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Der Todeskünstler (Autor: Cody McFadyen)

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Die Aufgabe der FBI-Agentin Smoky Barret ist es, besonders brutale Gewaltverbrechen aufzuklären und dabei den Abschaum des Abschaums zu jagen, wie sie es selbst ausdrückt. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde sie gefoltert, mit Narben gezeichnet und verlor ihre Familie durch einen wahnsinnigen Killer. Da sie mit ihrem verunstalteten Äußeren nicht mehr länger – wie zuvor geplant - das administrative Gesicht des FBI werden kann, wird ihr ein Posten als Ausbilderin angeboten. Doch ein neuer Fall beansprucht ihrer volle Aufmerksamkeit. Ein Mädchen namens Sarah droht, sich mit einer Pistole zu erschießen, wenn Smoky nicht zu ihr ins Haus ihrer Zieheltern kommt. Dort stößt die FBI-Agentin auf ein Grauenszenario. Sie findet neben blutigen Malereien die teilweise ausgeweideten Leichen von Sarahs Stiefeltern und von ihrem Stiefbruder. Sarah erklärt Smoky verzweifelt, dass dieses die Tat des “Künstlers“ ist, der seit rund zehn Jahren alle Personen ermordet, die sie liebt. Selbstmord scheint für Sarah die einzige Möglichkeit zu sein, diesem Kreislauf des Grauens zu entkommen. Denn bisher hat ihr kaum jemand Glauben geschenkt. Smoky nimmt sich des Falls an und ermittelt mit ihrem Team.

 

Cody McFadyen hat mit seinem Debütroman „Die Blutlinie“, der auch von der FBI-Agentin Smoky Barret handelt, seinen schriftstellerischen Durchbruch geschafft. Schon sein Erstlingswerk war stellenweise brutal und teilweise verstörend. Doch bei „Todeskünstler“ steigert er die Intensität des Grauens noch einmal. Denn dieses Mal zwingt der Todeskünstler seine Opfer selbst zu Tätern zu werden und dabei für sie eigentlich undenkbare Dinge zu tun. Durch die Wiedergabe von Sarahs Tagebuch erlebt der Hörer ihre Horrorvita – angefangen bei Schlägen über Folter bis zum (sexuellem) Missbrauch und Mord – hautnah mit. Deswegen ist das Hörbuch nicht für zarte Gemüter und schon gar nicht für minderjährige Hörer geeignet.

 

Auch mit „Der Todeskünstler“ ist Cody McFadyen ein spannender Thriller gelungen, auch wenn dieser in puncto Spannung nicht ganz mir dem Erstlingswerk des Autors mithalten kann. Grund dafür ist, dass in den Szenen, in welcher das Tagebuch wiedergegeben wird, die Bedrohung erzeugende Unmittelbarkeit etwas verloren geht. Weil der Hörer schon weiß, was der „Künstler“ später mit Sarahs letzten Zieheltern angerichtet hat, kann er sich zusammen reimen, dass der Killer noch nicht gestoppt wurde und mit seinen damaligen Taten bislang durchgekommen ist. Doch es bleiben immer noch – gerade am Anfang und gegen Ende - genug spannende Episoden übrig, so dass beim Hören keine Langeweile aufkommt, auch wenn der Showdown nicht ganz so stark ist wie beim Erstlingswerk. Dafür gelingt Cody McFadyen gegen Ende eine ansprechend gestaltete Szene, in der er ein Opfer über einen Täter gewaltlos triumphieren lässt.

 

Wie schon bei „Die Blutlinie“, wird das Hörbuch von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Franziska Pigulla eingelesen. Sie ist unter anderem die deutsche Stimme von Demi Moore, Sharon Stone und Gillian Anderson, aber Hörspielfans wohl besonders durch ihre Rolle als Jane Collins in der Serie „Geisterjäger John Sinclair“ bekannt. Da Franziska Pigulla schon beim ersten Teil der Reihe um Smoky Barret eine perfekte Leistung abgeliefert hat, war ihre erneute Verpflichtung nur logisch. Ihre dunkle Stimme passt hervorragend zur Hauptfigur Smoky Barret. Zudem beweist sie wiederum ein Gespür dafür, wie sie den Text betonen und in welchem Tempo sie ihn lesen muss, damit dieser seine Wirkung am besten entfaltet.

 

An einigen wenigen Stellen wirkt der Thriller allerdings etwas übertrieben. Etwa, wenn ein Sonderkommando ohne hinreichende vorherige Aufklärung ein Anwesen, mit Hubschrauber und der Verwendung von Granaten unter heftigem Maschinengewehrbeschuss stürmt. Hierbei mag es sich um eine spannende Actionsequenz handeln, sie wirkt jedoch nicht sehr realistisch. Außerdem ist das Profil des „Künstlers“ - ohne hier zu viel verraten zu wollen - dem des Täters in „Die Blutlinie“ recht ähnlich, so dass seine Identität für die Kenner der Serie leider keine große Überraschung darstellt.

 

Fazit:

Beim Thriller „Der Todeskünstler“ hat Cody McFadyen im Vergleich zu seinem Debüt die Schraube des evozierten Grauens noch ein gutes Stück weiter gedreht. Auch wenn es Sequenzen gibt, die etwas übertrieben wirken, ist das Hörbuch – gerade wegen des tollen Vortrags von Franziska Pigulla – nicht allzu zart besaiteten Thriller-Fans zu empfehlen.

 

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Hörbuch

Der Todeskünstler

Originaltitel: Face of Death

Autor: Cody McFadyen

Laufzeit: 6 CDs (427 Minuten)

Verlag: Lübbe Audio

Erscheinungsdatum: 9. August 2010

ISBN-10: 3785734123

ISBN-13: 978-3785734124

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.10.2010, zuletzt aktualisiert: 14.04.2019 11:03