Der Vogelbrunnen von Paddy Richardson

Rezension von Heike Rau

 

Nachdem Alex an einem Herzinfarkt gestorben ist, muss Claire mit ihrer Tochter Annie allein zurechtkommen. Es dauert lange bis der Schmerz ein wenig nachlässt. Später arbeitet Claire dann als freiberufliche Journalistin, bringt sich und ihre mittlerweile 16-jährige Tochter damit gerade so durch. Eines Tages tritt Anwalt Alistair Downes an Claire heran. Er hat ein ganz besonderen Auftrag. Claire soll die Biographie des Serienvergewaltigers Travis Crill schreiben. Claire will den Auftrag zunächst nicht annehmen. Doch sie beginnt zu überlegen. Endlich wären die Geldsorgen gelöst. Auch wenn der Job ihr Angst einjagt, so wäre die Arbeit doch zeitlich begrenzt. Zudem ist der Anwalt sehr überzeugend. Außerdem wird Claire versichert, dass ihr Name letztendlich aus der Sache herausgehalten wird. Trotz dunkler Vorahnungen nimmt sie den Job schließlich an.

 

Schreiben soll sie über das, was offensichtlich ist. Im Grunde geht es darum Travis Crill zu entlasten. Doch Claire schaut genauer hin. Sie recherchiert akribisch, lässt sich nicht blenden. Claire nimmt Kontakt zu Detective Max Williams auf, der den Fall aufklärte. Sie versucht mit den Opfern ins Gespräch zu kommen. Und sie recherchiert in Crills Vergangenheit. Schließlich begibt sie sich ins Gefängnis, um mit Travis Crill persönlich zu sprechen. Bis dahin, glaubte Claire noch, ihren Job schnellstmöglich erledigen und abhaken zu können. Aber es kommt alles anders. Crill weiß Dinge über sie, die er nicht wissen dürfte. Außerdem sickert etwas von ihrem Vorhaben an die Presse durch. Und dann ist da noch Annie. Ihr macht der neue Job ihrer Mutter Angst. Sie liest heimlich mit, was diese schreibt.

 

Es ist ein ausgesprochen fesselndes Buch. Es beginnt schon unheilvoll, denn Claire spürt ganz genau, dass sie den Job, auch wenn er ihr finanzielle Sicherheit bietet, nicht annehmen sollte. Man kann ihre Überlegungen gut nachempfinden und ihre Entscheidung nur zu gut verstehen. Doch Claire ist naiv, glaubt tatsächlich, dass das, was sie tut, nicht an die Öffentlichkeit gelangt und damit ihre Anonymität gewahrt bleibt.

Claire wird mit ihren familiären Sorgen und Nöten sehr gut beschrieben. Man kann als Leser sehr schnell Nähe zu ihr aufbauen. Man verfolgt mit Spannung, wie sie vorgeht. Sie gibt sich von Anfang an nicht vorsichtig genug. Sie unterschätzt vor allem ihre Tochter Annie, die sich zur Zeit sehr unberechenbar gibt und für Kummer sorgt.

 

Was in Annie genau vorgeht, wird dem Leser nicht vorenthalten, denn auch sie hat im Buch einen eigenen Erzählstrang. Der Thriller wird von vielen Seiten beleuchtet. Auch die Opfer kommen zu Wort, beschreiben aus ihrer Sicht, was ihnen geschehen ist. Sie treten heraus aus der Anonymität und zeigen, was Travis Crill für ein grausamer Mensch ist, auch wenn er vor Claire den Gentlemen gibt. Zwischendurch liest man die abartigen Gedanken Travis Crills, die er so geschickt nach außen hin zu verbergen versteht.

Die Autorin versetzt ihre Leser in eine ganz bestimmte Erwartungshaltung. Die Lage wird immer dramatischer. Immer mehr kommt die Wahrheit ans Licht.

 

Vom Aufbau her ist das Buch sehr schlau strukturiert. Der Spannungsbogen sitzt. Der Schreibstil gefällt. Die Charaktere sind perfekt ausgearbeitet. Als Leser wird man gefesselt und auch immer wieder überrascht. Sehr empfehlenswert!

 

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MEDIUM: Thriller

Der Vogelbrunnen

Autor: Paddy Richardson

Gebundene Ausgabe: 442 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (5. Mai 2010)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426198843

ISBN-13: 978-3426198841

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 21.03.2019 12:28 | Users Online
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