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Der verbotene Kuss von Laini Taylor

Rezension von Christel Scheja

 

Laini Taylor lebt als Autorin und Illustratorin zusammen mit ihrem Ehemann Jim DiBartolo in Portland, im US-Bundesstaat Oregon. Sie debütierte mit ihren beiden „Dreamdark“-Romanen und bewies schon damit, dass sie sich sehr gerne in der Welt der hintergründigen alten Mythen, Märchen und Legenden bewegt.

 

In „Der verbotene Kuss“ kommt das noch mehr zum Tragen, denn sie verwebt das Schicksal von drei jungen Frauen mit einem ganz bestimmten Thema, ohne dass diese sich jemals treffen.

In „Koboldsfrüchte“ dreht sich alles im Kizzy. Sie lebt mit ihrer Familie voller Sonderlinge am Rande einer Kleinstadt und hat in der Schule viel zu ertragen, da vor allem die Mädchen sich immer wieder über sie lustig machen und mit immer neuen Spitznamen bedenken. Das junge Mädchen träumt davon, ganz normal zu sein und hofft, dass einer der angesagten Jungen sie endlich einmal wahrnimmt.

Dabei vergisst sie all das, was sie durch ihre Großmutter noch gelernt hat. Denn gerade ihr sehendes Verlangen lockt Geschöpfe herbei, die sich an ihren Gefühlen laben und sie verschlingen wollen.

Dann kommt ein Neuer an die Schule – attraktiv, charmant und aufmerksam – und sucht sich ausgerechnet Kizzy als Objekt seiner Verehrung aus. Nicht einmal da wird das junge Mädchen stutzig.

„Die Würze bezaubernder kleiner Flüche“ entführt in das koloniale Indien des frühen 20. Jahrhunderts. Aufgrund eines Fluchs, der ihr von einer Hexe auferlegt wurde, wagt Anamique nicht, einen Laut von sich zu geben. Denn sollte sie jemals ihre Stimme erheben, werden alle sterben, die ihr zuhören. Doch dann gewinnt ein hübscher junger Soldat ihr Herz und das Verhängnis nimmt seinen Lauf ... als bitterer Preis für ein Versprechen, dass die eigentliche Verursacherin einst einem Dämonen geben musste...

Und schließlich ist da Esmé, die mit ihrer Mutter irgendwie immer auf der Flucht ist und nicht wirklich versteht warum. Erst als sich eines ihrer Augen blau färbt und durch einen Kuss Erinnerungen erweckt werden, die eigentlich nicht die ihren sind, erfährt sie, dass sie mit einer ganz besonderen magischen Welt verbunden ist.

 

Was ist „Der verbotene Kuss“ eigentlich? Nur eines ist sicher – mit der im Moment im Bereich der Urban Fantasy so propagierten romantischen Liebe zwischen der Heldin und ihrem geheimnisvollen Auserwählten haben die drei Geschichten nicht viel am Hut. Denn auch wenn hübsche und anziehende Männer auftauchten – eine wirkliche Rolle für das Glück der Heldinnen spielen sie nicht – sie sind eher die Gefahr, die sie dazu bringen, einen Fehler zu begehen.

Das hebt das Buch aber gerade von der Masse der Titel ab. Phantasievoll und mystisch vermischt die Autorin hier geheimnisvolle Welten mit unserer Gegenwart. Kobolde lauern auf die Seele eines Mädchens, dass es eigentlich besser wissen müsste und schließlich doch mit offenen Augen das Unheil willkommen heißt, Alte Götter, Dämonen und zauberkundige Menschen spielen mit dem Schicksal eines Kindes, ehe es sich überhaupt dagegen wehren kann – und nicht zuletzt werden die Figuren zu Grenzgängern zwischen der diesseitigen und der Anderswelt.

Besonders gelungen ist die zweite Geschichte. Sie übt einen besonderen Zauber aus, da sich hier das Schicksal gleich mehrerer Personen aus guten Gründen miteinander vermischen und letztendlich keiner von ihnen den Flüchen entkommen kann, die sie selbst auf sich gezogen haben. Das Ambiente stimmt, die Erzählung ist poetisch und nicht zuletzt fügen sich alle Handlungsstränge am Ende zusammen. Dagegen endet die erste Geschichte sehr offen, und in der dritten zerfasert das eigentliche Thema, da die Heldin irgendwann nicht einmal mehr die Hauptrolle spielt, sondern mehr ihre Mutter und die Wesen, die deren Leben grausam beeinflusst haben.

Letztendlich muss man schon ein Faible für verschrobene, bittersüße Märchen haben und auch bereit sein, die etwas sperrigen Handlungsabläufe zu akzeptieren. Dann steht einem Lesevergnügen nichts im Wege.

Interessant sind auch die Illustrationen, die jeder Geschichte vorangestellt sind und Schlüsselszenen aus ihnen darstellen. Sie vertiefen die Atmosphäre und verleihen dem ganzen Buch einen besonderen Flair.

 

Alles in allem ist „Der verbotene Kuss“ kein Roman zum Zwischendurchschmökern, in dem es nur um „Das Eine“ geht. Vielmehr fabuliert die Autorin mit poetischer Sprache und entwirkt skurrile und eigenwillige Geschichte, die sich irgendwo zwischen Märchen und bittersüßem Drama bewegen.

 

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Der verbotene Kuss

Autorin: Laini Taylor

Klappbroschur, 384 Seiten

cbt, erschienen Januar 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Helweg

Titelbildgestaltung von *zeichenpool

Illustrationen von Jim DiBartolo

ISBN-10: 357030700X

ISBN-13: 978-3570307007

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.05.2011, zuletzt aktualisiert: 22.06.2019 15:54