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Der Lovecraft-Zirkel von Frank Festa (Hrsg.)

Rezension von Matthias Oden

 

Im Jahr 2000 erschien im Blitz-Verlag eine Anthologie im Taschenbuchformat namens „Der Lovecraft-Zirkel“. Sie war der dritte Band der Reihe H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens. Diese Reihe wechselte wenig später über in den Festa-Verlag, wo unter ihrem Namen hochwertige Hardcover erschienen, die zur ersten Anlaufstelle von Kennern und Liebhabern des Cthulhu-Mythos wurden.

 

Bis zu diesem Jahr aber wurde die Freude des Sammlerherzens durch einen Umstand getrübt: eben durch die Taschenbuchbände auf Platz 2 und 3. Jetzt, 2006, hat Festa diese Lücke nun endlich geschlossen und die beiden Taschenbuchausgaben durch gebundene ersetzt. Mit Erscheinen von „Der Lovecraft-Zirkel“ (Bd. 3) liegt somit die Bibliothek des Schreckens erstmals in vollständig gebundener Form vor.

 

Der Inhalt der Anthologie ist gleichwohl unverändert geblieben, aber eine Änderung ist auch gar nicht nötig gewesen: Acht Geschichten, ein Gedicht und ein episodenhafter Rückblick Muriel E. Eddys auf seine Bekanntschaft mit Lovecraft sind genau das, was man von einem Buch mit diesem Titel erwartet – ein literarischer Streifzug durch die Werke jener, die sich der Bekannt- und Freundschaft des Horror-Altmeisters Howard Phillips Lovecrafts erfreuen konnten. Denn es ist die im Vorwort explizit erklärte Absicht des Herausgebers Frank Festa, Mythenbashing zu betreiben und Lovecraft aus der Isolation zu holen, in die ihn Unkenntnis, abgedroschene Interpretation seiner Schriften und nicht statthafte Vermischung von Biographie und Werk gerückt haben.

Lovecraft war nicht jener „Einsiedler aus Providence“ (Franz Rottensteiner), nicht jener „Außenseiter seiner Zeit“ (Kalju Kirde) und schon gar nicht jenes „Monster“ (Giorgio Manganelli), zu dem er von so genannten Lovecraft-Kennern gemacht wurde. Lovecraft war zwar ein scheuer Mensch, aber einer, der den Umgang mit Zeitgenossen nicht mied oder gar floh, wie das so oft weisgemacht wurde. Vielmehr war er Teil eines Kreises von Pulp-Autoren, mehr oder weniger begabten Schriftstellern und Hobby-Schreibern, der in regem Austausch untereinander stand: dem Lovecraft-Zirkel. All diese Freunde Lovecrafts steuerten über die Jahre Geschichten bei zu der großartigen, verwirrenden und einzigartigen Schöpfung, die wir heute den Cthulhu-Mythos nennen. Acht davon sind in diesem Buch versammelt.

 

Es wäre müßig, für jede einzelne eine Inhaltsangabe und Bewertung abzugeben, was zählt, ist der Gesamteindruck.

 

Unter den Autoren der Geschichtensammlung finden sich heute weitgehend unbekannte wieder wie Richard F. Searight und solche, die noch immer ein Begriff sind wie Clark Ashton Smith oder Robert E. Howard. Nicht allen ihren Erzählungen lässt sich nachsagen, dass sie auch nach heutigem Ermessen eine Perle der phantastischen Literatur sind – dafür wirken sie hier und da zu konventionell, besonders in Hinblick auf die unzähligen anderen Erzählungen, die zum Cthulhu-Mythos beigetragen haben. Doch sie alle gewinnen ihren besonderen Reiz durch das Umfeld, in dem sie entstanden: Diese Autoren waren Zeitgenossen Lovecrafts, sie atmeten sozusagen seinen „Geist“ (so war Lovecraft selbst an einer der Geschichten wesentlich beteiligt). Die in „Der Lovecraft-Zirkel“ gesammelten Geschichten sind lesenswert, sei es, weil sie atmosphärisch und stimmungsvoll geschrieben sind, sei es, weil sie Dokumente sind, die aus dem „kreativen Dunstkreis“ um Lovecraft herum stammen.

 

Sie sind somit Zeugnisse eines literarischen Netzwerks, dessen Wirkung auf die Nachwelt bis heute nicht abgeklungen ist. Und hierin liegt ihr eigentlicher Wert. Für jeden Sammler sind sie daher ein Muss; Horror-Liebhaber können zugreifen, sollten sich aber bewusst sein, dass an diese Geschichten nicht der heutige Maßstab an Originalität angelegt werden sollte.

Zuletzt noch ein Wort zur Edition selbst: Wie bereits erwähnt, ist sie deckungsgleich mit der Taschenbuchausgabe, nur das Cover wurde geändert. Seit Band 13 ist die Schreckensbibliothek um ein paar Millimeter in der Höhe des Buchrückens geschrumpft; diese Verkürzung findet sich nun natürlich auch in den beiden neu aufgelegten Bänden 2 und 3 wieder, weil diese ja erst nach der Schrumpfung erschienen. Dies macht den optischen Gesamteindruck der Reihe im Bücherregal etwas unruhiger. Doch da sie nun endlich komplett als Hardcoverausgabe dort steht, mag man darüber problemlos hinwegsehen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Lovecraft-Zirkel

Herausgeber: Frank Festa

Gebundene Ausgabe, 223 Seiten

Festa Verlag, Februar 2006

 

ISBN: 3865520405

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 11.06.2006, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27