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Der magische Zirkel von Katherine Neville

Rezension von Christel Scheja

 

Die Geheimnisse der Vergangenheit waren lange Zeit für die Leser spannender Romane uninteressant. Wichtiger waren aktuelle Themen wie Ökologie, Datenschutz und – missbrauch oder terroristische Verschwörungen, der einen oder anderen Art. Als vieles davon aber unangenehme Realität wurde, wandten sich viele Autoren weniger heiklen Inhalten zu, die auch ihre Leser stressfrei von der Wirklichkeit ablenken konnten. Plötzlich wurden die Geschichtsbüchern nach ungeklärten Fakten durchsucht, und die längst widerlegten Thesen umstrittener Historiker dienten als Grundlage für spannende Thriller.

Besonders beliebt wurden dabei Geschichten, die mit dem christlichen Glauben zusammen hingen, ob nun mit den rätselt um Jesus von Nazareth selbst oder dem Vermächtnis der ersten christlichen Gemeinden oder Mystikern des Mittelalters...

 

In diese Kerbe schlägt auch Katherine Neville mit ihrem Roman „Der magische Zirkel“. Schon die römischen Caesaren, angefangen mit Tiberius, beschäftigten sich mit einem Rätsel, das große Macht bedeuten konnte. Wer in der Lage war, dreizehn magische Gegenstände zusammen zu führen, der sollte die Herrschaft über die Welt erhalten. Auch Claudius, Caligula und Nero jagten dem Geheimnis um den „Magischen Zirkel“ nach. Ihre Agenten durchstreiften die bekannte Welt und hielten nach den mystischen Schätzen oder ihren Spuren Ausschau. Eine junge jüdische Sekte schien besonders viele Anhaltspunkte zu geben.

Glücklicherweise gelang es ihnen am Ende doch nicht, die Artefakte alle zusammen zu bringen. Und auch die Menschen scheiterten, die es in späteren Jahrhunderten versuchten.

Im Jahr 1998 erhält die junge Ari Behn, die eigentlich als Nuklearexpertin arbeitet, geheimnisvolle Dokumente durch einen ihrer Cousins, der bei einem Attentat schwer verletzt wird. Von nun an steht sie im Fadenkreuz unbekannter Verfolger, und ein charismatischer Mann namens Hauser tritt in ihr Leben, der jedoch nur eines will.

Ari ist nicht auf den Kopf gefallen und beschließt selbst, der Spur in den alten Schriften nachzugehen, um zu verstehen, was an den alten Schriften so bedeutsam und wichtig ist. Sehr schnell bekommt sie heraus, das in den Worten verborgene Geheimnis so brisant ist, dass Menschen dafür bereit sind, buchstäblich über Leichen zu gehen – auch das ihre.

Und so muss sie wachsam bleiben und ihnen immer einen Schritt voraus sein, sonst könnte sie schnell zu einem kalten und toten Opfer werden. Und so taucht sie bewusst ein in die mystischen Rätsel, die auch die Anfänge des christlichen Glaubens beeinflusst haben.

 

Ganz so zielstrebig, wie die Inhaltsangabe suggerieren mag, ist „Der magische Zirkel“ nicht. Er hat zwar sehr viele Seiten, es passiert aber nicht wirklich viel, da Ari Behn in einem nicht zu unterschätzenden Beziehungsgeflecht gefangen ist. Schließlich gehört zu der Thrillerhandlung noch eine Art Romanze und Figuren, die durch die Nähe zur Heldin die Dramatik erhöhen. In diesem Fall betont die Autorin aber genau das zu sehr. Die Krimihandlung leidet entsprechend darunter und kann nur in den stimmungsvollen Rückblicken in die Vergangenheit etwas überzeugen, die Geschehnisse in der Gegenwart sind zu detailliert beschrieben. Katherine Neville erzählt weitschweifig von den alltäglichen Kleinigkeiten und dem Chaos in den Beziehung, das auf ihre Heldin einprasselt, vergisst dabei aber vor allem ein ansprechendes Ende für ihre Mysterien zu präsentieren. Gerade die Auflösung ist mehr als schwach und lässt den Leser enttäuscht zurück.

 

„Der magische Zirkel“ ist ein Mysterythriller, den man nicht kennen muss. Das Buch hat zwar einige gelungene Teile, die Spannung plätschert allerdings nur dahin und enttäuscht vor allem in der Auflösung.

Eure Meinung:


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Der magische Zirkel

Autorin: Katherine Neville

Original: The Magic Circle, USA 1998

broschiert, 571 Seiten

Goldmann, erschienen Juni 2008

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Monika Curths

Titelbild von plainpicture, whatapicture

ISBN 978-3-442-46755-6

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.06.2008, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27