Empfinden wir als deutsche Muttersprachler die englische Sprache noch als recht ähnlich, können wir als Laien kaum Gemeinsamkeiten mit den romanischen oder slawischen Sprachen entdecken. Und doch zählen alle diese und noch zahlreiche andere Sprachen zu den indoeuropäischen. Wie sich alle diese heute so unterschiedlichen Sprachen aus einer gemeinsamen Ursprache entwickeln konnten, lässt sich nur mithilfe von Archäologie und Genetik entschlüsseln.
Genau das versucht die Autorin. Mit den Lesern besucht sie Ausgrabungsstätten und diskutiert mit Genetikern und Sprachwissenschaftlern. Aus den Ergebnissen dieser so verschiedenen Wissenschaften stellt dieses populärwissenschaftliche Buch urzeitliche Wanderbewegungen der Völker und Sprachen zusammen, die für die weitaus meisten Normal-Sprachnutzer ziemlich überraschend sein dürften.
Wem ist schon bewusst, dass auch Sprachen wie Persisch, Griechisch oder das alte Keltisch zur selben Sprachfamilie wie unsere eigene gehören? Oder dass überraschende Ähnlichkeiten zwischen Litauisch und Sanskrit bestehen? Das alles ist von vorne bis hinten höchst interessant. Auch dass sich eine Kultur, die zugehörige Sprache und die Gene der Menschen nicht zwangsläufig gemeinsam ausbreiten, mag überraschen. Dabei verzichtet die Autorin nahezu komplett auf Stammbäume der Sprachen und wissenschaftliche Details.
Damit ist dieses Buch eines der interessantesten populärwissenschaftlichen Sachbücher, die ich seit langem gelesen habe, zumal mir sehr viel vorher vollkommen unbekannt war.
Leider konnte die Übersetzerin nicht widerstehen, in einzelnen (zum Glück relativ wenigen) Fällen im englischen Original natürlich nicht vorhandene Gender-Aufzählungen hinzuzufügen.