lynn Raven.

 

Obwohl sie von unehelicher und zweifelhafter Geburt ist, schätzen sogar die Edlen der Nivard die schöne Heilerin Lijanas. Sogar Prinz Ahmeer, einer der größten Krieger des Landes, hat schon um ihre Hand angehalten. So ahnt die junge Frau nichts Böses und fühlt sich in ihrem Leben wohl, bis sie durch einen hinterhältigen Trick in die Gewalt des als „Blutwolf“ verschrienen Mordan gerät, der sie auf Befehl König Haffrens, der an einer schweren Krankheit leidet, an dessen Hof bringen soll.

Zunächst wehrt sich Lijanas wo sie kann gegen den Mann und seine Gefährten. Nach und nach merkt sie aber, das die Kjer ihr gar nichts Übles wollen.

Sie beobachtet ihre Entführer genauer und entdeckt, dass der als grausamer Mörder verschrieene Mordan selbst tiefe Narben auf seinem Körper und in seiner Seele trägt und auch eine ganz andere Seite hat, als jene die die Welt von ihm kennt.

Er versucht immer wieder und mit viel Geduld freundlich zu ihr zu sein, sorgt sich um seine kranken und verletzten Gefährten – ja kümmert sich sogar in einer Stadt, in der sie nach einer entbehrungsreichen Reise durch die Salzwüste, liebevoll um junge Seuchenopfer.

Das bringt sie zum Umdenken. Kann es sein, dass Mordan selbst zum Opfer der Umstände geworden ist? Indem sie sich ihm annähert, kommen auch Details ans Licht, die Lijanas selbst betreffen und ein Erbe, dass sie bisher nicht in sich erkannt hat.

Und doch muss sie am Ende genau so kämpfen wie Mordan, um sich aus dem Netz aus Verrat und Intrigen zu befreien, das andere längst um sie gesponnen haben, denn es geht um mehr, als sie beide geahnt haben.

 

Sicherlich ist weder das Thema noch die Figurenkonstellation neu, aber Lynn Raven macht trotzdem eine spannende Geschichte aus dem Motiv, mit dessen Figuren man bangt und zittert. Denn sowohl Mordan als auch Lijanas sind Menschen mit mehr als einem Gesicht und Geheimnis. So läuft zunächst das übliche Spiel zwischen Entführer und Opfer ab – die beiden streiten sich, das Mädchen wehrt sich gegen den Mann und bekommt seine Dominanz zu spüren – aber schon da merkt man, dass etwas anders ist. Lynn Raven erzählt zwar überwiegend aus der Sicht der Heilerin, gewährt aber auch Einblicke in das Seelenleben des Blutwolfs und einige seiner Feinde, so dass man deren Verhalten und deren Entscheidungen sehr gut nachvollziehen kann.

Die Grenzen zwischen gut und böse verschwimmen angenehmerweise, denn es wird immer wieder deutlich, dass jede Seite aus ihrer Sicht heraus richtig handelt und mit den gleichen Schwächen und Eigensüchten belastet ist, wie die andere. Da hätte es des kleinen magischen Schlenkers zum Ende hin gar nicht unbedingt bedurft – auch wenn dieser nicht stört.

Dazu gibt die Autorin einen Schuss Action und viele Gefahren, die die Helden bestehen müssen, lässt beide Hauptfiguren ordentlich leiden, damit auch mehr als nur Beziehungsgeplänkel mitspielt. Und auch das wirkt sehr glaubwürdig, da es sich so langsam wie behutsam entwickelt. Die Helden bekommen genug Zeit um einander kennen zu lernen und landen nicht unbedingt gleich miteinander im Bett.

 

Alles in allem ist „Der Kuss des Kjer“ eine runde Sache, spannend und dramatisch, gefühlvoll und romantisch, ohne dabei in unglaubwürdige Szenarien und Kitsch zu verfallen. Auch Fantasy-Fans werden die Geschichte mögen können, da Abenteuer und Beziehungsgeschichte in einem guten Verhältnis zueinander stehen und sich gegenseitig sehr positiv beeinflussen.

 

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 3 von 3.

fast
Mittwoch, 04. April 2012 23:18 Uhr
Ich muss den anderen Meinungen wirklich zustimmen. Der Kuss des Kjer ist ein Buch mit einem ganz eigenen Charm, dass mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Die Charaktere sind erfrischend anders und wuchsen mir bereits nach kurzer Zeit ans Herz. Der Handlungsstrang klar und der rote Faden bleibt immer in Sichtweite, auch wenn man den Hang zum Detail in manchen Situationen kaum übersehen kann. Dies ist jedoch positiv, da es der Geschichte die Notwendige Tiefe gibt. Bei manch anderen Bücher kommt es mir nähmlich so vor, als wollten die Autoren ihre Geschichten einfach runterrattern, ohne auf das Gefühl des Lesers zu achten.
In diesem Buch habe ich eines meiner absoluten Lieblingsbücher gefunden, was bei mir etwas heißt, da ich doch ziemlich viel lese.

feane
Samstag, 16. Juli 2011 13:08 Uhr
Ich hab mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut und konnte es eigentlich kaum abwarten, mit dem Lesen anzufangen. Normalerweise ist es aber so, dass wenn ich mich zu sehr auf etwas freue, ich meist enttäuscht werde. Und das war seit einer Ewigkeit endlich mal wieder NICHT so. Ich hab ein Rundum-Zufrieden-Paket bekommen.

