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Der unheilige Gral von Fritz Leiber

Reihe: Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling 1

 

Rezension von Markus Mäurer

 

Rezension:

Zwei ehrliche Schurken, das sind Fafhrd und der graue Mausling, um die sich die Abenteuer in Der unheilige Gral drehen. Das Buch ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Kurzgeschichten, deren Entstehungszeit bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreicht und bis zu Beginn in die 70er andauerte. In seinem Vorwort schreibt Fritz Leiber, dass er zwei Helden erschaffen wollte, die anders sind als z. B. Conan oder Kull. Sie sollten »normale« Menschen sein und keine Helden. Zwei Kämpfer, die mehr durch Glück einen Kampf gewinnen, als durch ihre fast übermenschlichen Fähigkeiten. Das ist Leiber nur bedingt gelungen, denn wie Conan sind die beiden Diebe, die trotzdem ihre Ehre haben und herausragende Schwertkämpfer sind, und wenn sie zum wiederholten Male, wieder durch Glück gewinnen, mutet das auch übernatürlich an. Das hat auf die Qualität der Geschichten allerdings keinen negativen Einfluss.

 

Doch Beginnen wir am Anfang und damit bei unserem ersten »Helden«, denn als sympathische Protagonisten sind sie die Helden der Geschichte, auch wenn sie nicht die klassische Heldenfigur darstellen.

 

Fafhrd ist ein Barbar und damit gar nicht glücklich. Aufgewachsen im frostigen Norden der Welt Newhon, beim Volk der Schneefrauen – die der ersten Geschichte auch ihren Titel geben – ist er fasziniert von der Zivilisation. Als Vertreter der selbigen kommt einmal ihm Jahr eine Gruppe von Schaustellern ins Lager der Barbaren, um dort ihre Schauspiele vorzuführen. Natürlich verliebt Fafhrd sich in eine der hübschen Schauspielerinnen und möchte ihr nach Lankhmar, der größten, prächtigsten und zivilisiertesten Stadt von Newhon, folgen. Doch da gibt es auch noch seine eiskalte Mutter und seine Freundin sowie den Barbaren Hringorl, der die Schauspielerin für sich möchte. Somit sind einige Konflikte vorprogrammiert, und dass diese unter Barbaren nicht friedlich gelöst werden, braucht eigentlich gar nicht erwähnt zu werden.

 

In der zweiten Geschichte Der unheilige Gral, lernt der Leser den Lehrling eines Heckenzauberers kennen und erfährt, warum dieser sich von einer Maus zum Grauen Mausling entwickelt (wobei das im Original »Mouser« heißt, was eigentlich »Mausjäger« bedeutet, womit Katzen gemeint sind). Des Weiteren lernt auch er seine große Liebe kennen und muss einiges durchmachen, bis er mit ihr nach Lankhmar reisen kann. Da gibt es den Tod seines Meisters zu verkraften und den Verrat seiner Geliebten; es gibt einen gefährlichen Zauber zu beschwören und einen bösen Herzog zu besiegen.

 

In der dritten Geschichte Schicksalhafte Begegnung in Lankhmar, kommt es dann zu der selbigen zwischen Fafhrd und dem Grauen Mausling. Was als spaßiger Abend mit Diebstahl, Kampf und Gelage begann, entwickelt sich zur schrecklichsten Nacht die, die beiden je erleben müssen. Und an ihrem Ende sind sie Freunde für die Ewigkeit.

 

Es ist unnötig noch weiter auf den Inhalt jeder einzelnen Geschichte einzugehen, da diese sich von nun an vom Schema her sehr ähneln. Fafhrd und der graue Mausling ziehen gemeinsam als Diebe durch Newhon und erleben eine Menge interessanter Abenteuer. Und doch zieht es sie immer wieder zurück nach Lankhmar, wo sich ihr Schicksal entschied. Meistens handeln die Geschichten von einem besonders wertvollen Schatz, der natürlich besonders gut gesichert und nur unter Lebensgefahr zu stehlen ist. Doch Fafhrd und der graue Mausling sind zwei clevere Diebe, die kein Risiko scheuen und jede Herausforderung annehmen. So gelingt es ihnen oft auf originelle Weise ihr Ziel zu erreichen, doch genauso oft scheitern sie auf ebenso originelle Weise. Trotzdem haben sie immer ihren Spaß dabei und verlieren nie ihren Humor.

