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Der leise Tod von Vilmos Kondor

Rezension von Christine Schlicht

 

Budapest 1936

 

Ungarn ist nach dem unvermittelten Tod des Ministerpräsidenten Gömbös wie gelähmt und harrt der feierlichen Beerdigung.

 

Der Kriminalreporter Zsigmond Gordon ist wenig begeistert von der Arbeit die dieses Ableben für ihn und seine Kollegen mit sich bringt und macht sich nur widerwillig daran, denn er hat eigentlich andere Fälle zu bearbeiten. Als er Chef-Kriminalinspektor Gellert wegen eines angeblichen Bestechungsfalles aufsucht, entdeckt er in dessen Schreibtisch die Fotos eines jungen Mädchens, eines davon ein Nacktfoto. Wenig später sieht er genau dieses Mädchen wieder - als unbekannte Tote, die nichts bei sich trägt als ein jüdisches Frauengebetsbuch, ein Mirjam. Ein jüdische Hure? Diesen Stempel bekommt sie sofort aufgedrückt, wegen des Ortes an dem man sie fand.

 

Zsigmond kommt dahinter, dass das Nacktfoto für einen Katalog von einem schmierigen Fotografen angefertigt wurde. Man hatte viel Geld für das Mädchen bezahlt und die Rechtsmedizin hat noch eine weitere Überraschung parat: Das Mädchen war schwanger, als es ein heftiger Schlag in den Magen tötete. Das größte Rätsel aber bleibt die Tatsache, dass Gellert ihr Foto hatte und es scheint, als seien noch viel höher stehende Personen in den Fall verwickelt. Wer war das Mädchen - und war sie am Ende vielleicht nicht einmal eine Jüdin?

 

Bei den Ermittlungen wird Zsigmond schnell klar, dass es gefährlich werden kann, manchen Leuten zu nahe zu treten - lebensgefährlich…

 

 

Ein klassischer Krimi vor dem politischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund Ungarns vor dem zweiten Weltkrieg. Sehr genau wird die gespannte und angespannte Lage des Landes in Bezug auf seine Verbindungen mit den Nachbarn im Westen beschrieben, die Ängste und Hoffnungen der Bevölkerungen vor den Machthabern in Deutschland und Italien mit der Geschichte verwoben.

 

Am Anfang hat man als Leser ein bisschen Schwierigkeiten, mit dem Schreibstil warm zu werden, aber die zum Teil ungewöhnlichen Satzbauten liegen wohl eher an der Übersetzung und nach ein paar Seiten nimmt man sie hin, weil sie irgendwie dazu zu gehören scheinen. Land und Leute werden sehr genau beschrieben, ohne langweilig zu werden, denn man ahnt, dass man diese Dinge wissen muss, um wie der Ermittler die Hintergründe der Tat zu verstehen.

 

Klassischer Krimi auch deshalb, weil die hartnäckige Ermittlungsarbeit im Vordergrund steht und nicht übertriebene Action und blutiges Gemetzel. Die deutlich und gut gezeichneten Charaktere sind glaubwürdig und eingängig, die Motivationen klar. Ein feines, kleines Stück Krimikost mit einem wohl recherchierten Hintergrund, einem angenehmen Protagonisten und Tiefgang.

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MEDIUM:

Der leise Tod

Autor: Vilmos Kondor

Broschiert: 272 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (1. Juni 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426505762

ISBN-13: 978-3426505762

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.12.2010, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18