Diente der erste Band von Hidden Creatures noch dazu, die Leser in die ganz eigene Welt von Kiyash Monsef einzuführen, legt er jetzt so richtig los. Auch wenn er sich bemüht, die wichtigsten Informationen in die Geschichte einzubinden, so merkt man schon, dass es einen Vorgänger gab. Dennoch erzählt Der Vogel der Tausend Geschichten eine eigenständige Geschichte.
Marjan führt inzwischen ein Doppelleben, Auf der einen Seite geht sie natürlich weiter in die Schule, auf der anderen aber reist sie durch die Welt und kümmert sich um magische Wesen, die ihrer besonderen Gaben bedürfen, auch wenn sie immer mehr gegen die Eigenmächtigkeiten und Gier der Familie Fell rebelliert.
Das führt letztendlich zu einer Flucht, quer durch die Welt, merkwürdigen Begegnungen, Gaben und einer immer heißer werdenden Spur zu einem besonderen mythischen Wesen, das große Macht verleihen könnte und so auch ihre Verfolger nicht ruhen lässt.
Die negative Meinung über die Familie Fell verstärkt sich in diesem Band noch. Denn auch wenn die sich als Retter der magischen Wesen aufspielen, kennt Marjan ihre wahre Natur und ihre geldgierigen Absichten, die so viel mehr Schaden anrichten können, als Gutes bewirken. Aber viel unternehmen kann sie erst einmal nicht, außer zu flüchten.
Das bringt sie nicht nur mit einem bisher unbekannten Verwandten ihres Vaters zusammen, sondern auch mit weiteren Geheimnissen und Mythen, die sich ebenfalls durch das Buch ziehen dürfen.
Gerade der »Vogel der tausend Geschichten«, ob nun mehr Simurgh oder Phönix, zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung, aber auch andere unheimliche Begegnungen, die dem ganzen einen grusligen Anstrich geben.
Marjan lernt wieder jede Menge dazu und muss über sich hinaus wachsen, weil auch in ihrer direkten Umgebung so einiges passiert, was nicht ganz von dieser Welt ist. Aber die Andeutungen und Hinweise fügen sich am Ende zu einem schönen Gesamtbild zusammen und lassen den Leser zufrieden zurück.
Der Autor sprüht wieder einmal vor Fabulierfreude und Ideen, verpasst den eigentlich recht bekannten Themen einen frischen Anstrich und macht deshalb auch Lust auf mehr. Gerade die Einbindung persischer Kultur und Mythen gibt allem eine besondere magische Atmosphäre. Die Geschichte ist so gehalten, dass sie junge Leser ab zwölf Jahren anspricht, auch Gewalt und Grausamkeiten bleiben auf einem entsprechend jugendfreien Niveau.