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Der Leichenkönig von Tim Curran

Rezension von Christel Scheja

 

Tim Curran hat bereits einige Romane veröffentlicht und sich in der phantastischen Szene einen Namen gemacht. Mit „Der Leichenkönig“ präsentiert der Atlantis Verlag nun eine seiner Novellen, die ihre Wurzeln in der Geschichte haben.

 

England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die industrielle Revolution nimmt ihren Anfang und bietet vielen Menschen, die bisher auf dem Land am Hungertuch nagten, Arbeit und neue Hoffnung. Aber letztere wird oft genug enttäuscht, denn in den stetig wachsenden Slums von Städten wie Edinburgh kämpfen viele um das nackte Überleben und nehmen auch Jobs an, die sie geradewegs ins Gefängnis oder an den Galgen führen könnten.

Da ein Gesetz seit einer Weile verbietet, jedwede Leiche als Studienobjekt zu benutzen und auseinander zu nehmen, beginnt auch die Grabräuberei zu blühen. Wer mutig genug ist, des Nachts auf die weiträumigen Friefhöfe zu gehen und frische Gräber auszuheben, der kann ein gutes Geschäft machen. Er muss aber auch ein harter Hund sein, denn nicht jede Leiche sieht noch appetitlich aus, ebenso gilt es, sich gegen Konkurrenten und die Polizei zu wehren.

Samuel Clow und Mickey Kierney gehören schon seit einiger Zeit zu den Besten ihres Faches und erfüllen die geheimen Wünsche der Professoren und Doktoren, so gut sie können. Normalerweise geben sie nicht viel auf die Geschichten und Gerüchte, die in ihren Kreisen den Umlauf machen und von unheimlichen Begebenheiten auf den Totenäckern erzählen – aber eines Tages werden sie eines besseren belehrt, denn durch ihr Zutun erwacht der Leichenkönig ... zu neuem Leben...

 

Das Vorwort von Tim Curran führt zwar gelungen in das Setting ein und klärt über viele Sachverhalte auf, die der Leser sich nun nicht mehr aus der Geschichte zusammensuchen muss, auf der anderen Seite nimmt es aber auch viel von der Handlung selbst vorweg, so dass die Spannung in der Erzählung selbst moderat bleibt.

Zwar arbeitet der Autor die Stimmung sehr schön heraus, zeigt wie das Leben der Grabräuber ausgesehen haben könnte, die sich trotz der gefährlichen Arbeit mehr schlecht als recht über Wasser halten können, da die Preise ordentlich gedrückt werden, und die immer mit einem Fuß unter dem Galgen zeigen.

Auch die Kaltschnäuzigkeit der Charaktere kommt gut zur Geltung – anders sieht es mit dem Grauen aus, das sich zwar verhalten einschleicht, aber nicht wirklich zu einer immensen Bedrohung wird.

Auch das Ende ist vorhersehbar. Es mag zwar moralisch korrekt sein, aber stellt nicht wirklich zufrieden, weil es zu sehr auf altbekannten Handlungsmustern und gängigen Klischees herum reitet.

 

Alles in allem ist „Der Leichenkönig“ zwiespältig zu betrachten – einerseits erweist sich die Novelle als atmosphärisch intensiv und sehr stimmig, andererseits nutzt sie die Möglichkeiten nicht, die sich der Autor gerade bei den phantastischen Elementen selbst geschaffen hat und kratzt so nur an der Oberfläche des Themas.

 

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Buch:

Der Leichenkönig

Autor: Tim Curran

Taschenbuch, 147 Seiten

Atlantis, Oktober 2011

Übersetzer: Ben Sonntag

Titelbild von Mark Freier

 

ISBN-10: 3941258567

ISBN-13: 978-3941258563

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B005XQD990

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.04.2012, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18