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Der Schwalbenturm von Andrzej Sapkowsi

Reihe: Hexer-Saga Band 4

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Der Schwalbenturm“ ist der vierte Band der fünfteiligen Saga um „Geralt von Riva“ erschienen und die Zeit des sinnlos scheinenden Herumirrens der Helden scheint vorbei zu sein. Andrzej Sapkowski nimmt sich zwar weiterhin viel Zeit, um die Helden auf den richtigen Weg zu schubsen, aber nun ist wieder eine klarere Linie zu erkennen.

 

Zwei Handlungsebenen bestimmen den Roman. Da ist einmal Ciri, die nach dem Tod ihrer Räubergefährten, mit denen sie eine Weile als „Falka“ durch die Gegend gezogen ist, erst von einem Kopfgeldjäger misshandelt und drangsaliert wird, dann aber entkommen kann und bei dem alten Einsiedler Vysogota Zuflucht findet, der ihr mehr über ihr Erbe und ihre Bestimmung erzählt. Als Kind des älteren Blutes ist allein sie in der Lage, die Kräfte zu entfesseln, die im Schwalbenturm auf sie warten. Doch um das zu tun, muss sie den Ort erst einmal finden, denn er ist auf keiner modernen Karte mehr verzeichnet.

Schließlich macht sich das Mädchen auf die Suche. Sie ist immer noch eine heiß begehrte Beute für Fürsten und Könige, Kopfgeldjäger und ehrgeizige Kriegsherren. Inzwischen weiß sie, dass sie nur noch wenigen trauen kann – nur diese sind leider an ganz anderer Stelle und können ihr nicht beistehen.

Derweil haben sich Geralt und seine Gefährten in die Wirren des Krieges zwischen Riva und Nilfgaard verstrickt und einige Mühe, sich aus der misslichen Lage zu winden, denn sie werden dadurch zu Fahnenflüchtigen und Verbrechern, was ihnen einiges an Verfolgern auf den Hals hetzt.

Immerhin erfährt er durch einen uralten Elfen, der ihm und den anderen für kurze Zeit Schutz bietet, mehr von Ciris Bestimmung, die ihm bisher noch nicht so klar vor Augen gestanden hat.

Doch kann er ihr jetzt überhaupt noch helfen? Denn bei dem Versuch eine falsche Spur für die Bluthunde der Königin von Riva zu legen, die mit Geralt noch eine Rechnung offen hat, geht dieser seines Hexer-Amuletts verlustig, was nun auch seinen Status in Frage stellt.

 

Auch „Der Schwalbenturm“ schließt direkt an „Feuertaufe“ an, aber die Geschichte bleibt verständlich, wenn man den Roman nicht gelesen hat. Das liegt einerseits an den immer wieder eingestreuten Hinweisen auf die früheren Geschehnisse, andererseits aber auch an dem episodenhaften Aufbau des Romans. Denn Geralt, Ciri und die anderen erleben kleinere Abenteuer, die sich zwar dem größeren Kontext unterordnen, aber dennoch in sich geschlossen sind.

Im Gegensatz zu den vorhergehenden Geschichten ist diesmal auch wieder ein roter Faden zu erkennen, kommen doch diesmal wichtige Details ans Licht, die vor allem das Erbe der jungen Prinzessin betreffen, das nicht nur ein Reich umfasst, sondern etwas mehr.

Gleichzeitig wird Geralt mit einem Problem konfrontiert, dem er sich bisher noch nicht stellen muss. Der Verlust seines Amulettes zwingt ihn dazu, für sich selbst herauszufinden, ob er auch ohne dieses Artefakt noch ein Hexer ist oder nicht vielleicht inzwischen viel weniger.

Natürlich arbeiten auch keine Sprünge zu anderen Figuren den Hintergrund weiter aus, enthüllen die Machenschaften der Gegenspieler und ihre Pläne. Letztendlich sind dies aber nur keine Farbtupfer in der diesmal sehr klaren und geradlinigen Handlung. Gerade Ciri wächst in diesem Roman weiter über das hinaus, was sie einmal war und wird zur wahren Hauptperson der Geschichte. Doch ob sie wirklich mit den Kräften zurecht kommen wird, die ihr Erbe sind – das wird nicht beantwortet sondern ist Teil des Cliffhangers, der zudem noch neugierig auf den letzten Teil macht.

Ansonsten ist alles beim Alten. Die Welt wird weiterhin in ihren düsteren Einzelheiten beschrieben und zeigt sich in ihrer schmutzigen aber um so facettenreicheren Schönheit, die Figuren bleiben undurchschaubar und wissen auch diesmal zu überraschen.

Alles in allem ist der Roman weitaus spannender als seine Vorgänger, gerade weil sich Fäden zusammenfügen und der Autor sich nur auf zwei große Handlungsebenen konzentriert, die hin und wieder durch kleine Umblenden ergänz werden.

 

„Der Schwalbenturm“ erweist sich als der bisher beste Roman der Hexer-Saga, denn gerade weil er bei der Enthüllung der Geheimnisse nicht mit Überraschungen spart und ein klares Ziel anstrebt, nimmt die Spannung zu. Wer bis hierhin durchgehalten hat, wird nicht nur mit einer weiterhin sehr stimmigen Atmosphäre belohnt sondern auch einer Handlung, die von Anfang bis Ende in den Bann schlägt.

 

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Buch:

Der Schwalbenturm

Reihe: Hexer-Saga, Bd. 4

Autor: Andrzej Sapkowski

broschiert, 543 Seiten

dtv, erschienen August 2010

Übersetzung aus dem Polnischen von Erik Simon

Titelbild von Darren Winter

ISBN-10: 342324786X

ISBN-13: 978-3423247863

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.09.2010, zuletzt aktualisiert: 05.07.2020 18:06