Der vierte Mörder von Thomas Kastura

Rezension von Christine Schlicht

 

Hauptkommissar Klemens Raupach ist nicht zu beneiden. Von seinen Vorgesetzten wird er auf ein Seminar für Gedächtnistraining geschickt, dabei will er doch eigentlich nur eines – nicht sein Gedächtnis, sondern seine Kombinationsfähigkeit trainieren. Und zwar an einem richtigen, komplizierten Fall. Doch das war einmal, man hat ihn abgesägt und ins Polizeiarchiv versetzt. Zu oft hat er den Leuten mit seiner Hartnäckigkeit und seinen vielleicht etwas unkonventionellen Methoden vor den Kopf gestoßen. Seinen Vorgesetzten kam es nur gelegen, dass er ein Dienstaufsichtsverfahren an den Hals bekam. So konnten sie ihn auf den toten Posten abschieben.

 

Raupach hat nun die Aufgabe, zusammen mit seiner streitlustigen Kollegin Photini Dirou, alte Fälle zu prüfen und im Zweifelsfall neu aufzurollen. Ein Alibiposten für die Polizei, den sie schaffen mussten, von dem sie aber wenig begeistert sind, wenn Raupach und die wegen ihres Mundwerks gefürchtete Photini tatsächlich einen Fall wieder aufrollen.

 

So ist Raupach froh, wenn er wirklich etwas bekommt, an dem er seine Fähigkeiten wieder erproben kann. Bei der Polizei und auch verschiedenen Zeitungen und Radiosendern geht eine anonyme Drohung ein. Ein Vers aus Schillers „Glocke“, verbunden mit dem verschlüsselten Hinweis, dass es am Tag vor Weihnachten im Untergrund eine Feuerkatastrophe geben wird, bei der viele Menschen sterben werden. Zunächst geht auch Raupach wie seine Kollegin Heide, die ihm diesen Knochen zum Fraß gab, von einer leeren Drohung aus. Keine Zeitung bringt den Drohbrief heraus, um keine Panik entstehen zu lassen für nichts und wieder nichts.

 

Johan Land ist jedoch alles andere als jemand, der leere Drohungen ausspricht und er weiß, dass er zu härteren Mitteln greifen muss, um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen. Er beobachtet in seiner Umgebung beständig bestimmte Leute. Leute, die er töten will, um seine geliebte Marta zu rächen, die einst in einer U-Bahn überfallen und getötet wurde. Diese Personen haben den Überfall beobachtet, aber nicht geholfen. Dafür sollen sie büßen. Doch nicht alles läuft so ganz nach seinem Plan, dafür sind die Personen, die er für seinen Rachefeldzug gewählt hat, viel zu unterschiedlich und ihrer Lebenswege viel zu verschlungen. Aber Johan lässt sich nicht beirren. Er legt einen neuen Brief mit Versen aus der Glocke aus und steckt ein Spielhaus auf einem Spielplatz in Brand.

 

Kurz darauf wird eine Leiche in einer Unterführung gefunden, mit gebrochenem Genick. Zwar hat sie nichts mit dem Brandstifter zu tun, aber mit zweien seiner erwählten Opfer. Doch erst als weitere Morde geschehen findet Raupach den entscheidenden Hinweis.

 

 

Es ist immer sehr unterschiedlich, wie 500 eng bedruckte Seiten auf den Leser wirken. Ein Krimi sollte den Leser auf jeder Seiten weiter treiben und fesseln, doch das gelingt nicht immer. „Der vierte Mörder“ kommt nicht so recht in Gang und wird immer wieder mit zähen Beschreibungen der Psyche absolut kaputter Typen noch mehr geliert. Hier wäre weniger deutlich mehr, denn trotz der intensiven Beschreibungen bleiben die Personen erstaunlich flach. Man kann als Leser nicht mit ihnen warm werden, mit ihnen fühlen. Bestenfalls sich über die Abgründe menschlicher Existenzen ekeln.

 

Herausragend und mit einem sehr klaren Profil von der ersten Seite an, ist eigentlich nur die raubeinige Kollegin Raupachs, Photini, deren bissige Streitgespräche die Geschichte doch deutlich lockerer machen. Ohne diesen Sidekick würde die Handlung untergehen, sie rettet vieles. Sie ist jemand den man nicht zum Feind haben mag, aber gern als Freund. Auch mit Raupach kann man sympathisieren, aber auch sein Profil bleibt am Anfang irgendwie farblos. Ein verkappter Sherlock Holmes, der seine Fähigkeiten verkümmern sieht.

 

Die Geschichte hat Potential und würde mit etwas weniger von dem, was auf dem Klappentext als „psychologisch dicht und raffiniert gestrickt“ beschrieben wird, sehr viel mitreißender wirken. Auch Psycho-Thriller gewinnen mit dem Tempo, das der Erzähler vorlegt. Das jemand Rachegelüste entwickelt und Menschen dafür büßen lassen will, weil sie nicht zu Zivilcourage fähig sind, ist ein brisantes Thema, das hier sehr tiefgehend aufgegriffen wird.

 

Für Freunde der eher ruhigeren, tiefer schürfenden Krimis guter Stoff für lange Winterabende.

 

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Der vierte Mörder

Autor: Thomas Kastura

Broschiert: 512 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (Dezember 2007)

Sprache: Deutsch

Cover ZERO Werbeagentur, München

ISBN-10: 3426636492

ISBN-13: 978-3426636497

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18 | Users Online
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