'Der Kuss des Kjer' ist nach langer Zeit mal wieder ein Buch, bei dem ich die letzte Seite zuschlage und mir wünsche, es würde noch einen weiteren Teil geben, irgendetwas, das mir verrät, wie das Ganze weitergehen wird. Ein völlig zufriedenstellendes Ende und ein Buch, das einem noch Stunden, Tage, wenn nicht sogar noch Wochen in den Gedanken hängt, weil die Geschichte einen einfach nicht loslässt. Jedenfalls mich. Ich war vollkommen versunken in der Welt der beiden Hauptprotagonisten, konnte mit ihnen mitfühlen, hab mit gefiebert, wollte den Bösewichten selbst an den Kragen, Missverständnisse klären, Gerechtigkeit walten lassen.

Je mehr man liest, desto ungeduldiger wird man und am Ende ist man dann soweit, dass man selbst einen so starken Drang hat, in das Geschehen einzugreifen, damit all die gesponnenen Intrigen ans Licht gezehrt werden, jeder zu seinem Recht kommt und alles gut wird.

Drei Tage hab ich für diesen 600-Seiten-Wälzer gebraucht, und hätte ich zwischendurch nicht arbeiten müssen, hätte ich vermutlich Tag und Nacht gelesen. Mir fiel es wirklich schwer, das Buch zwischendrin zuzuklappen und erst Stunden später wieder mehr erfahren zu können. Für mich war die Story ein richtiger Pageturner, der mich mit jeder neuen Szene ungeduldiger gemacht hat.

Es gab hin und wieder die ein oder andere Szene, die für den Verlauf und für das Wissen des Lesers wichtig waren, einen aber trotzdem ein bisschen genervt haben, weil gerade dann die vorherige Szene einen kleinen Cliffhanger hatte, und man eigentlich nur lesen wollte, wie DIESE Szene weitergeht. Glücklicherweise waren aber solche kleinen Unterbrechungen meist nicht sonderlich lang, sodass man sie hastig lesen konnte, um dann gleich darauf wieder an den vorherigen Cliff anknöpfen zu können.

Die Geschichte um Lijanas und dem Kjer, der sie nur entführen sollte, weil sein König ihre Heilkräfte benötigt, braucht auch am Anfang nicht lang, steigt fast sofort in das Geschehen ein und doch kommt es einem so vor, als wäre man bei der Reise des Kjer zurück in sein Land die ganze Zeit dabei und würde selbst miterleben, wie lang die Zeit eigentlich vergeht.

Die Entwicklung der Gefühle der beiden wirkt weder gehetzt noch an den Haaren herbeigezogen, sondern nachvollziehbar. Nach und nach entsteht zwischen den beiden eine Zuneigung, die sie beiderseits durch ihren Verstand immer wieder abstreiten.

Die Geschichte, die einen einfach nicht loslässt, überrascht inmitten des Geschehens immer wieder mit kleinen Enthüllungen, die zwar vorher schon immer angedeutet wurden, die einem aber dann doch wieder mit großen Augen dasitzen lässt, weil man zu dem Zeitpunkt einfach nicht mehr daran gedacht hat. Hinweise sind so dezent gesetzt, dass man nicht mal in Erwägung zieht, dass es mehr bedeuten könnte. Oder man dann wieder auf eine falsche Fährte gelockt, nur um an Ende zu erfahren, dass es doch eigentlich ganz anders ist.

Und dann werden wieder Dinge erwähnt, von denen man glaubt, sie seien wichtig für den weiteren Verlauf, und dann stellt man am Ende fest, dass dem nicht so war.

Anfangs hatte ich mir Sorgen gemacht, dass die Figur um Lijanas zu flach erscheint, weil man erst nichts über sie erfährt. Doch das ändert sich in dem Moment, in dem ihre Vergangenheit ans Licht kommt. Ihr Charakter ist greifbarer, wo sie vorher doch einfach nur die störrische, hartnäckige Heilerin war. Den Kjer hingegen, kann man bereits nach den ersten Seiten verstehen bzw sympathisch finden, trotz der Tatsache, dass er eben der Entführer ist. Über ihn erfährt man eigentlich ziemlich rasch immer wieder nach und nach kleine Einzelheiten, die seine Figur zu einem Ganzen formen.

Die einzige Sache, bei der ich hin und wieder Schwierigkeiten hatte mir gedanklich vorzustellen, waren einige Beschreibungen der Umgebungen. Aber vielleicht hab ich in dieser Sorte Fantasy auch einfach noch zu wenig gelesen.

Fazit: Ein Buch, das ich wirklich jedem Fantasy-Liebhaber ans Herz lege. Ich selbst werde wahrscheinlich nicht anders können, als es in ein paar Wochen wieder in die Hand zu nehmen, einfach um noch einmal in die Welt von Lijanas und ihrem Kjer einzutauchen.

Isabella
Donnerstag, 16. September 2010 17:40 Uhr
Dieses Buch war - genau wie das erste - spannend, mitreißend und bewegend. Die beiden Bände sind eine von meinen Favoriten und ich denke, dass die Autorin noch weitere ebenso wunderbare Bücher auf den Markt bringen wird.

Mit Freuden warte ich auf den dritten Teil 'Das Blut des Dämons', der am 12.3.2010 erscheinen soll.

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Der Kuss des Kjer

Autorin: Lynn Raven

cbt, erschienen Juli 2010

Paperback, 608 Seiten

Titelbild: Diverse Motive von shutterstock

ISBN-10: 3570304892

ISBN-13: 978-3570304891

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.09.2010, zuletzt aktualisiert: 15.10.2019 19:03