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Der Nebel (DVD; Horror; FSK 16)

Rezension von Cronn

 

Der Nebel ist eine klassische Form, um Ängste zu erzeugen. Er verhüllt unsere Welt, in seinen Tiefen können sich Dinge verbergen, die man lieber nicht zu Gesicht bekommt. In diesem Sinn mystifiziert der Nebel die Realität, verzerrt sie zu einem großen Teil und bringt den Effekt des großen Geheimnisvollen in die Welt.

Diesen Mechanismus des Nebels haben schon viele Filmemacher erkannt. Die Palette reicht dabei von den Klassikern a la Der Dritte Mann über American Werwolf bis hin zu The Fog – Nebel des Grauens von John Carpenter. Stets wurde der Nebel eingesetzt, um eine Atmosphäre des Unheimlichen, des Grauens zu erzeugen, manchmal mehr, manchmal weniger erfolgreich.

Dass Nebel auch benutzt werden kann, um einen gänzlich anderen Effekt zu erhalten, beweist Frank Darabont in seiner Verfilmung Der Nebel. Der Film greift eine Novelle von Stephen King auf, die Frank Darabont bewusst in seinem Sinne adaptiert – und das, soviel sei schon verraten – in einer sehr gelungenen Art und Weise.

 

Inhalt:

Plötzlich ist er da – der geheimnisvolle Nebel. Er umhüllt alles in dem kleinen Örtchen im Bundesstaat Maine und scheint nach einem Sturm vom Berg gekommen zu sein, wo sich eine Forschungsstation der US-Militärs befindet.

David Drayton, dargestellt von Thomas Jane, ist mit seinem Sohn unterwegs, um im nahe gelegenen Supermarkt verschiedene Dinge einzukaufen. Dabei werden sie von dem Nebel überrascht, der alle Anwesenden im Supermarkt einschließt. Als ein Mann auftaucht, der etwas von Kreaturen im Nebel faselt, wagt sich niemand – bis auf einen Anwalt und einige seiner Anhänger, sowie eine mutige Mutter – hinaus. Doch deren Schicksal ist ungewiss bis hin zu brutal endgültig.

Als schließlich die Kreaturen im Nebel auftauchen und ein erstes Opfer fordern, wird klar, dass der Supermarkt für die Eingeschlossenen zu einem Gefängnis geworden ist. Es kristallisieren sich zwei Gruppen heraus: die einen, die rund um David Drayton versuchen, einen Weg hinaus zu finden, und die anderen, gruppiert um die religiöse Fanatikerin Mrs. Carmody, welche im Ausharren die einzige Möglichkeit sehen. Als dann die Stimmung mehr und mehr umkippt, fordert Mrs. Carmody die Anwesenden auf, Gott ein Menschenopfer zu bringen, um ihn zu besänftigen, denn sie meint, dass der Nebel eine Strafe des Jüngsten Gerichts Gottes sei.

Im Supermarkt kommt es zum entscheidenden Showdown, zur Konfrontation zwischen beiden Gruppen, was blutig eskaliert.

 

Rezension:

Frank Darabont hat sich bereits mit Green Mile einen Namen als gelungener Stephen-King-Vorlagen-Verfilmer gemacht und beweist erneut mit „Der Nebel“, dass er nicht zu unrecht als Meister seines Faches eingeschätzt wird.

Der Spannungsaufbau ist sehr gut gelungen. Bereits nach wenigen Minuten sind die ersten Charaktere eingeführt und es beginnt das Drama rund um den Nebel und die Eingeschlossenen im Supermarkt. Die Hauptpersonen werden dabei zwar klischeehaft eingegrenzt, aber das liegt im Sinn der Verfilmung, die zum Zweck hat, die Gruppendynamik von Menschen aufzuzeigen. Daher ist es passend, dass die Charaktere keine großen Persönlichkeitsprofile erhalten, was der ganzen Ausrichtung des Films zuwider laufen würde, sondern „Flat-Characters“ bleiben. Da gibt es den Helden, den Anti-Helden, den Mutigen, den Feigling, den Maulhelden, etc. Immer, wenn sich Frank Darabont darauf konzentriert, die Gruppendynamik im Supermarkt zu zeigen, ist „Der Nebel“ ein grandioses Kino der Gefühle, hervorgerufen in einem Horror-Szenario.

