Wer auf der Suche nach magischen Artefakten der Dschinn ist, kann bei der in entsprechenden Kreisen bekannten Mitternachtshändlerin fündig werden. Ihren wahren Namen, Loulie, kennen nur wenige, denn Dschinn-Magie ist illegal. Kaum jemand ahnt, dass ihr Leibwächter ein Dschinn ist. Als der Dschinn-hassende Sultan Loulie zu fassen bekommt, zwingt er sie, für sie auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt zu gehen. Kronprinz Omar soll sie begleiten, doch der tauscht diese Aufgabe magisch mit seinem jüngeren Bruder Mazen.
Chelsea Abdullah, die selbst kuwaitische Wurzeln hat, bettet ihr Fantasy-Abenteuer, das den Auftakt der The Sandsea Chronicles-Trilogie bildet, in die Sagenwelt aus 1001 Nacht ein. Die Handlung um die Mitternachtshändlerin Loulie al-Nazari ist eindeutig in dieser Kultur zu verorten, auch wenn die Geschichte trotz ihrer Einbettung in entsprechend zurückliegenden Zeiten eher modern anmutet und auch das Frauenbild westlichen Vorstellungen entspricht.
In diese Story sind jedoch Elemente verschiedener 1001-Nacht-Märchen eingewebt. So ist das vom Sultan begehrte Objekt die aus dem Märchen bekannte Lampe mit ihrem Flaschen- oder eher Lampengeist. Auch die 40 Räuber bilden einen Bestandteil der Geschichte, auch wenn ihr Chef hier nicht Ali Baba heißt und die Räuber eher (Dämonen-)blutrünstige Söldner sind. Bessere Kenner der 1001-Nacht-Geschichten als ich werden vielleicht sogar noch mehr Vorbilder entdecken. Eher unüblich für das berühmte Vorbild, dafür in der modernen Fantasy-Literatur um so üblicher ist, dass es zwischen dem Prinzen und der Händlerin recht schnell zu einer Annäherung kommt. Auch stellt sich recht schnell heraus, dass die Dschinn viel menschlicher sind, als zunächst der Eindruck erweckt wird. Dieses Konglomerat aus alten Märchen und einer modernen Geschichte entwickelt seinen eigenen Reiz, der auf die Fortsetzungen gespannt macht.
Die Autorin erzählt ihre Geschichte wechselweise aus den Perspektiven der Händlerin Loulie, des Prinzen Mazen und der Räuberin Aisha.