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Der Schwarze Mann

Reihe: Die Legende vom Changeling, Band 2

Rezension von Christel Scheja

 

Die Anderswelt ist manchmal näher als wir denken und mischt sich immer wieder gerne in das Leben der Menschen ein. Denn nicht wenige Konflikte zwischen den unsterblichen Wesen werden auch in irdischen Gefilden ausgetragen.

Davon wussten bereits viele Mythen zu erzählen. Und diese nahmen Pierre Dubois und Xavier Forquemin zum Anlass, eine ganz eigene Geschichte im Schatten der industriellen Revolution zu erfinden.

 

Weil er seinen kleinen Hof nicht mehr halten kann, zieht der Bauer Thomas Jobson fort und nimmt in einer der wachsenden Städte Arbeit in einer Kohlengrube an. Doch bei einer Arbeiterrevolte kommt er ums Leben.

Nun sind Jobsons Frau und die Kinder Sheila und Peter, der von allen nur „Scrubby“ genannt wird, alleine. Die verzweifelte Witwe weiß schließlich nicht mehr ein noch aus und geht in den Tod. Sie gibt mit ihren letzten Worten ihrem kleinen Sohn die Schuld an allem.

Denn der kleinwüchsige Peter ist kein menschliches Wesen mehr, seit ihn Feen aus der Wiege stahlen und erst nach verzweifelten Bitten wieder zurück gaben, wenn auch als Wechselbalg.

Der Junge knabbert zwar schwer an den Anschuldigungen und dem Tod seiner Mutter, aber er nimmt beides schließlich hin, denn es ist nicht viel anders als das Misstrauen und die Furcht der anderen, das ihn schon sein ganzes Leben lang begleitet, denn er hat inzwischen auch in der Stadt Freunde und Vertraute gefunden.

Während seine Schwester Arbeit in der Schänke annimmt, verdingt er sich in der Kohlenmine. Zuerst hilft er mit zu Sortieren, dann wird er hinunter in einen der tiefsten Schächte gesteckt um selbst Kohle zu schlagen.

Aber auch an diesem Ort findet er schnell Freunde und Beschützer, die ihn vor Unheil und Misshandlungen bewahren. Und in den Tiefen der Erde macht ihn ein Zwerg auf Unheil aufmerksam, dass vielen Menschen den Tod bringen könnte.

 

„Die Legende vom Changeling“ bewahrt im zweiten Band den gemächlichen Erzählstil. Auch „Der schwarze Mann“ nimmt sich Zeit, die Geschichte mit vielen Details zu garnieren. Künstler und Autor fangen die Stimmung in der Kohlenmine gekonnt ein. Auch wenn sie nicht unbedingt Gesellschaftskritik üben wollen, so zeigen sie doch, wie hart es dort zuging und wie wenig auf Menschenleben Rücksicht genommen wurde.

„Scrubby“ bewegt sich weiterhin mit der Unschuld eines Kindes durch diese grausame Welt und hält die Augen für das Verborgene offen. Durch sein sanftes Wesen gewinnt er auch andere in seiner Umgebung für sich – so dass man das Gefühl hat, zwischen ihm und einem Mädchen könnte sich durchaus noch etwas anbahnen.

Die Spannung bleibt eher moderat. Im Grunde geschieht nicht viel, da Autor und Künstler mehr auf Lokalkolorit und feine Details achten, als dramatisch zu werden. So kommt das Ende dann mit einem Paukenschlag.

Letztendlich überzeugt der Comic weniger durch seine Geschichte als durch die liebenswerten Charaktere, die stimmige Atmosphäre und die kleinen Details, die den Inhalt erst rund machen.

Die Spannung ist eher gering, da das Böse auch diesmal weiterhin sehr schattenhaft bleibt und Scrubby immer noch mehr beobachtet als handelt.

 

„Der schwarze Mann“, der zweite Band von „Die Legende vom Changeling“ dürfte wie auch schon „Die Missgeburt“ weniger den actionverwöhnten Comic-Lesern gefallen, angesprochen werden durch ihn eher diejenigen, die stimmungsvolle Momente mit einem Hauch Mythologie und liebenswerte Figuren vorziehen.

 

Eure Meinung:


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Der Schwarze Mann

Reihe: Die Legende vom Changeling, Band 2

Autor. Pierre Dubois

Künstler: Xavier Fourquemin

Farbe: Scarlett Smulkowski

Aus dem Französischen von Martin Surmann

La Legende du Changeling – Le Croque-Mitaine, Frankreich 2009

Comic, Hardcover, 56 Seiten

Piredda-Verlag, Hamburg, 08/2009

ISBN-10: 3941279289

ISBN-13: 978-3941279285

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 24.08.2010, zuletzt aktualisiert: 10.12.2019 18:33