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Der Todeskünstler von Cody McFadyen

Rezension von Christine Schlicht

 

Special Agent Smoky Barret vom FBI kämpft mit den Geistern der Vergangenheit. Ein Serienkiller hat ihr alles genommen, was ihr im Leben etwas bedeutet hatte – ihren Mann, ihre Tochter, die Freundin, die Würde und ihre Gesicht (so geschehen in McFadyens erstem Roman mit dieser Protagonistin „Blutliinien“). Von Narben entstellt und durch die Vergewaltigungen gedemütigt, versucht sie, mit der seitdem verstummten Tochter ihrer Freundin, noch einmal neu anzufangen. Zwischen ihr und der zehnjährigen Bonnie herrscht ein schweigendes Einverständnis und in dem ehemaligen Secret Service Agenten Tommy findet sie auch einen verständnisvollen Liebhaber. Dazu kommt ihre Truppe von Ermittlern, die auch echte Freunde sind.

 

Gerade als ihre beiden Freundinnen Callie und Elaina (die krebskranke Ehefrau ihres FBI-Partners Alan) ihr helfen wollen, Erinnerungen aus dem Haus zu schaffen und Smoky sich Zeit nehmen will, um sich über eine mögliche berufliche Veränderung klar zu werden, erhält sie einen Anruf. Ein Mädchen verlangt, sie zu sprechen, sonst jagt sie sich eine Kugel durch den Kopf. Offensichtlich wurde in dem Haus auch ein bestialischer Mord begangen. Da sie persönlich gerufen wurde, macht sich Smoky auf den Weg und findet das absolute Horror-Szenario vor.

 

Die sechszehnjährige Sarah sitzt im Schlafzimmer ihrer Adoptiveltern, die Waffe an die Schläfe gedrückt. Der Verdacht, sie hätte die drei Personen umgebracht, entkräftet sich schnell, doch der Anblick ist grauenvoll. Die beiden Erwachsenen liegen ausgeweidet auf dem Bett, der Sohn – etwas älter als Sarah – dazwischen, bis auf den Schnitt in der Kehle unversehrt. Die Wände des Schlafzimmers sind mit grotesken Malereien aus Blut verziert und in Sarahs Zimmer wurden mit Blut die Worte „Dieser Ort = Schmerz“ geschrieben.

 

Es gelingt Smoky, Sarah dazu zu bringen, mit ihr zu reden und ihr die Pistole weg zu nehmen. Das Mädchen verlangt von ihr, dass Smoky ihr Tagebuch liest, darin würde sie alle Antworten über den „Künstler“, wie sie den Mann nennt, finden. Sarah ist kaum auf dem Weg in eine Klinik, als ein anonymer Anrufer einen weiteren Tatort bekannt gibt. Frustriert müssen die Ermittler feststellen, dass sie es mit einem gerissenen Hund zu tun haben, der absolut keine verwertbaren Spuren hinterlässt. Somit ist Profilerin Smoky am Zug.

 

Die Vernehmung von Sarah bringt eine Menge ans Licht. Unter anderem, dass der „Künstler“ Sarah dazu gezwungen hat, die von ihm getöteten Adoptiveltern auszuweiden, damit sie das Innerste, das Dunkle offen legt. Er zwang sie auch, ihrem Adoptivbruder die Kehle durchzuschneiden, schließlich hatte der sie ja schon mehrmal zum Sex gezwungen. Das, was ihr jetzt wiederfahren ist, war aber nicht der erste Verlust gewesen. Sie hat durch den gleichen Mann schon ihre Eltern verloren, doch das wollte ihr niemand glauben. Der Mörder sieht in Sarah „sein“ Kunstwerk, geschaffen und vollendet durch unendlichen Schmerz.

 

Smoky nimmt sich Sarahs Tagebuch vor und dringt damit immer tiefer in den Mörder vor. Sarahs Familie war perfekt und liebevoll, bis dieser Mann kam und die geliebte Tochter als Druckmittel verwendete um zuerst die Mutter dazu zu zwingen, ihren Mann zu erwürgen und sich dann selbst zu erschießen. Niemand glaubte dem Kind, dass noch eine weitere Person im Hause war. Alle sahen ein Familiendrama.

 

Sarah wurde auf eine grauenvolle Reise geschickt, auf der sie immer wieder in die Abgründe der menschlichen Seele blicken musste. Und sollte ihr zufällig doch mal jemand begegnet sein, der ihr half und Mut und Liebe schenkte, dann verlor sie diesen Menschen durch die Hand des Künstlers...

 

Smoky ist ihre letzte Hoffnung.

 

 

Serienkiller sind doch immer wieder für Thriller gut. Leider halten sich die Autoren aber nicht an das, was Leute wie Helen Morrison („Mein Leben unter Serienmördern“) tatsächlich aufgedeckt haben, dabei ist die Realität oft schrecklicher als jede Fiktion.

 

Der „Todeskünstler“ hat auf jeden Fall einen interessanten Ansatz, an den unterschwelligen Horror von „Schweigen der Lämmer“ kommt aber auch dieses Werk nicht ran. Dafür ist alles zu grob gestrickt und zielt zu sehr auf Splattereffekte ab. Da stellen sich nicht erst die Nackenhaare auf, man watet gleich durch Blut. Kein hinter- und abgründiger Machtkampf zwischen der FBI-Agentin und dem Monster, sondern offener Seelenstriptease im Schwarz/Weiß- Verfahren. Die Familien sind immer perfekt (bis auf gelegentliche schwarze Schafe), immer liebevoll und auf der anderen Seite ist das Monster. Rachsüchtig, besessen, brutal, gefühllos und triebgesteuert.

 

Der eingängige, flüssige Schreibstil zieht den Leser atemlos im Eiltempo durch den Plot. Das kann aber nicht verbergen, dass die Charaktere streckenweise etwas zweidimensional bleiben, außer bei Sarah. Trotz aller Blutrünstigkeit und aller Abgründigkeit der menschlichen Seele ist es dennoch ein spannender Lesegenuss für die langen Winterabende, bei dem Wechselbäder zwischen Angstschweiß und Schüttelfrost garantiert sind. Nichts für schwache Nerven und empfindliche Gemüter, denn es wird alles sehr explizit beschrieben.

 

Halloween ist zwar vorbei, aber dennoch empfehlenswert.

 

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Eure Meinung:

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Ulrike
Montag, 22. Dezember 2008 13:57 Uhr
Nicht nur der Autor beschreibt alles sehr explizit. Deine Rezi auch.
Es fehlt jetzt nur noch der Hinweis, dass ... der Todeskünstler ist.
Dann hat man sich das Lesen gespart, denn etwas Neues gibt das Buch dann nicht mehr her.
vG
Ulrike

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Der Todeskünstler

Autor: Cody McFadyen

Gebundene Ausgabe: 680 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 1 (2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3785723024

ISBN-13: 978-3785723029

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.11.2007, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27