 

Mit einer anspruchsvollen Sprache und mit ebenso viel, zum Teil schwarzem, Humor, beschreibt Fritz Leiber die Erlebnisse der beiden Abenteurer. Wobei der Schreibstil von Geschichte zu Geschichte unterschiedliche ist. Manchmal verwendet er anstrengend zu lesende Schachtelsätze und manchmal einfache Schilderungen, die eher an Reiseberichte erinnern. Und genau das ist auch die Schwäche des Buches. Denn einige Geschichten sind auch für Kurzgeschichten etwas kurz gehalten. Oder anders gesagt, manchmal packt Leiber zu viel in eine Geschichte herein, nur um sie dann abrupt enden zu lassen. Die Enden der Geschichten kommen manchmal einfach zu schnell. Da beschreibt der Autor über mehrere Seiten die Vorbereitungen eines schwierigen Einbruchs und handelt diesen dann, inklusive Endkampf, in wenigen Zeilen ab. Das mag vielleicht realistisch sein, lässt beim Leser aber ein wenig Enttäuschung zurück. Nichtsdestotrotz sind die Geschichten durchweg spannend, originell und witzig erzählt. Man darf halt keinen Roman erwarten, sondern Kurzgeschichten, die für verschiedene Magazine geschrieben wurden.

 

Die Geschichten erschienen in Deutschland bereits in den 70er und 80er Jahren, in den drei Bänden Schwerter und Teufelei, Schwerter gegen den Tod und Schwerter im Nebel beim Heyne Verlag. Für den vorliegenden Band »Der unheilige Gral« wurde eine überarbeitete Neuübersetzung von Joachim Körber verwendet. Des Weiteren enthält das Buch eine Einleitung von Michael Moorcock, in der der Leser mehr über den Stellenwert Fritz Leibers in der Fantasyliteratur erfährt. Im zum Teil sehr witzigen Vorwort von Fritz Leiber erfährt man mehr über die Entstehung von Fafrd und dem Grauen Mausling, sowie einiges über das Leben des Autors.

 

Fazit:

Die Geschichten in diesem Band sind Klassiker der Fantasyliteratur und jedem Fantasy-Fan nur zu empfehlen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Der unheilige Gral

Reihe: Die Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling Band 1

Original: Ill Met in Lankhmar, 1995

Autor: Fritz Leiber

Übersetzer: Joachim Körber

Cover: Lars Nestler

Taschenbuch, 392 Seiten

Edition Phantasia, 1. Juli 2004

 

ISBN-10: 3937897003

ISBN-13: 978-3937897004

 

Erhältlich bei: Amazon

Inhalt:

  • Einleitung von Michael Moorcock
  • Vorwort zur Originalausgabe »Schwerter und Teufel«
  • Vorbemerkung
  • Der Graue Mausling 1
  • Der Graue Mausling 2
  • Einstimmung
  • Die Schneefrauen
  • Der unheilige Gral
  • Schicksalhafte Begegnung in Lankhmar
  • Vorwort zur Originalausgabe »Schwerter gegen den Tod«
  • Der Fluch der Wiederkehr
  • Edelsteine im Wald
  • Die unwirtliche Küste
  • Der heulende Turm
  • Das versunkene Land
  • Die sieben Schwarzen Priester
  • Klauen der NachtragDer Preis des Vergessens
  • Basar des Bizarren
  • Anhang

Weitere Infos:


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Erstellt: 05.08.2019, zuletzt aktualisiert: 10.08.2019 17:02