Was ihm weniger gelingt, sind die Szenen, in denen die Kreaturen aus dem Nebel auftauchen. War anfangs der Nebel eine echte Bedrohung, und die mysteriösen Geschöpfe darin als nicht greifbar umso erschreckender, verlieren sie einen Großteil ihrer Wirkung dadurch, dass Frank Darabont sich gezwungen sieht, die Kreaturen tatsächlich zeigen zu müssen. Die mit CGI-Computereffekte erzeugten Monster wirken aber nicht annähernd so grauenvoll wie die Vorstellung der Zuschauer, die sie sich während der ersten Viertelstunde in ihren Köpfen gemacht hatten. Schade, dass an dieser Stelle Frank Darabont nicht weiterhin auf die Unsichtbarkeit der Bedrohung gesetzt hat, was beispielsweise bei „The Fog – Nebel des Grauens“ von John Carpenter über weite Strecken hervorragend funktioniert hatte.

Das Ende des Films aber setzt dem Streifen die Krone auf. Die Fahrt durch den Nebel, die Konfrontation David Draytons mit seiner Frau, die Begegnung mit dem Riesen-Ding im Nebel und schlussendlich der Moment, als die im Auto eingekerkerten erkennen, dass sie wiederum nur Gefangene sind wird von einem der niederschmetterndsten und folgerichtigsten, am konsequentesten zu Ende gedachten Finale gekrönt, das sich gewaschen hat. Was hier Frank Darabont auf den Zuschauer loslässt ist deprimierend, boshaft, zynisch und gerade deshalb ungewöhnlich für den zumeist harmlosen amerikanischen Horror-Film der Jetzt-Zeit.

Daher ist es sehr bemerkenswert und für den Regisseur als sehr mutig anzusetzen.

Ein Ende, das lange im Kopf bleibt.

Die Schauspieler-Riege agiert weitgehend souverän, allen voran der überraschend gut agierende Thomas Jane, der aber nahezu von der Darstellerin der Mrs. Carmody an die Wand gespielt wird. Es gibt keine Ausfälle in der Riege – bis hin zu den Nebendarstellern sind alle Rollen gut besetzt.

Die Kamera-Arbeit ist routiniert und weist mit einigen kleinen Geschicklichkeiten darauf hin, dass hier ein Talent hinter der Kamera saß, der bereits mit wenigen Handgriffen seine eigene Art und Weise des Filmens zu erkennen gibt. Seien es Perspektiven oder die geschickte Farbwahl – stets gelingt hier der Kunstgriff, dass alles ein klein wenig anders aussieht, als man es von anderen Produktionen gewohnt ist.

 

Bonusmaterial:

Da zum Test der reine Film vorlag, ist eine Bewertung des Bonusmaterials nicht möglich.

 

Fazit:

Frank Darabont hat mit „Der Nebel“ eine der seltenen gelungenen Verfilmungen einer Stephen-King-Novelle abgeliefert, die gerade weil sie sich nicht sklavisch an die Vorlage halten, innovativ sind und überzeugen können.

Zwar ist das Monster-Design nicht wirklich gelungen, was aber durchaus konzeptionell bedingt sein könnte, wenn man das Ende in Betracht zieht, und wäre möglicherweise überzeugender, sofern man die Monster überhaupt nicht gezeigt hätte, doch sind das im Vergleich zu dem großen Ganzen des Films eher Marginalia denn wirkliche Negativpunkte.

„Der Nebel“ ist und bleibt ein gelungener Vertreter des zeitgenössischen amerikanischen Horror-Films, der sich zugleich den gewohnten narrativen Strukturen etwas verweigert und zeigt, dass die größte Bestie der Mensch ist und wozu er fähig ist.

Eure Meinung:

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Film:

Der Nebel

USA, 2007

Regisseur: Frank Darabont

Komponist: Mark Isham

Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: 16

Ufa, 4. August 2008

Spieldauer: 121 Minuten

 

ASIN: B00194WZCW

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Thomas Jane

Marcia Gay Harden

Laurie Holden

Eintrag in der PhilmDB:

Weitere Infos:

Es wurde ein Pressemuster rezensiert. Daher können leider keine Aussagen über das Cover, Bonusmaterial, Bild- und Soundqualität gemacht werden.


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Erstellt: 29.08.2008, zuletzt aktualisiert: 28.05.2020 19:16